Digitalwährung nahe 2000 Dollar auf Rekordhoch Wird 2017 das Jahr des Bitcoin?

GRAFIK Bitcoin / Gold

GRAFIK Bitcoin / Gold


Fast jeden Tag ein neues Rekordhoch: Der vergangene Monat war ein historischer für den Bitcoin. Die digitale Währung war am Freitag erstmals mehr als 1900 Dollar wert und kratzt nun an der 2000-Dollar-Marke  - selbst zu ersten Hochzeiten vor einigen Jahren hatte sie nie auch nur ansatzweise so hoch notiert.

Eine weitere historische Marke hat der Bitcoin bereits Anfang März geknackt; erstmals war er teurer als eine Feinunze Gold. Mittlerweile, so zeigt es die Grafik, die Statista  für manager-magazin.de erstellt hat, ist das im Internet geschürfte Anlageobjekt dem der Erde entrungenen weit enteilt. Zum Schlusskurs vom Mittwoch, der der Grafik zugrunde liegt, war ein Bitcoin gut 30 Prozent teurer als eine Feinunze.

Natürlich lässt sich darüber streiten, ob die Feinunze die richtige Einheit ist, um den physischen Wert Gold mit dem digitalen Stück Geld zu vergleichen. Trotzdem wirft der Vergleich eine wichtige Frage auf: Gold umgibt der Nimbus des sicheren Hafen in unruhigen Börsenzeiten - hat auch der Bitcoin das Zeug zum Krisen-Investment? Oder ist er langfristig zu einer Existenz als "Gauner-Währung" verdammt, wie mancher nach dem jüngsten "WannaCry"-Hacker-Angriff unkte?

Antworten gibt die folgende Übersicht.

Das steckt hinter dem aktuellen Höhenflug

Laden in Hong Kong, der Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert

Laden in Hong Kong, der Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert

Foto: PHILIPPE LOPEZ/ AFP

Verschiedene Faktoren sorgen aktuell dafür, dass Bitcoins so teuer gehandelt werden wie noch nie: Experten führten zuletzt vor allem hohe Nachfrage aus China an. Aber auch Investoren aus Russland oder Venezuela griffen aktuell beherzt zu, vor allem aus Angst vor der Entwertung der eigenen Währung.

Hinzu kommt laut anderer Marktbeobachter , dass vor allem jüngere Menschen Banken und anderen Institutionen der Finanzindustrie immer weniger trauten und deswegen zu "Nicht-Bank-Alternativen" (boerse.ard.de) griffen. Dieser Trend komme auch Fintechs zugute.

Der Wert der Bitcoins wird allerdings auch von ihrer Handelbarkeit bestimmt: Japan hat sie zum 1. April als offizielles Zahlungsmittel anerkannt; Experten rechnen deshalb mit steigender Nachfrage, zumal das entsprechende Gesetz prominent in vielen Medien des Landes diskutiert worden sei. Auch Russland hat sich laut Vize-Finanzminister Alexey Moiseev eine offizielle Anerkennung der Währung vorgenommen.

Als potenzieller Kurs-Treiber war zuletzt auch immer wieder die amerikanische Finanzaufsicht SEC gehandelt worden: Sie prüft die Einrichtung von Bitcoin-ETFs, mit denen etwa die Winklevoss-Zwillinge die digitale Währung handelbarer für die breite Öffentlichkeit machen wollten. Zwar hatte die Behörde Anfang März den Winklevosses zunächst ihre Zustimmung verweigert und damit den Kurs in die Tiefe geschickt - mittlerweile hat sie aber eine Überprüfung dieser Entscheidung angekündigt. Eine SEC-Genehmigung gilt als finanzpolitischer Ritterschlag - liegt sie vor, hätten die Märkte einen weiteren Grund, das digitale Geld ernst zu nehmen.

Der neue sichere Hafen...

Bitcoin-Wallet auf Papier

Bitcoin-Wallet auf Papier

Foto: REUTERS

Gold gilt seit Jahrtausenden als wertstabile Anlage in Krisenzeiten. Sein Rekordhoch erreichte das Edelmetall im Jahr 2011, als die Angst um den Euro und die Staatsfinanzen vieler Länder bis auf ein Rekordhoch von 1921 Dollar  trieb. Bitcoin- und Gold-Fans vereint entsprechend ein ähnlicher Grundgedanke - ein Misstrauen um die dauerhafte Werthaltigkeit von Währungen, Aktien und anderen Produkten der Finanzindustrie.

