Changpeng Zhao Binance-Chef dringt auf Regulierung der Kryptobranche

Die Kryptobranche benötigt Regulierung, mahnt Binance-Chef Zhao nach der Pleite des Wettbewerbers FTX. Auch die Anbieter selbst müssten die Verbraucher schützen. Die Nervosität in Branche steigt: Crypto.com dementiert Gerüchte über mögliche Probleme.
Changpeng Zhao: Der Binance-CEO fordert beim G20-Treffen in Bali nach dem Zusammenbruch der Handelsplattform FTX klare Vorschriften

Changpeng Zhao: Der Binance-CEO fordert beim G20-Treffen in Bali nach dem Zusammenbruch der Handelsplattform FTX klare Vorschriften

Foto: WILLY KURNIAWAN / REUTERS

Nach dem Kollaps der Kryptowährungsbörse FTX werden auch innerhalb der Branche die Rufe nach einer strengeren Regulierung lauter. "Wir sind in einem neuen Geschäftsfeld", sagte Changpeng Zhao (45), Chef des Weltmarktführers Binance beim G20-Treffen auf Bali am Montag. "Wir haben in der vergangenen Woche gesehen, wie verrückt die Dinge geworden sind. Wir brauchen Regulierung, wir müssen das richtig machen, wir müssen das auf solide Beine stellen."

Die Branche habe die gemeinsame Aufgabe, die Verbraucher zu schützen. "Regulierer spielen eine Rolle, aber es ist nicht zu 100 Prozent ihre Verantwortung", fügte Changpeng hinzu. Die FTX-Affäre sei der ideale Zeitpunkt für die Behörden, die Zügel straffer zu ziehen, kommentierte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. "Wir können uns die unterschiedlichen Maßstäbe für Kryptowährungsbörsen nicht mehr leisten."

Anders als der klassische Aktien- oder Rohstoff-Handel steckt die Regulierung dieser Plattformen noch in den Kinderschuhen. Brüssel plant nun eine EU-weite Regulierung der Branche per sogenannter MiCA-Verordnung. Das manager magazin liefert alle Infos, die Anleger dazu haben sollten.

Kundengelder in Milliardenhöhe offenbar verschwunden

FTX hatte am Freitag in den USA Gläubigerschutz beantragt. Insidern zufolge soll mindestens eine Milliarde Dollar an Kundengeldern verschwunden sein. Gegen die Krypto-Börse und den inzwischen zurückgetretenen Firmenchef Sam Bankman-Fried (30) laufen auf den Bahamas Ermittlungen wegen möglicher Veruntreuung von Kundengeldern. Bankman-Fried widersprach Berichten, er habe "heimlich" zehn Milliarden Dollar an Kundengeldern von FTX zu seinem eigenen Handelsunternehmen Alameda transferiert. Es habe sich nicht um eine heimliche Transaktion gehandelt. Es habe jedoch Missverständnisse bei der Verbuchung gegeben, erklärte er in einer Textnachricht an die Nachrichtenagentur Reuters.

Vor diesem Hintergrund geraten andere Handelsplattformen ins Trudeln. Am Wochenende hatte eine 400 Millionen Dollar schwere Überweisung der Kryptowährung Ethereum von der Börse Crypto.com zu Gate.io Spekulationen über Unregelmäßigkeiten bei Ersterer geschürt. Crypto.com-Chef Kris Marszalek zufolge liegt die Transaktion mehr als drei Wochen zurück und stehe in keinem Zusammenhang mit der FTX-Affäre. Außerdem sei das Geld inzwischen zurücktransferiert worden.

Crypto.com-Chef weist Spekulationen zurück

Marszalek betonte außerdem, dass sein Unternehmen über eine starke Bilanz verfüge und kündigte für die kommenden Wochen eine geprüfte Aufstellung der Finanzreserven an. Bei kollabierten Rivalen FTX stünden weniger als zehn Millionen Dollar seines Unternehmens im Feuer. Crypto.com rangiert bei den umsatzstärksten Kryptobörsen auf Platz sieben.

Analyst Timo Emden von Emden Research warnte wegen des allgemeinen Vertrauensverlustes dennoch vor einem möglichen massenhaften Abzug von Geldern bei Kryptobörsen. "Ein derartiges Ereignis könnte eine sich selbstverstärkende Dynamik auslösen und zu weitreichenden Kursverlusten führen."

Im Sog der FTX-Turbulenzen haben die beiden führenden Cyber-Devisen Bitcoin und Ethereum in den vergangenen Tagen bereits jeweils rund 20 Prozent verloren. Mit 15.566 Dollar war Erstere zeitweise so billig wie zuletzt vor zwei Jahren und kostete zuletzt etwa 16.740 Dollar.

Derweil hat auch der weltweit größte Zahlungsabwickler Visa seine Zusammenarbeit mit der FTX beendet, nachdem diese erst Anfang Oktober getroffen wurde. "Wir haben unsere globalen Vereinbarungen mit FTX gekündigt und das Kreditkartenprogramm in den USA wird abgewickelt", sagte ein Unternehmenssprecher.

sio, rei/dpa, Reuters
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