Bitcoin-Influencer Julian Hosp "Ich will nicht, dass ein Staat weiß, wie viel Krypto ich habe"

Kryptowährungen als Inflationsschutz? Investoren scheinen das für eine gute Idee zu halten. Julian Hosp glaubt nicht daran. Der Influencer und Start-up-Gründer über seine Kryptoinvestments, Preisaussichten und die Gefahr einer Enteignung.
Das Interview führte Christoph Rottwilm
"Es spricht sehr viel für dieses digitale, zensurresistente, limitierte Etwas": Julian Hosp glaubt an Bitcoin und andere Kryptowährungen

"Es spricht sehr viel für dieses digitale, zensurresistente, limitierte Etwas": Julian Hosp glaubt an Bitcoin und andere Kryptowährungen

manager magazin: Herr Hosp, die Inflationsraten steigen in vielen Ländern, bereitet Ihnen das mit Blick auf Ihr Vermögen Sorgen?

Julian Hosp: Bei dem Thema bin ich noch etwas zwiegespalten. Betrachtet man die letzten 18 Monate, dann ist schon eine überdurchschnittlich hohe Inflationsrate erkennbar, die Deutschland in diesem Ausmaß seit 20 Jahren nicht mehr erlebt hat. Was zählt, ist jedoch, die zukünftige Inflation einigermaßen gut vorherzusehen. Mit guter Diversifikation lässt sich ein Anlageportfolio recht gut gegen Inflations- oder auch Deflationsrisiken absichern.

Glauben Sie denn, dass sich Kryptowährungen wie der Bitcoin als Inflationsschutz eignen?

Das ist reine Spekulation. Es gibt diese Anlageklasse noch gar nicht lange genug, um darüber eine fundierte Aussage treffen zu können. Deshalb wissen wir nicht, ob Bitcoin ein Inflationsschutz ist oder nicht. Ich glaube auch nicht, dass wir in den letzten zwölf Monaten so einen starken Preisanstieg beim Bitcoin gesehen haben, weil so viel Geld gedruckt wurde.

Manager von Goldfonds klagen zurzeit allerdings, dass Anleger als Inflationsschutz zum Bitcoin greifen  anstatt wie früher zu Gold. Werden diese Anleger also ein böses Erwachen erleben?

Das Volumen, das in den Kryptobereich hineinfließt, ist überschaubar klein, vor allem verglichen zum etablierten Goldmarkt. Die schwache Performance des als krisenresistent geltenden Edelmetalls Gold zeigt für mich einfach, dass viele Investoren aktuell nicht von einer längerfristigen Inflation ausgehen. Wie gesagt, wir hatten zwar zuletzt eine überdurchschnittlich hohe Inflation. Es zählt jedoch der Blick nach vorn. Die prognostizierte Inflationsrate spielt meiner Ansicht nach als Bitcoin-Preistreiber immer noch eine untergeordnete Rolle.

Weshalb ging es Ihrer Meinung nach mit dem Preis derart aufwärts?

Es spricht einfach zurzeit sehr viel für dieses digitale, zensurresistente, limitierte Etwas. Das sind die drei entscheidenden Faktoren für mich: Es ist digital, und die Gesellschaft geht immer mehr ins Digitale. Facebook hat das mit seinem Schwenk zum Metaverse zuletzt sehr deutlich gemacht. Zensurresistenz bedeutet, dass man nicht gezwungen werden kann, etwas abzugeben, aber – und das ist ganz interessant – man kann auch nicht gezwungen werden, etwas zu halten.

Wie meinen Sie das?

In Deutschland etwa gibt es die Sorge vor Enteignung momentan vielleicht nicht. Aber in Ländern wie Syrien oder Venezuela wissen die Menschen diese Eigenschaft des Bitcoin sehr zu schätzen. In asiatischen Ländern wie Indonesien oder Malaysia ist es ähnlich. Hinzu kommt, dass Bitcoin nachweislich limitiert sind. Das könnte tatsächlich dazu führen, dass, sollte die Geldmenge weiter steigen, der Preis der 21 Millionen Bitcoins immer höher bemessen wird und weiter stark steigen wird.

Also doch ein Inflationsschutz?

Könnte, sage ich, könnte! Ich habe ein solches Szenario bereits 2015 in meinem Buch "Kryptowährungen einfach erklärt" beschrieben. Seinerzeit habe ich einen Preisanstieg auf eine halbe Million Dollar pro Bitcoin vorhergesagt, und wir sind zurzeit auf einem ziemlich guten Weg dorthin.

Aber Sie betonen selbst das Wort "könnte". Mit der Vokabel kann man so ziemlich jedes denkbare Szenario für die Zukunft beschreiben.

Es geht hier nicht um Möglichkeiten, sondern um Wahrscheinlichkeiten. Und aufgrund der vergangenen sieben Jahre, die ich bereits in diesem Markt bin, sehe ich gute Wahrscheinlichkeiten, dass eine solche Preisentwicklung auch in den kommenden sieben Jahren denkbar ist. Ohnehin sehe ich Bitcoin grundsätzlich nicht in Konkurrenz zu Gold oder anderen Währungen wie Dollar oder Euro.

Da unterscheiden Sie sich von vielen Krypto-Fans.

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