Schadensersatzklagen nach Fondsdebakel US-Pensionsfonds wollen vier Milliarden Dollar von der Allianz

Infolge der Corona-Börsenpanik im März, musste die Allianz zwei hochaggressive Fonds schließen. Nun haben amerikanische Pensionsfonds Klage eingereicht.
Ärger in Amerika: Allianz-Chef Oliver Bäte.

Ärger in Amerika: Allianz-Chef Oliver Bäte.

Foto: CHRISTOF STACHE / AFP

Die Allianz sieht sich in den USA mit milliardenschweren Klagen von Pensionsfonds konfrontiert, die mit mehreren Fonds in der Coronakrise drastische Verluste erlitten haben. Die in New York eingereichten Schadenersatz-Klagen summieren sich bereits auf vier Milliarden Dollar, wie Reuters errechnet hat. Nach hohen Verlusten infolge der Virus-Panik an den Märkten hatte die Kapitalanlagetochter des Münchener Versicherungsriesen, die Allianz Global Investors (AllianzGI), im März zwei ihrer "Structured Alpha"-Fonds liquidiert. Die Vehikel verfolgten hochaggressive Anlagestrategien wie sie sonst von Hedgefonds bekannt sind. Die Kläger werfen der AllianzGI vor, bewusst von der Strategie abgewichen zu sein, die Fonds mit Optionen gegen einen kurzfristigen Absturz an den Finanzmärkten abzusichern.

Unter den Klägern ist neben dem Pensionsfonds für Lehrer im US-Bundesstaat Arkansas (ATRS) auch der Fonds für die Mitarbeiter des Betreibers der New Yorker Verkehrsbetriebe, der Metropolitan Transport Authority (MTA). Er hatte für 200 Millionen Dollar in die geschlossenen Allianz-Fonds investiert, um die Betriebsrenten-Ansprüche der 70.000 Mitarbeiter zu erfüllen. In der Klageschrift heißt es, AllianzGI habe eine "wetterfeste" Anlagestrategie versprochen, habe dann aber aus Eigennutz auf eine Erholung am Markt gesetzt und damit "die schwer verdienten Pensionen der MTA-Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt, die zur gleichen Zeit ihr Leben riskierten, um New York in der Corona-Pandemie am Leben zu halten".

Ein Allianz-Sprecher wies die Vorwürfe zurück: Auch wenn die Verluste bedauernswert seien, die Vorwürfe der Kläger seien "rechtlich und faktisch unzutreffend". Der Versicherer werde sich dagegen zur Wehr setzen. Schließlich handle es sich bei den Pensionsfonds um professionelle Anleger, die Fonds mit einem höheren Rendite-Risiko-Profil gekauft hätten. Sie sollten bis zu zehn Prozent höhere Renditen bringen als der S&P-500-Index. Mit einem der Fonds erlitten die Käufer laut den Klagen einen Verlust von 97 Prozent.

Die Allianz hatte selbst im Halbjahresbericht eingeräumt, dass die Hedgefonds-Verluste auch die US-Wertpapieraufsicht SEC auf den Plan gerufen hatten. Man kooperiere mit der Behörde. Für eine Stellungnahme war die SEC vorerst nicht erreichbar. Allianz Global Investors hatte eine eigene Untersuchung eingeleitet und war im Juli zu dem Schluss gekommen, dass die Verluste "nicht das Ergebnis einer fehlerhaften Portfolio-Investmentstrategie oder Fehlern im Risikomanagement" gewesen seien.

lhy/Reuters
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