Mittwoch, 27. Mai 2020

Bewertung jetzt offenbar auf 26 Milliarden Dollar gefallen Airbnb holt sich in der Krise Milliarden-Finanzspritze

Airbnb bricht in der Krise ein Großteil des Geschäfts weg, die laufenden Personalkosten bleiben aber und zudem hält das Portal Vermieter mit finanziellen Kompensationen bei Laune.

Der durch die Corona-Krise schwer getroffene Wohnungsvermittler Airbnb hat sich eine Milliarde Dollar frisches Geld besorgt. Die Beteiligungsgesellschaften Silver Lake und Sixth Street Partners hätten 1,0 Milliarden Dollar zugesagt, teilte Airbnb in der Nacht zu Dienstag mit. Die Finanzspritze erfolge über Aktien und Schuldtitel.

Mithilfe des neuen Kapitals wolle sich Airbnb für ein Comeback nach der Corona-Pandemie stärken, schreibt Mitgründer Vorstandschef Brian Chesky. Airbnb setzt die weltweite Ausbreitung des Virus stark zu. Der Online-Plattform bricht ein Großteil des Geschäfts weg. Umgekehrt hat Airbnb hohe laufende Personalkosten zu bewältigen und nimmt zudem viel Geld in die Hand, um Vermieter bei Laune zu halten und ihnen in der Krise stornierte Buchungen zu kompensieren.

Airbnb hatte für das laufende Jahr seinen Börsengang angekündigt, doch angesichts der Corona-Krise gibt es Zweifel. Bloomberg hatte zuletzt berichtet, das Unternehmen sei bereits Ende 2019 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Demnach habe sich das operative Minus im Schlussquartal um rund 130 Millionen Dollar auf 276 Millionen Dollar (256 Millionen Euro) erhöht. Angesichts des geplanten IPO kämen steigende Verluste zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Wert von Airbnb soll auf 26 Milliarden Dollar gesunken sein

Das Unternehmen äußerte sich nicht zu der neuen Bewertung im Zuge der Finanzierungsrunde. Laut "Financial Times" (€) soll Airbnb jetzt aber nur noch 26 Milliarden Dollar wert sein. Ursprünglich hatten sich Investoren bei dem geplanten Börsengang für dieses Jahr eine Bewertung von mindestens 40 Milliarden Dollar erhofft.

Die Abwertung jetzt antizipiere den steilen Geschäftsrückgang durch Reiseverbote und weitere Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, heißt es. Daten von Drittanbietern deuten darauf hin, dass die Buchungen auf Airbnb in den am stärksten vom Coronavirus betroffenen Märkten um etwa 90 Prozent zurückgegangen sind.

Airbnb will sich laut Chesky darauf konzentrieren, mehr Gastgeber auf die Plattform zu bringen und einen stärkeren Schwerpunkt auf längerfristige Aufenthalte zu legen.


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Mit dem Investment setzt Silver Lake eine Reihe von hochkarätigen Investitionen fort. Das Private-Equity-Unternhemen hat laut FT erst im vergangenen Monat eine Milliarde Dollar in den Kurznachrichtendienst Twitter investiert. Sixth Street Partners wiederum, das 34 Milliarden Dollar verwaltet, gilt als einer der größten Kreditgeber außerhalb von Banken. Das Unternehmen unterstützt unter anderem Techfirmen wie Spotify mit Kapital.

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