1,7 Billionen Euro in 20 Jahren Diese Aktien waren für Anleger Gold wert

Mit deutschen Aktien konnten Anleger seit 2003 beachtliche Erträge erzielen – vor allem mit einigen wenigen Papieren. Eine Studie zeigt, bei welchen Unternehmen das Investment lohnte und bei welchen nicht. Die Gewinner im Überblick.
Von wegen Kapitalvernichter: Wer spät genug eingestiegen ist, konnte sogar mit der Aktie von Telekom-Chef Tim Höttges Geld verdienen. Der Großteil floss über Dividenden.

Von wegen Kapitalvernichter: Wer spät genug eingestiegen ist, konnte sogar mit der Aktie von Telekom-Chef Tim Höttges Geld verdienen. Der Großteil floss über Dividenden.

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Oliver Berg / dpa / picture alliance

In den vergangenen 20 Jahren wurden am deutschen Aktienmarkt über Dividenden. Kursgewinne und Aktienrückkäufe 1,7 Billionen Euro an Wert erzielt. Das zeigt eine Studie des Flossbach von Storch Research Institute, einer Denkfabrik des gleichnamigen Kölner Vermögensverwalters mit rund 70 Milliarden Euro verwaltetem Kundengeld. Der Großteil der für Anleger geschaffenen Werte entfiel dabei allerdings nur auf wenige Titel. Der Studie zufolge standen zwölf Aktien für die Hälfte des geschaffenen Gesamtwertes. Viele andere deutsche Aktien dagegen brachten Anlegern seit Januar 2003 unter dem Strich kein Geld.

Den größten Wert für Anleger schufen laut Studie die Dax-Konzerne Siemens, SAP, Allianz, Mercedes-Benz Group und Deutsche Telekom mit je über 75 Milliarden Euro. Es folgten BASF, BMW, Volkswagen (Stammaktien), Munich Re und Deutsche Post. Die Aktien zählen fast alle auch zu den großen Dividendenzahlern im Dax. Die Vermögenszuwächse im Wert von 1,7 Billionen Euro hängen allerdings auch damit zusammen, dass für die Studie der Zeitraum zwischen Januar 2003 und Januar 2023 gewählt wurde: Im März 2003 war der Dax nach dem Zusammenbruch des Neuen Marktes mit rund 2500 Punkten auf einen Tiefstand gefallen. Entsprechend hoch sind die Zuwächse in Form von Kursgewinnen und Dividenden.

Deutsche Bank auf dem letzten Platz

Zu den größten Wertvernichtern seit 2003 gehören dagegen die Papiere der Commerzbank, des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate Holding und der Deutschen Bank, die mit fast 25 Milliarden Euro Wertvernichtung auf dem letzten Platz (1013) landete. Der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard kam auf Rang 938.

Für die Studie wurden alle gut 1000 Aktien deutscher Firmen analysiert, die zwischen Anfang 2003 und Dezember 2022 in den Segmenten Prime Standard und General Standard der Deutschen Börse öffentlich gehandelt wurden. Untersucht wurden allerdings nur deutsche Aktien. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern Airbus etwa war nicht Teil der Studie und der Industriegase-Spezialist Linde nur bis zur Fusion mit dem US-Konzern Praxair. 

Dividenden schaffen die Hälfte des Anlageertrages

Die Experten maßen die Wertschaffung der Aktien an der Rendite von Bundesanleihen mit einem Monat Restlaufzeit, um einen Vergleich mit sehr kurzen und sicheren Anlagen zu schaffen – ähnlich dem Halten von Geld auf dem Konto in den Jahren der Niedrigzinspolitik. Aktienrenditen über jener von solchen Bundesanleihen wurden als Wertschaffung definiert. Der Start der Studie wurde auf Januar 2003 gelegt, sodass der Aktienmarkt nach dem Einbruch des Neuen Marktes von einem Tief aus untersucht wurde.

Ein weiteres Ergebnis: Vom gesamten geschaffenen Wert entfiel allein gut die Hälfte (52 Prozent) auf Dividenden. Die übrigen 41 Prozent entstanden durch Kurssteigerungen und 7 Prozent über Aktienrückkäufe.

Listet man die geschaffenen Werte aller Aktien in einem Ranking auf, ergibt das die Summe von 1,7 Billionen Euro. Der Betrag wird bereits mit den ersten 118 Aktien, rund 12 Prozent der Papiere, erreicht. Einige Aktien dahinter schufen auch Werte, ihr Beitrag wurde im Saldo aber von Verlustbringern aufgefressen. "Nur wenige große, meist gut gemanagte Unternehmen in attraktiven Branchen dominieren den deutschen Aktienmarkt", sagt Studienautor Philipp Immenkötter. "Sie sind schon lange gelistet und über Jahre gewachsen."

Allerdings hängt das Bild auch mit dem Untersuchungszeitraum zusammen: Hätte man die Analyse vor dem Einbruch des Neuen Marktes angesetzt, hätte etwa die Deutsche Telekom schlechter abgeschnitten.

Für Anleger bedeutet das schwache Abschneiden der allermeisten Papiere, dass "große Vorsicht bei der Wahl der Aktientitel geboten ist", schrieb Autor Immenkötter. Nur knapp 58 Prozent, also sechs von zehn deutschen Aktien, erzeugten langfristig Wert.

Dass Anleger mit Einzelaktien selbst großer Konzerne hohe Risiken eingehen, ist bekannt. Experten raten daher, Börseninvestments sehr breit und auch global zu streuen – etwa mit Fonds oder günstigen börsengehandelten Indexfonds (ETFs), die ohne Fondsmanager auskommen. Denn die wenigsten Investoren – ob Privatanleger oder Profis – schaffen es, auf Dauer die Gewinnbringer an den Börsen zu finden.

cr/dpa
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