Geldanlage Was die Dax-Reform für ETF-Anleger bedeutet

Am Montag wechseln zehn Unternehmen auf einen Schlag vom MDax in den deutschen Leitindex Dax. Der Dax wird zum Dax40, der MDax schrumpft zum MDax50. Was bedeutet das für Anleger, die per ETF in Dax oder MDax investiert haben? Müssen sie reagieren?
Dax-Anzeige an der Frankfurter Börse: Der Leitindex wächst auf 40 Werte - kein Grund zum Aktivismus bei Anlegern, meinen Experten

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Foto: Boris Roessler / dpa

Am Montag wird die umfassendste Indexreform wirksam, die die Deutsche Börse bislang vorgenommen hat. Wichtigste Veränderung: Der Leitindex Dax wächst von 30 auf 40 Unternehmen, der MDax für die nächstkleineren Werte schrumpft im gleichen Zug von 60 auf 50 Unternehmen. Wie die Börse vor wenigen Wochen entschieden hat, werden die Aktien von Airbus, Brenntag, Hellofresh, Qiagen, Sartorius, Siemens Healthineers, Symrise, Porsche Automobilholding, Puma und Zalando am 20. September auf einen Schlag vom MDax in den Dax wechseln.

Anleger, die Fonds in ihren Depots haben, die auf den Dax oder den MDax fokussiert sind – beispielsweise entsprechende Indexfonds oder ETFs –, können sich also die Frage stellen: Sollen sie auf diese Veränderungen reagieren? Verlieren möglicherweise die MDax-Fonds zugunsten der Dax-Fonds an Bedeutung, sodass eine entsprechende Umschichtung von den einen Investmentvehikeln in die anderen angezeigt erschiene?

Investmentexperten zufolge hat die Reform Auswirkungen auf den Charakter des Leitindex Dax. "Der Dax macht einen kleinen Schritt vom Dividendenindex zum Wachstumsindex", kommentierte Silke Schlünsen, Indexexpertin der US-Investmentbank Stifel, schon im Vorfeld der Erweiterung. "Unter den Neumitgliedern sind einige wachstumsstarke Zukunftsunternehmen, die den Index bereichern werden." Der Dax werde dadurch auch für ausländische Investoren attraktiver und könnte einen Schub durch Mittelzuflüsse globaler Investoren bekommen.

Unternehmen, die die Indexkennerin bei ihrer Einschätzung im Blick haben dürfte, sind etwa der Kochboxenlieferant Hellofresh oder der Onlinehändler Zalando. Beides sind noch vergleichsweise junge Unternehmen aus dem Technologiesektor, die sich nach wie vor in ihrer Wachstumsphase befinden. Entsprechend groß sind die Vorschusslorbeeren, die sie – gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – momentan noch an der Börse erhalten. Die hohen KGV solcher Papiere, die zwischen 40 und 80 liegen, dürften nach Einschätzung von Burkhard Wagner vom Vermögensverwalter Partners Vermögensmanagement in München dazu führen, dass auch der Dax insgesamt künftig im Schnitt eine höhere Bewertung erhalten wird, dass er also de facto teurer wird. "Im Gegenzug wird der MDax im Durchschnitt günstiger."

Aufsteiger machen 13 Prozent des Dax aus - und 44 Prozent des MDax

Ben Laidler, Global Market Strategist beim Onlinebroker eToro, urteilt ebenfalls, dass die Branchenvielfalt des Dax durch die Aufnahme von Firmen wie Hellofresh, Zalando oder auch dem Medizintechnikunternehmen Siemens Healthineers sowie dem Diagnostikspezialisten Qiagen verbessert wird. Der Index behalte jedoch seinen zyklischen Charakter, weil konjunktursensible Branchen wie die Chemie- oder die Autoindustrie nach wie vor dominierten.

"In der Vergangenheit waren es die klassischen Branchen wie Versicherer, Banken, Maschinenbau und Industrie, Autos, Immobilien und Energie – der Dax zeigte vor allen Dingen auf, was in Deutschland produziert wird", bringt es Markus Zschaber vom Vermögensverwalter VMZ auf den Punkt. "Doch die Zeiten ändern sich, Dienstleister aus den Bereichen Software, Internet und Gesundheit drängen Schritt für Schritt nach vorne, werden für Deutschlands Wirtschaft immer wichtiger und bieten Wachstumsimpulse."

