Donnerstag, 20. Juni 2019

Befesa-IPO bis zu 800 Millionen Euro schwer Recycling-Konzern strebt an die Börse

Wertstoffe recyceln, bevor sie auf der Müllkippe landen oder die Umwelt belasten. Befesa hat sich im Bereich Metalle darauf spezialisiert und wlll nun an die Börse

In diesem Jahr sind bislang vergleichsweise wenig Firmen in Deutschland an die Börse gegangen. Mit Metallrecycler Befesa könnte jetzt aber ein dicker Brocken das Parkett betreten. Bis zu 800 Millionen Euro könnte der IPO einspielen, sagen Experten.

Der deutsch-spanische Metallrecycler Befesa strebt an die Frankfurter Börse. Der Sprung aufs Parkett sei für das laufende Quartal geplant, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Der Finanzinvestor Triton, der Befesa 2013 für rund 1,1 Milliarden Euro einschließlich Schulden von der spanischen Abengoa kaufte, hatte statt des Börsengangs auch einen Verkauf der Firma geprüft.

Er will nun aber doch 40 bis 50 Prozent der Aktien auf den Markt werfen, wie Befesa-Chef Javier Molina in einer Telefonkonferenz sagte. Insidern zufolge könnte der Börsengang damit bis zu 800 Millionen Euro schwer werden.

Den Großteil seines Geschäfts macht das Unternehmen mit dem umweltschädlichen Stahlstaub. Befesa nimmt den Stahlkonzernen das Abfallprodukt ab, kassiert dafür eine Gebühr und gewinnt bei dessen Aufbereitung Zink. Das Metall verkauft Befesa unter anderem an Rohstoffhändler wie Glencore. Ähnlich läuft das Geschäft mit der Aluminiumindustrie, für die Befesa Salzschlacke recycelt.

Befesa recycelt Wertstoffe aus der Stahl- und Aluminiumindustrie

Befesa hat auch Wurzeln in Deutschland. In dem spanischen Unternehmen war 2006 der ehemals an der Frankfurter Börse gelistete Schrott-Recycler BUS Berzelius aufgegangen. Deshalb liegt auch ein großer Teil des Geschäfts in Deutschland. Der spanische Mischkonzern Abengoa nahm Befesa 2011 von der Börse und verkaufte sie zwei Jahre später an den Finanzinvestor Triton.

Die Erlöse aus dem Börsengang fließen allein an Triton, das Unternehmen selbst bietet keine Aktien an. Befesa dürfte auf einen Börsenwert von 1,3 bis 1,6 Milliarden Euro kommen, wie zwei Insider der Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Börsenwert könnte sich auf bis zu 1,6 Milliarden Euro belaufen

Wachstumschancen sieht der Metallrecycler angesichts der strengeren Umweltvorschriften insbesondere in Asien. Bislang liegt der Schwerpunkt des Geschäfts auf Spanien und Deutschland. Weitere Anlagen betreibt der Konzern in Schweden, Frankreich, Großbritannien, der Türkei und Südkorea.

Befesa sei Marktführer in Europa, die Renditen seien hoch und die Eintrittsbarrieren für mögliche Konkurrenten erheblich, warb Konzernchef Molina für sein Unternehmen. 2016 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 612 Millionen Euro, der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) lag bei 103 Millionen Euro. Nach dem Börsengang will Befesa 40 bis 50 Prozent des Nettogewinns als Dividende ausschütten.

Bislang vergleichsweise wenig Börsengänge in Deutschland

Befesa ist bereits das dritte Unternehmen in diesem Herbst, das seine Pläne für einen Börsengang im streng regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse öffentlich macht. Der Batteriesystem-Anbieter Voltabox will sein Debüt am 13. Oktober feiern, der Mikrobatterie-Hersteller Varta will wenig später folgen. Mit einem Volumen von rund 150 Millionen Euro und etwa 200 Millionen Euro dürften diese Börsengänge jedoch deutlich kleiner als Befesa werden.

Bislang ist in diesem Jahr erst wenigen Firmen eine Börsennotierung in Frankfurt gelungen: Den Anfang im streng regulierten Prime Standard machte im Frühjahr der Maschinenbauer Aumann, im Juni folgten der Lieferdienst Delivery Hero und die Restaurantkette Vapiano. Im Juli debütierte der Lkw-Zulieferer Jost-Werke. Mit Abstand die größte Emission war dabei der milliardenschwere Börsengang von Delivery Hero.

Reuters

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung