Mittwoch, 22. Mai 2019

Krypto-Währung auf Talfahrt Minus 50 Prozent in 4 Wochen - ist die Bitcoin-Blase geplatzt?

Bitcoin im Feuer: Die Krypto-Währung hat heftige Verluste verzeichnet - wie geht es weiter?

2. Teil: Betrug und Diebstahl in den USA, Japan und Co.

Dieser Theorie zufolge könnte sich aktuell im Markt die Spreu vom Weizen trennen: Wenn unseriösen Playern das Leben immer schwerer gemacht wird, dürfte das zu einer allgemeinen Beruhigung des Krypto-Handels beitragen. So kommt es vielleicht künftig seltener zu extremen Kursausschlägen, wie es sie zuletzt gegeben hat.

Bis dahin steht den Behörden aber vermutlich noch eine Menge Arbeit bevor. Zuletzt stoppte etwa die US-Börsenaufsicht SEC in dieser Woche wegen Betrugsvorwürfen die eine Milliarde Dollar schwere Ausgabe einer neuen Krypto-Währung durch ein texanisches Geldhaus namens AriseBank. Das Unternehmen habe für ihr Vorhaben bei Investoren mit dem falschen Hinweis geworben, dass sie eine Bank gekauft habe, die von der amerikanischen Einlagensicherung FDIC abgedeckt werde, teilte die SEC mit. Zudem habe das Institut die kriminelle Vergangenheit von Topmanagern verschwiegen.

Ebenso gerät Berichten zufolge gerade eine der größten Handelsplattformen der Welt für Krypto-Währungen ins Visier der US-Aufseher. Die Regulierungsbehörde CFTC habe eine Vorladung an die Krypto-Börse Bitfinex geschickt, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag. Demnach hat die Behörde auch explizit die Cyber-Währung Tether im Visier.

Zu einem großangelegten Krypto-Raubzug kam es zudem vor wenigen Tagen in Japan, wo sich neben China und Südkorea ein Großteil des weltweiten Handels mit Krypto-Währungen abspielt. Hacker griffen die japanische Handelsplattform Coincheck an und erbeuteten Coins der Cyber-Währung Nem im Wert von 534 Millionen Dollar. Wie sich solche Vorfälle auf den Wert der Digitalwährungen auswirken können, zeigte sich unmittelbar nach der Attacke: Dem Branchendienst CoinMarketCap.com zufolge brach der Nem-Kurs binnen kurzer Zeit von 1,02 auf 0,79 Dollar ein.

"Dieser Vorfall zeigt, dass das Problem keineswegs gelöst ist", sagte Analyst Makoto Sakuma vom Research-Haus NLI. "Wenn Coincheck beim Krisenmanagement versagt, könnte dies den Krypto-Währungsboom dämpfen."

Das sieht offenbar auch Japans Finanzaufsicht so, die bereits auf den Fall reagiert hat: Die angegriffene Plattform Coincheck müsse binnen zwei Wochen einen Bericht zu dem Vorfall vorlegen, teilte die Behörde FSA mit. Zudem müsse die Börse einen Maßnahmenkatalog präsentieren, um einen ähnlichen Raub in Zukunft zu verhindern. Unabhängig davon werde die FSA bei Bedarf auch andere Krypto-Börsen unter die Lupe nehmen.

Die Beispiele zeigen zwar, dass die Aufseher das Geschehen am Krypto-Markt inzwischen aufmerksam verfolgen. Insgesamt jedoch steckt die staatliche Regulierung von Digitalwährungen und des Handels mit ihnen noch in den Kinderschuhen. In Japan etwa benötigen Kryptobörsen erst seit knapp einem Jahr eine Lizenz. Die Handelsplattformen, die wie Coincheck schon vorher existierten, dürfen ihre Geschäfte bis zur formellen Genehmigung des Antrags weiterführen. Bislang registrierte die japanische FSA 16 Kryptobörsen, 16 weitere warten auf eine Zusage.

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