Garantierter Rückkauf Seltene Renditechance am Spac-Markt - für kurze Zeit

Die rechtliche Konstruktion von Spac-Börsenmänteln sichert Investoren eine risikolose Rendite. Portfoliomanager Oliver Scharping erklärt, wie Anleger jetzt Profit daraus schlagen können - aber nicht mehr lange.
Katerstimmung an der US-Börse: Kurseinbrüche bei Spacs haben zu Renditechancen für Arbitragejäger geführt

Katerstimmung an der US-Börse: Kurseinbrüche bei Spacs haben zu Renditechancen für Arbitragejäger geführt

Foto: DON EMMERT/ AFP

manager magazin: Herr Scharping, Sie sagen, am Spac-Markt böten sich Investoren derzeit besondere Möglichkeiten für risikolose Arbitragegeschäfte. Können Sie das erläutern?

Oliver Scharping: Tatsächlich ist die Möglichkeit zur Arbitrage ohne Risiko aus unserer Sicht der attraktivste Aspekt des gesamten Geschäfts mit Spacs – und im Augenblick tut sich dafür ein Fenster auf, wie es bislang nur selten der Fall war. Der Spac-Markt bietet aktuell ein geradezu paradiesisches Umfeld für Arbitrageure, also für Investoren, die Preisunterschiede an verschiedenen Märkten nutzen wollen.

Wie kommt das?

Hintergrund ist die Tatsache, dass Investoren bei Spacs generell die Sicherheit haben, dass sie ihre Aktien nach einer Frist von zwölf oder 24 Monaten zum ursprünglichen Kaufpreis von in der Regel zehn Dollar an den Emittenten zurückgeben können. Während dieser Zeit sucht das Spac-Management nach einem Unternehmen, das übernommen und an die Börse gebracht werden kann. Gelingt eine solche Übernahme nicht oder gefällt dem Investor nicht, was die Spac erwerben will, bekommt er sein Geld zurück.

Inklusive Zinsen.

Richtig. Die Spacs parken ihre Mittel während der Phase, in der sie Übernahmeobjekte suchen, in sicheren Papieren wie beispielsweise kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Diese werfen eine Verzinsung ab, die der Investor, sofern er aussteigt, ebenfalls erhält. Das allein wäre aber noch keine Grundlage für ein attraktives Arbitragegeschäft, denn die Verzinsung ist mit beispielsweise 0,05 Prozent für US-Bonds mit sechs Monaten Laufzeit momentan noch immer sehr niedrig. Der Investor könnte sie auch erhalten, indem er sein Geld direkt in solche Papiere steckt.

Was ist also momentan anders?

Wir hatten bis zum Februar eine enorme Euphorie am Spac-Markt. Sehr viele dieser Gesellschaften wurden an die Börse gebracht, und Investoren steckten Milliardensummen in die Emissionen. Inzwischen hat sich die Stimmung jedoch gedreht. Es gibt zum Beispiel Zweifel daran, dass es für all diese Firmenmäntel ausreichend attraktive Übernahmeziele geben wird. In der Folge haben sich Investoren aus dem Markt zurückgezogen, es kam zu Kursverlusten bei Spacs. Auch der von dem deutschen Start-up-Investor Klaus Hommels gegründete "Lakestar Spac 1 " ist seit Februar unter Druck geraten.

Also zu günstigen Einstiegschancen?

Genau. Von mehr als 500 Spacs, die wir beobachten, notieren derzeit rund 400 unter ihrem Net Asset Value, also dem inneren Wert, der sich aus der Summe ergibt, die ursprünglich eingezahlt wurde, plus Verzinsung. Die Aktienkurse bewegen sich beispielsweise bei 9,80 Dollar oder 9,90 Dollar. Wer zu diesen Kursen einsteigt, sichert sich die Differenz zum möglichen Rückgabepreis von 10 Dollar plus der beschriebenen Verzinsung als risikolose Arbitragerendite. Annualisiert sind auf diese Weise zurzeit Renditen von 2 bis 3 Prozent möglich, weitgehend ohne jedes Risiko.

Wie lange wird sich diese Möglichkeit noch bieten?

Es ist klar, dass sich das Fenster wieder schließen wird, sobald der Rückschlag am Spac-Markt überstanden ist. Es dürfte auch davon abhängen, wann die Stimmung an der Börse generell wieder zugunsten von Tech-Papieren dreht. Wir rechnen damit, dass sich diese besonderen Arbitragemöglichkeiten noch bis zum Sommer bieten, länger kaum.

Zudem gibt es noch Potenzial für deutlich höhere Erträge.

