Krypto-Währung auf Talfahrt Minus 50 Prozent in 4 Wochen - ist die Bitcoin-Blase geplatzt?

Bitcoin im Feuer: Die Krypto-Währung hat heftige Verluste verzeichnet - wie geht es weiter?

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War es das jetzt schon? Monatelang stieg der Kurs des Bitcoin mit immer schnellerem Tempo, was einige Besitzer der Krypto-Währung Berichten zufolge bereits zu Millionären oder gar Milliardären gemacht hat. Parallel dazu erhöhte sich allerdings auch die Zahl der Statements von Kapitalmarkt- und Geldanlagefachleuten, die vor den Risiken eines Kaufs des digitalen Geldes sowie vor dem bevorstehenden Platzen einer Spekulationsblase warnten.

Nun hat der Bitcoin mit dem Januar seinen schlechtesten Monat seit drei Jahren erlebt. Um etwa 30 Prozent gab der Bitcoin-Kurs gemessen in US-Dollar seit Jahresbeginn nach. Seit dem Allzeithoch Mitte Dezember, als ein Bitcoin zeitweise mehr als 19.000 Dollar kostete, beläuft sich das Minus in der Spitze sogar auf etwa 50 Prozent. In dieser Woche rutschte der Bitcoin/Dollar  vorübergehend erneut unter die Marke von 10.000 Dollar, die er zuletzt allerdings wieder überstieg.

Dieser Wertverlust ist selbst nach den Maßstäben des üblicherweise hochvolatilen Bitcoin-Preises bemerkenswert. Der Bitcoin rutschte zwar in der Vergangenheit bereits mehrfach um 25 Prozent oder mehr ab. Solche Rücksetzer erwiesen sich jedoch meist als kurzlebig. Einen Verlust von 30 Prozent innerhalb eines Monats gab es in den vergangenen Jahren überhaupt nur drei Mal, schreibt etwa das "Wall Street Journal ". Zuletzt war dies im Januar 2015 der Fall.

Die Frage, ob die viel beschworene Spekulationsblase beim Bitcoin nun bereits geplatzt ist, erscheint daher angebracht. Beantworten lässt sie sich allerdings kaum abschließend - jedenfalls noch nicht. Zwar passt das langfristige Chartbild des Bitcoin-Kursverlaufs exakt in das Schema vorheriger Spekulationsblasen, was dafür spricht, dass es in den kommenden Wochen und Monaten weiter abwärts gehen dürfte. Sicher ist das jedoch noch längst nicht.


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Klarer scheint dagegen, was zu den aktuellen Kursverlusten des Bitcoin geführt haben dürfte. Beobachtern zufolge haben vor allem die immer wieder bekannt werdenden Fälle von Hackerangriffen, Betrug und Diebstahl in der Welt der Krypto-Währungen sowie das zunehmende Durchgreifen der Aufsichtsbehörden in verschiedenen Ländern einen großen Einfluss.

Betrug und Diebstahl in den USA, Japan und Co.

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Dieser Theorie zufolge könnte sich aktuell im Markt die Spreu vom Weizen trennen: Wenn unseriösen Playern das Leben immer schwerer gemacht wird, dürfte das zu einer allgemeinen Beruhigung des Krypto-Handels beitragen. So kommt es vielleicht künftig seltener zu extremen Kursausschlägen, wie es sie zuletzt gegeben hat.

Bis dahin steht den Behörden aber vermutlich noch eine Menge Arbeit bevor. Zuletzt stoppte etwa die US-Börsenaufsicht SEC in dieser Woche wegen Betrugsvorwürfen die eine Milliarde Dollar schwere Ausgabe einer neuen Krypto-Währung durch ein texanisches Geldhaus namens AriseBank. Das Unternehmen habe für ihr Vorhaben bei Investoren mit dem falschen Hinweis geworben, dass sie eine Bank gekauft habe, die von der amerikanischen Einlagensicherung FDIC abgedeckt werde, teilte die SEC mit. Zudem habe das Institut die kriminelle Vergangenheit von Topmanagern verschwiegen.

Ebenso gerät Berichten zufolge gerade eine der größten Handelsplattformen der Welt für Krypto-Währungen ins Visier der US-Aufseher. Die Regulierungsbehörde CFTC habe eine Vorladung an die Krypto-Börse Bitfinex geschickt, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag. Demnach hat die Behörde auch explizit die Cyber-Währung Tether im Visier.

