Montag, 20. Mai 2019

Gold-Crash Goldman sieht jede zehnte Mine in Gefahr

Barrick Gold, Randgold und Co.: Die größten Goldminen der Welt
REUTERS

Goldman Sachs hat sich bereits im Umfeld des Gold-Crashs Mitte April kritisch geäußert. Jetzt legt die US-Bank nach: Der Preis für das Edelmetall werde weiter fallen, schreibt sie in einer Studie. Jede zehnte Mine sei in Gefahr. An der Börse gibt es ein erstes Opfer.

Hamburg - War es glückliches Timing oder doch eine selbsterfüllende Prophezeiung? Am 10. April empfahl die US-Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen den Kunden, auf einen fallenden Goldpreis zu wetten. In den Tagen danach brach der Preis für die Feinunze so stark ein wie seit 30 Jahren nicht. Von mehr als 1550 Dollar fiel der Preis bis zum 16. April auf ein Zweijahrestief von 1321,35 Dollar. Seitdem erholte er sich stetig, auf zuletzt wieder mehr als 1450 Dollar.

Doch nun legen die Goldminen-Experten von Goldman Sachs in London nach. In einer Studie vom Freitag, den 3. Mai bekräftigen sie die Prognose, dass der Goldpreis Börsen-Chart zeigen weiter fallen werde: auf durchschnittlich 1353 Dollar im Jahr 2014 und 1250 Dollar im Jahr darauf. "Zweifellos ist es schwierig, nach einem solchen Abverkauf den Goldpreis zu prognostizieren", schreibt das Team um Eugene King an die Kunden.

Einerseits gebe es weiter Bedingungen, die den Goldpreis stützen sollten: Die niedrigen Zinsen, die monetären Stützungsmaßnahmen vieler Regierungen sowie wirtschaftliche Risiken (zum Beispiel Zypern) und politische Risiken (zum Beispiel Syrien und der Iran).

Doch all dies sei zu sehen vor dem Hintergrund einer Erholung der US-Wirtschaft, die bereits angelaufen sei, trotz der zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten. Deshalb würden Investoren ihr Geld raus aus Gold und rein in andere Märkte wie US-Aktien bewegen: Von Ende Februar bis heute hätten börsengehandelte Indexfonds (ETFs), mit denen Anleger auf den Goldpreis wetten, 330 Tonnen Gold im Wert von 16 Milliarden Dollar verkauft. "Gold ist an einem entscheidenden Punkt und wir glauben, dass der Preis weiter fallen wird", so Goldman Sachs.

Warnung vor Goldminen-Aktien

Die Analysten schlagen Alarm: Bei den Goldminenbetreibern tobe ein Überlebenskampf, den nur die Stärksten überstehen würden ("Survival of the fittest", in Anlehnung an Charles Darwins Evolutionstheorie). "Der niedrigere Goldpreis ist eine schlechte Nachricht für Goldaktien. Bis zu 10 Prozent der Minenkapazität könnte geschlossen werden müssen", heißt es in der Studie.

Die Folgen des Preisrückgangs für die börsennotierten Minenbetreiber seien "sehr signifikant". Denn bei den etablierten Unternehmen ("senior producers") hätten sich die Kosten pro Unze seit 2002 versechsfacht. Bei einem Goldpreis von weniger als 1500 pro Feinunze seien deshalb bis zu 10 Prozent der Minenkapazität unprofitabel.

An der Börse gibt es bereits ein erstes Opfer der Gold-Bären: Der Kurs des Minenbetreibers African Barrick Gold brach in London am Tag des Erscheinens der Goldman-Studie bis elf Uhr um mehr als 7 Prozent auf 150,6 britische Pence ein. Goldman hatte die Aktie von "Neutral" auf "Verkaufen" herabgestuft und ein Kursziel von 100 Pence ausgegeben. "African Barrick Gold hat drei Betriebsstätten mit Gesamtkosten oberhalb unserer Goldpreisprognose für 2013 und 2014", begründeten die Analysten die Verkaufsempfehlung.

Als stärkste Unternehmen der Branche sieht Goldman Randgold und Fresnillo. Beide könnten für weniger als 1000 Dollar pro Unze liefern und würden daher auch dann noch positive Kapitalflüsse zeigen, falls der Goldpreis 2015 unter 1200 Dollar pro Unze fallen sollte.

Übersicht: Die größten Goldförderer der Welt

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