Bill Gates warnt vor Bitcoin "Wenn Sie weniger Geld als Elon haben, passen Sie auf"

Neue Runde im Meinungsstreit der Multimilliardäre: Bill Gates findet, außer Elon Musk solle niemand Bitcoin kaufen. Digitales Geld an sich könne zwar nützlich sein. Dafür müsste es aber ganz anders konzipiert werden.
Nicht reich genug für Bitcoin: Microsoft-Gründer Bill Gates will besser auf sein Geld aufpassen als Tesla-Chef Elon Musk

Nicht reich genug für Bitcoin: Microsoft-Gründer Bill Gates will besser auf sein Geld aufpassen als Tesla-Chef Elon Musk

Foto: Carolyn Kaster / AP

Wenn es nach Bill Gates (65) geht, kommen nicht mehr viele als Käufer von Bitcoin infrage - oder genau genommen keine. In einem Interview mit "Bloomberg"  empfahl der Microsoft-Gründer: "Wenn Sie weniger Geld als Elon haben, sollten Sie besser aufpassen." Elon Musk (49), der zuletzt auch Milliarden seiner Autofirma Tesla auf die Kryptowährung Bitcoin setzte, "hat einen Haufen Geld und ist sehr versiert", müsse sich also nicht sorgen, ob sein Bitcoin-Portfolio mehr oder weniger zufällig auf- oder abwertet. Ein Problem entstehe, weil Menschen, die nicht so viel Geld übrig haben, auf die "Manie" aufspringen.

Je nach Milliardärsranking ist Musk der reichste  oder inzwischen wieder der zweitreichste  Mensch der Welt - weil Verluste beim Bitcoin  und der Tesla-Aktie  im Lauf dieser Woche ihn wieder hinter Amazon-Gründer Jeff Bezos zurückfallen ließen. Bill Gates, der selbst jahrelang an der Spitze des Rankings stand, steht heute mit einem Vermögen von 136 Milliarden Dollar auf Platz 3 - nach Gates' eigenem Kriterium zu wenig für eine Bitcoin-Wette.

Zuvor hatte der Techveteran bereits gegenüber dem Fernsehsender CNBC erklärt , er halte sich bei Bitcoin zurück. Der Kurs sei von einer Manie und wechselnden Stimmungen getrieben, er selbst habe keine Mittel einzuschätzen, in welche Richtung es weitergehe. Daher setze er weder auf steigende noch fallende Kurse, "ich habe eine neutrale Sicht".

Neutral ist er jedoch nur hinsichtlich der Marktposition. Inhaltlich hat Gates einiges am Kryptomarkt auszusetzen. Es gebe Dinge in der Gesellschaft, in die investiert werde, um etwas zu produzieren, antwortete er auf die Frage von "Bloomberg", warum er nicht Bitcoin-bullish sei. Den Umkehrschluss, dass Bitcoin eben keinen Nutzen stifte, brauchte er gar nicht mehr auszusprechen - dafür aber noch den Hinweis, dass die Kryptowährung für dieses Nullergebnis "eine Menge Energie verbraucht". Die Universität Cambridge schätzt  den aktuellen Stromverbrauch des Bitcoin-Netzwerks auf 128 Terawattstunden pro Jahr, mehr als Argentinien verbraucht - der Großteil der Datenzentren, in denen Bitcoins "geschürft" werden, zieht demnach in chinesischen Provinzen wie Xinjiang den dort billigen, überschüssigen Kohlestrom aus dem Netz. Und mit dem Bitcoin-Preis steigt tendenziell der Energiehunger sowie der Klimaschaden.

"Digitales Geld ist eine gute Sache" - aber nicht so

Auf den Widerspruch, dass ausgerechnet der Elektromobilitätsvorreiter Tesla sich mit Bitcoin-Käufen als Klimakiller betätigt, wollte Gates, der mit seiner Interviewtournee ein aktuelles Buch zum Klimawandel bewirbt , nicht eingehen. Er habe "nichts als positive Gedanken über Tesla und seine Rolle". Elon Musk hatte Gates vor einem Jahr auf Twitter attackiert, weil dieser sich zwar ein Elektroauto zugelegt hatte, aber einen Porsche Taycan und keines von Tesla.

Gegenüber "Bloomberg" stellte Gates klar, grundsätzlich sei "digitales Geld eine gute Sache". Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die im vergangenen Jahr das Netzwerk Mojaloop auch unter Beteiligung des Bitcoin-Rivalen Ripple mit ins Leben rief, habe dezentrale Zahlungsnetze in Entwicklungsländern errichten helfen. Mit deren Hilfe hätten bereits Staaten in der Pandemie auch Bürgern ohne Bankkonto direkt Finanzhilfen geben können. Die Stiftung achte aber darauf, dass diese Systeme transparent und nicht anonym seien, Zahlungen auch wieder korrigiert werden können und den Kontrollen gegen Geldwäsche, Terrorfinanzierung, Kriminalität oder Steuerhinterziehung unterlägen - im Gegensatz zu Bitcoin.

Dem "Wall Street Journal"  antwortete Bill Gates vor einer Woche sogar spontan auf die Frage, auf welche Innovation die Welt am besten verzichtet hätte: "die Art, wie Kryptowährungen heute funktionieren". Und korrigierte sich gleich darauf: "Ich hätte Biowaffen sagen sollen." Die seien noch schlimmer.

ak
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