Edelmetall unter Druck Erste US-Goldmine pleite - wann steigt der Preis?

Goldgewinnung im Kongo: Immer mehr Minen dürften unter dem niedrigen Goldpreis leiden

Goldgewinnung im Kongo: Immer mehr Minen dürften unter dem niedrigen Goldpreis leiden

Foto: FINBARR O'REILLY/ REUTERS

Eine kleine Meldung mit großem Symbolwert: In den USA musste mit Allied Nevada Gold in dieser Woche erstmals seit Langem eine größere Goldmine Insolvenz anmelden. Das Unternehmen litt Berichten zufolge unter einer gewaltigen Schuldenlast von 543 Millionen Dollar (388 Millionen Euro). Vor allem aber machte Allied Nevada der seit geraumer Zeit weit unter seinen Hochs notierende Goldpreis  zu schaffen.

Es dürfte nicht die letzte Pleite bleiben. Seit der Goldpreis 2011 nahe 1900 Dollar je Unze sein bisheriges Rekordhoch erreichte, befindet er sich unter Druck. Mehrfach gab es in den vergangenen Jahren regelrechte Ausverkäufe. Seinen jüngsten Absturz erlebt der Preis seit Ende Februar, nachdem er sich seit Jahresbeginn zunächst erfreulich entwickelt hatte.

Doch nun sind die Gewinne wieder zunichte gemacht: Gold notiert mit rund 1162 Dollar je Unze gegenwärtig niedriger als Anfang Januar.

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Unter dem Preisrückgang leiden vor allem Goldproduzenten mit Sitz in den USA, wie Allied Nevada. Außerhalb der Vereinigten Staaten dagegen kommen die Minen bislang gut zurecht, sagt Martin Siegel, Experte vom Fondshaus Stabilitas und Inhaber des Goldhandelsunternehmens Westgold. Denn dort werde der Preisverlust des Edelmetalls durch den gleichzeitigen Kursgewinn, den der wieder erstarkte Dollar in den vergangenen Monaten verzeichnet hat, weitgehend wettgemacht.

Weitere Pleiten von Minen erwartet Siegel dennoch. Zur Begründung verweist er auf eine Berechnung, für die er die Bilanzen zahlreicher Goldproduzenten weltweit ausgewertet hat. Dabei hat Siegel sämtliche Gelder zusammengestellt, die in die Goldproduktion investiert wurden, von den Pacht- bis zu Genehmigungskosten, vom Personalaufwand bis zu Maschinenkäufen. Auch Explorationsaufwendungen die erfolglos blieben, fließen ein, so Siegel.

Preisziel: 1800 Dollar je Unze

Auf dieser Grundlage, so der Experte, lässt sich errechnen, welchen Preis die Minen mindestens benötigen, um die aktuelle Produktionsmenge langfristig aufrechterhalten zu können.

Das Ergebnis: Laut Siegel muss der Goldpreis früher oder später auf etwa 1800 Dollar je Unze steigen. Andernfalls müssen seiner Kalkulation zufolge in nächster Zeit weitere Minen die Waffen strecken. Die damit verbundene Einschränkung der Angebotsmenge müsste dann spätestens den Preis steigen lassen - so zumindest die ökonomische Theorie.

Tatsächlich haben die Minengesellschaften auf dem Goldmarkt so gut wie keinen Einfluss auf die Preisbildung, das weiß auch Experte Siegel. Eine Vielzahl von Faktoren wirken dort auf den Preis des gelben Metalls ein, von der Nachfrage in China und Indien über das Verhalten der Zentralbanken bis hin zum Bedarf der weltweiten Schmuckindustrie.

Den größten Einfluss auf den Goldpreis, da sind sich Fachleute einig, haben seit geraumer Zeit zudem Banken und Großinvestoren, die auf das Geschehen an den Finanz- und Terminmärkten einwirken. Wie seriös diese Player dabei agieren, darf hinterfragt werden. Spekulationen über eine systematische Manipulation des Goldpreises machen seit langem die Runde. Auch Untersuchungen durch Aufsichtsbehörden sowie Geldstrafen für verschiedene Akteure hat es schon gegeben.

Kurzum: Ob Experte Siegel Recht behält und der Preis in nächster Zeit wieder Auftrieb bekommt, entscheidet sich wohl in erster Linie in den Chefetagen großer Banken und Investmenthäuser.