Wie beim Gold ist der tatsächliche Wert als sicherer Hafen auch beim Bitcoin umstritten: Die Bundesbank warnte zuletzt vor der virtuellen Währung - sie sei "kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren. Das zeigt ein einfacher Blick auf die sehr schwankungsanfällige Kursentwicklung." Der Bitcoin sei "ein Spekulationsobjekt"; zuletzt möge es rapide nach oben gegangen sein. Das habe aber auch schon anders ausgehen.

Auch Vermögensverwalter zeigen sich skeptisch: "Die virtuellen Münzen taugen weder als Währung noch als Investitionsobjekt", zitiert "Capital"  Marc-Oliver Lux von der Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner. Schon Spekulationen mit Euro, Dollar oder Yen seien riskant, weil ihre Wechselkurse oftmals kurzfristig stark schwankten. Für Bitcoin gelte das erst recht.

Bei allen Bitcoin-versus-Gold-Überlegungen muss zudem auch das tatsächliche Verhältnis an den Märkten berücksichtigt werden: Die Kryptowährung erreicht aktuell eine Marktkapitalisierung von etwa 32 Milliarden Dollar; der Wert allen in Umlauf befindlichen Goldes wird hingegen auf über 7 Billionen Dollar geschätzt.

... oder doch nur eine Schurkenwährung?

Bitcoin-Schmuckmünze

Bitcoin-Schmuckmünze

Foto: LUCAS JACKSON/ REUTERS

In der vergangenen Woche hatte die "WannaCry"-Hackerattacke auf tausende Computer weltweit den Bitcoin medial wieder in die Schmuddelecke gedrängt: Die Hacker hatten Dateien auf den Computern von Betroffenen gesperrt; gegen eine Zahlung von 300 Dollar in Bitcoin wollten sie den Zugriff wieder erlauben. Die Kryptowährung ist bei solchen Angriffen beliebt, denn bei Bitcoin-Überweisungen kann die Identität der Teilnehmer verschleiert werden. Das macht sie auch für Geldwäscher interessant.

Solche Bedenken könnte ein SEC-Gütesiegel für einen Bitcoin-ETF natürlich schmälern - andererseits würde es allerdings auch das Interesse von Spekulanten an der digitalen Währung vergrößern.

Bitcoin für Einsteiger - so funktioniert die Kryptowährung

Eröffnung des ersten Geschäfts in Hong Kong, das Bitcoin akzeptiert (Archivbild, 2014)

Eröffnung des ersten Geschäfts in Hong Kong, das Bitcoin akzeptiert (Archivbild, 2014)

Foto: © Bobby Yip / Reuters/ REUTERS

Im Gegensatz zum Zentralbanksystem (oder auch zu Anbietern von Kreditkarten) fehlt dem Bitcoin-Modell ein zentraler Akteur. Damit trotzdem garantiert werden kann, dass nur mit validen Bitcoins gehandelt wird, werden alle Transaktionen von Bitcoins in einem Verzeichnis gespeichert, der Blockchain. Nur eine Bitcoin, deren Geschichte sich in der Blockchain nachvollziehen lässt, ist etwas wert.

Neue Bitcoins entstehen bei der Pflege dieser Blockchain: Nutzer melden Transaktionen an andere Nutzer weiter - diese können sie mit einem komplizierten kryptographischen Verfahren in sogenannten Blocks zum Verzeichnis hinzufügen. Das Besondere: Wer die Blockchain auf diese Weise erfolgreich fortschreibt, erhält als Belohnung neue Bitcoins - deren Entstehung nun ebenfalls in der Blockchain hinterlegt ist. (Eine detailliertere, lesenswerte Erklärung dieses Prozesses finden Sie bei basicthinking.de ).

Bitcoins können auf Bitcoin-Börsen oder von anderen Nutzern der Digitalwährung erworben werden - sie werden in einer digitalen Geldbörse, Wallet genannt, gespeichert. Das Erstellen eigener Bitcoins ist laut "CoinDesk" zuletzt zunehmend schwierig geworden: Weltweit arbeiten Computer an der Blockchain, um neue Bitcoins zu generieren - wer dank seiner großen Rechenleistung zuerst einen Block zur Chain hinzufügen kann, gewinnt die Belohnung. Normale Heimcomputer reichen in diesem Wettrennen nicht mehr aus.

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