Zu einem großangelegten Krypto-Raubzug kam es zudem vor wenigen Tagen in Japan, wo sich neben China und Südkorea ein Großteil des weltweiten Handels mit Krypto-Währungen abspielt. Hacker griffen die japanische Handelsplattform Coincheck an und erbeuteten Coins der Cyber-Währung Nem im Wert von 534 Millionen Dollar. Wie sich solche Vorfälle auf den Wert der Digitalwährungen auswirken können, zeigte sich unmittelbar nach der Attacke: Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge brach der Nem-Kurs binnen kurzer Zeit von 1,02 auf 0,79 Dollar ein.

"Dieser Vorfall zeigt, dass das Problem keineswegs gelöst ist", sagte Analyst Makoto Sakuma vom Research-Haus NLI. "Wenn Coincheck beim Krisenmanagement versagt, könnte dies den Krypto-Währungsboom dämpfen."

Das sieht offenbar auch Japans Finanzaufsicht so, die bereits auf den Fall reagiert hat: Die angegriffene Plattform Coincheck müsse binnen zwei Wochen einen Bericht zu dem Vorfall vorlegen, teilte die Behörde FSA mit. Zudem müsse die Börse einen Maßnahmenkatalog präsentieren, um einen ähnlichen Raub in Zukunft zu verhindern. Unabhängig davon werde die FSA bei Bedarf auch andere Krypto-Börsen unter die Lupe nehmen.

Die Beispiele zeigen zwar, dass die Aufseher das Geschehen am Krypto-Markt inzwischen aufmerksam verfolgen. Insgesamt jedoch steckt die staatliche Regulierung von Digitalwährungen und des Handels mit ihnen noch in den Kinderschuhen. In Japan etwa benötigen Kryptobörsen erst seit knapp einem Jahr eine Lizenz. Die Handelsplattformen, die wie Coincheck schon vorher existierten, dürfen ihre Geschäfte bis zur formellen Genehmigung des Antrags weiterführen. Bislang registrierte die japanische FSA 16 Kryptobörsen, 16 weitere warten auf eine Zusage.

Facebook stoppt Werbung für Krypto-Währungen

In China und Südkorea, neben Japan Hochburgen des Handels mit digitalen Währungen, haben die Behörden ihre Gangart ebenfalls verschärft. China etwa geht gegenwärtig gegen das in der Volksrepublik florierende Bitcoin-Mining vor. Einige Börsen für Cyber-Währungen gaben dort im Herbst zudem auf, nachdem sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) verboten worden waren. Außerdem blockiert die chinesische Regierung den Internetzugang zu Krypto-Börsen.

Auch die Regulierungsbehörden in Südkorea nehmen das Geschehen inzwischen genauer unter die Lupe. Ein mögliches Verbot des Handels mit Bitcoin & Co. in Südkorea ist allerdings offenbar vom Tisch. "Wir haben nicht die Absicht, den Markt für Krypto-Währungen zu verbieten oder zu unterdrücken", sagte der südkoreanische Finanzminister Kim Dong-yeon am Mittwoch. "Die Regulierung der Börsen ist die vordringliche Aufgabe der Regierung."

Ein Verbot anderer Art hat dagegen das soziale Netzwerk Facebook  beschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, wird es Werbung für digitale Währungen wie Bitcoin auf den Seiten von Facebook vorerst nicht mehr geben.

Facebook sperre Anzeigen für "Finanzprodukte und -dienstleistungen, die häufig mit irreführenden oder betrügerischen Werbepraktiken in Verbindung gebracht werden", so Produktmanager Rob Leathern. Dabei gehe es um binäre Optionen, bei denen Anleger auf steigende oder fallende Kurse wetten können, Initial Coin Offerings, mit denen Firmen digitales Geld einsammeln, und Krypto-Währungen.

Das Verbot soll auch für die Facebook-Tochter Instagram gelten. Facebook-Manager Leathern deutete allerdings an, dass der Konzern den Bann auch wieder lockern werde - um ehrlichen Firmen Anzeigen rund um digitale Währungen zu ermöglichen. So könnte also auch das weltgrößte soziale Netzwerk dazu beitragen, dass der Krypto-Währungsmarkt erwachsen wird.

Mit Material von Nachrichtenagenturen