Wir steigen zum Teil in Spacs ein, deren Laufzeit nur noch wenige Monate beträgt. Bei gleichem Einstiegskurs bedeutet das eine annualisiert höhere Rendite. Vor allem aber besteht immer die Aussicht darauf, dass die Spac ein wirklich attraktives Übernahmeziel findet. Das nächste Lucid Motors sozusagen.

Das US-Elektroauto-Start-up Lucid Motors gab im Februar bekannt, über die Spac Churchill Capital IV an die Börse gehen zu wollen. Der Kurs der Churchill-Papiere schoss daraufhin zeitweise auf beinahe 70 Dollar in die Höhe. Zuletzt notierten die Aktien bei 25 Dollar. Bei solchen Kursgewinnen handelt es sich aber nicht mehr um Arbitragerenditen.

Die Arbitrage bildet in unserem Portfolio die sichere Basis. Von zehn Spacs, in die wir investieren, bleibt es bei fünf Unternehmen bei diesem Betrag: Wir geben die Papiere zurück und bekommen den Net Asset Value plus Zinsen ausgezahlt. Bei drei weiteren Investments gibt es einen Übernahmedeal, der okay ist. Und dann gibt es im Schnitt zwei Blockbuster wie Lucid Motors, die die Gesamtrendite in die Höhe treiben.

In welcher Höhe bewegt sich die Rendite, die sie auf diese Weise insgesamt am Spac-Markt erzielen?

Wir streben in der konservativen Ausprägung unserer Strategie eine niedrige zweistellige Rendite an, also 10 bis 12 Prozent.

Welche Rolle spielen dabei die Optionsscheine, die Investoren bei einem Spac-IPO in der Regel mit dazubekommen?

Wer sich an einem Spac-IPO beteiligt, bekommt in aller Regel nicht nur die Aktien der Spacs, sondern zudem noch Optionsscheine gratis dazu. Meist gibt es zu jeder Aktie einen Viertel oder einen Fünftel Call-Optionsschein im Bündel. Man benötigt dann also vier oder fünf Aktien, um einen kompletten Optionsschein zu besitzen. Dieser berechtigt später zum Kauf weiterer Aktien zum Preis von beispielsweise 11,50 Dollar. Ist der Kurs der Spac-Aktie bis dahin stärker gestiegen, steckt also auch darin noch zusätzliches Renditepotenzial. Falls nicht, bringen die Optionen zumindest kein Verlustrisiko mit sich.

Insgesamt klingt das Ganze ein wenig kompliziert, vor allem für Privatanleger. Nehmen wir ein Beispiel: Angenommen, jemand möchte ein solches Arbitragegeschäft mit der Spac "European FinTech IPO Company 1 " anstellen, die vor wenigen Tagen von Ex-Commerzbank-Chef Martin Blessing an die Börse von Amsterdam gebracht wurde, und die ebenfalls deutlich unter dem Ausgabepreis von 10 Euro notiert. Er müsste die Aktien also an der Amsterdamer Börse beispielsweise über seinen Onlinebroker erwerben, später für die Rückgabe der Aktien jedoch den Emittenten direkt kontaktieren. Kein leichtes Unterfangen.

Das ist richtig. Wir raten Privatleuten grundsätzlich davon ab, auf eigene Faust ins Spac-Arbitragegeschäft einzusteigen. Es gibt einige rechtliche Fallstricke, die man kennen und beachten muss. Das beginnt schon mit der Einhaltung der Frist für die Rückgabe der Papiere. Damit dürften Privatinvestoren, die über die üblichen Onlinebroker agieren, meist überfordert sein. Hinzu kommt, dass man mitunter sehr schnell reagieren muss, wenn eine Spac tatsächlich ein Übernahmeziel findet oder erste Gerüchte und Spekulationen in diese Richtung aufkommen.

Bleiben Privatleute bei diesem Geschäft also außen vor? Auch die Mindestzeichnungssummen sind bei Spacs in der Regel sehr hoch.

Die Mindestzeichnungssumme bei Spac-IPOs beträgt in der Tat oft eine Million Dollar oder mehr, da gibt es also schon eine Barriere. In den USA gibt es allerdings bereits erste ETFs, die auf den Spac-Markt fokussiert sind. In Deutschland werden zudem wenige Investmentfonds angeboten, die zumindest einen Teil ihrer Mittel in Spacs investieren. Auch unser Haus hat ein solches Vehikel im Angebot. Aus unserer Sicht wird der Markt gerade zusätzlich spannend, weil nicht mehr nur Start-ups aus dem Technologiebereich im Fokus stehen. US-Spacs nehmen inzwischen beispielsweise auch Value-Unternehmen ins Visier.

cr
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