Dienstag, 20. August 2019

Anlegerfalle Die Mittelstandsanleihe - eine verhängnisvolle Affäre

Strenesse-Models: Bekannter Name, schlechte finanzielle Verfassung

Vertraute Namen, greifbare Produkte: Deutsche Anleger lieben Mittelstandsanleihen. Daran ändern auch die vielen Pleiten in diesem Segment nichts. Eine verhängnisvolle Affäre, deren böses Ende ab 2015 folgen wird.

Im Markt für Anleihen herrscht der Ausnahmezustand. Ultraniedrige Leitzinsen und enorme Mengen Liquidität sorgen dafür, dass Unternehmen ihre Schuldscheine aus den Händen gerissen werden, weil Investoren auf der Suche nach halbwegs ordentlich verzinsten Anlagen sind.

Die Hatz nach Rendite lässt auch das Segment der sogenannten "Mittelstandsanleihen" erblühen: kleinere Unternehmen, die mit meist hohen einstelligen Zinsen um das Geld der Anleger buhlen. In den vergangenen vier Jahren haben etwa 150 mittelständische deutsche Unternehmen - von A wie Air Berlin bis Z wie Zamek - insgesamt rund sechs Milliarden Euro vor allem bei Privatanlegern eingesammelt.

Wieso sind so viele Anleger scharf auf die Mittelstandsanleihen?

Von denen dürften viele ihr Geld nicht wiedersehen. Denn das Segment verzeichnet bereits mehr als ein Dutzend Pleiten - zuletzt ging Ende Februar der Nahrungsmittelkonzern Zamek in die Insolvenz, der sich in den letzten zwei Jahren rund 45 Millionen bei Anlegern gepumpt hatte. Zudem stehen die Kurse der meisten Anleihen nach der Platzierung unter Druck, wie ein Blick auf den Chart des Mibox-Index für alle deutsche Mittelstandsanleihen zeigt.

Nun gehören Pleiten und Kursrückgänge im Anleihenmarkt zum Alltag - allerdings nicht in einer Zeit, in der die Wirtschaft brummt, die Zinsen niedrig sind und die Kreditvergabe lax ist. Gesunde Unternehmen sollten derzeit in Deutschland eigentlich keine Probleme haben, an Geld zu kommen.

Doch mit ebendieser finanziellen Gesundheit hapert es bei vielen Unternehmen, die sich im Segment der Mittelstandsanleihen tummeln. Die Anleger scheint das nicht zu stören. Viele Mittelstandsanleihen sind bei ihrer Platzierung ähnlich schnell vergriffen wie Neuemissionen zu Zeiten des Neuen Markts. Dieser Erfolg fußt auf einer Reihe von Missverständnissen:

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