Abgesehen vom Wandel beim Branchenmix führt die Dax-Reform zu messbaren Gewichtsverschiebungen in den Indizes. So werden die zehn neuen Unternehmen zusammen – allen voran das neue Schwergewicht Airbus – vom Start weg ein Gewicht von rund 13 Prozent im Dax haben, wie Indexexperte Christian Kahler von der DZ Bank errechnet hat. Im MDax erscheinen die Folgen der Abgänge noch signifikanter: Die zehn Firmen, die den Index verlassen, kamen zusammen auf einen Anteil von rund 44 Prozent am Mittelwerteindex – eine große Lücke, die die verbleibenden 50 Unternehmen zu füllen haben.

Kurzum: Die Dax-Reform führt augenscheinlich zu deutlichen Veränderungen in Dax und MDax – doch was bedeutet das für Anleger? Die Mehrzahl der von manager magazin befragten Investmentfachleute ist der Ansicht, dass Privatanleger kaum auf die Verschiebungen reagieren sollten. "Der Dax bildet als Index weiterhin die Performance der größten deutschen Konzerne ab, daran ändert sich durch die Vergrößerung auf 40 Unternehmen grundsätzlich nicht viel", sagt etwa Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank. "Die Attraktivität des MDax als Index für Unternehmen mit Wachstumspotenzial steigt womöglich sogar noch, denn die Aktien von Airbus beispielsweise, die im Index bislang stark dominierten, fallen nun heraus. Dadurch steigt der Einfluss anderer Papiere auf die Index-Performance."

"Eine Umschichtung ist nicht nötig", sagt auch Maik Bolsmann vom Vermögensverwalter B&K Vermögen in Köln. "Der Dax ist und bleibt das absolute Schwergewicht, er hat vorher schon den Löwenanteil des börslich investierbaren Aktienkapitals abgebildet, zukünftig sind es 80 Prozent."

Auch Alexander Reich glaubt nicht, dass Anleger aufgrund der Dax-Reform Umschichtungen in ihren Depots vornehmen müssen. "Wenn ein Anleger in Deutschland investiert ist, sollte er eine Verteilung auf Dax- und MDax-Investments beibehalten", sagt der Portfoliomanager vom Vermögensverwalter PVV in Essen.

Reich betont zudem die besonderen Kurschancen des MDax, die schon in der Vergangenheit dazu führten, dass der Mid-Cap-Index seinen großen Bruder im Performance-Vergleich in den Schatten stellte. "Mid-Cap-Unternehmen, wie sie im MDax vertreten sind, können weiterhin einen überdurchschnittlichen Performance-Beitrag liefern", sagt er. Zwar würden am Markt oft die liquideren Large-Caps, wie sie auch im Dax notiert sind, bevorzugt. "Grundsätzlich bleibe ich jedoch bei der Auffassung, dass Unternehmen mit einer kleineren Marktkapitalisierung, welche zudem nicht ständig im globalen Investorenfokus liegen, solide Kurschancen bieten."

Und: Reich spricht die Neigung der Anleger an, bevorzugt auf dem Heimatmarkt zu investieren – ein Fehler, wie viele Anlageexperten meinen. "Grundsätzlich und losgelöst von der Dax-Reform sollten Privatanleger über die Verteilung ihrer Assets nachdenken", sagt er. "Privatanleger neigen dazu ihren Heimatmarkt zu bevorzugen und unterlassen eine Diversifikation über verschiedene Länder respektive Regionen."

Sprich: Zwar macht es die Dax-Reform nicht erforderlich, die Gewichtung von Dax- oder MDax-Fonds im Depot zu verändern. Vielleicht ist sie aber ein guter Anlass für Anleger, darüber nachzudenken, ob sie die Allokation über die deutschen Grenzen hinaus bereits ausreichend berücksichtigt haben.

cr