Sonntag, 25. August 2019

Gesetzentwurf "Hedgefonds gelten als böse - das ist zu einfach"

Börse: Was soll der Privatanleger kaufen dürfen, was nicht?

Hedgefonds sollen künftig nicht mehr an Privatanleger verkauft werden, so will es ein Gesetzentwurf. Ein Gespräch mit Markus Sievers, dessen Firma Apano in Deutschland zu den größten Verkäufern von Zertifikaten auf Hedgefonds gehört, über Ungleichbehandlung und die Dämonisierung eines Begriffs.

mm: Herr Sievers, Hedgefonds sollen de facto verboten werden, zumindest für Privatanleger. Werden die von Ihnen angebotenen Produkte verteufelt?

Sievers: Das ist ein regelrechter Exorzismus des Begriffs "Hedgefonds". Die Abneigung der Regierung gegen Hedgefonds reicht zurück bis 2005, als Franz Müntefering Private-Equity-Unternehmen plakativ als "Heuschrecken" bezeichnete. Hedgefonds haben damit nichts zu tun, nur hängen geblieben ist der Begriff an unserer Branche. Seitdem gelten Hedgefonds als böse und werden entsprechend behandelt. Das ist ja auch populär und zu einfach - aber kaum ein Politiker kennt sich mit der Materie aus.

mm: Offene Immobilienfonds, von denen zuletzt einige abgewickelt werden mussten, sind im Gesetzentwurf glimpflicher davon gekommen und dürfen weiter verkauft werden. Warum - ist die Lobby der Hedgefonds so schwach?

Sievers: Das dürfte vor allem an dem Müntefering-Wort liegen: Von dem Begriff "Heuschrecke" hat sich die Industrie nie erholt. Und so werden Hedgefonds seitdem immer in eine bestimmte Ecke gestellt, statt zu fragen, was sie machen. Denn Hedgefonds sind nicht grundsätzlich "aggressiv" oder "hochspekulativ", wie immer wieder behauptet wird. Die Volatilität von Hedgefonds ist geringer als die von Aktienfonds. Außerdem ist die Arbeitsweise von Hedgefonds am Kapitalmarkt sinnvoll und auch für die Funktionsweise des Marktes wichtig.

mm: Ihr Haus verkauft Zertifikate auf Hedgefonds und gehört in diesem Segment zu den größten Deutschlands. Was bedeutet das Gesetz für Sie und Ihr Unternehmen?

Sievers: Gar nichts. Die Regierung verbietet mit dem AIFM-Gesetz nicht etwa, wie fälschlicherweise oft in den Medien zu lesen ist, den Vertrieb von Hedgefonds in Deutschland insgesamt, sondern vielmehr das Betreiben und den Verkauf von deutschen Single-Hedgefonds. Diese sind allerdings schon lange vom öffentlichen Vertrieb ausgeschlossen. Anleger können weiterhin auch in Hedgefonds über Zertifikate, Dach-Hedgefonds und schließlich auch europäische Investmentfonds (Ucits) investieren.

mm: Wie lautet eigentlich die gesetzliche Definition des Begriffs Hedgefonds. Daraus müsste sich ja eigentlich klar ergeben, was davon betroffen ist und was nicht.

Sievers: Diese kann ich Ihnen leider nicht geben. Denn eine trennscharfe Definition von Hedgefonds gibt es nicht. Denn dafür ist die Branche viel zu heterogen. Der Gesetzgeber hat es aber dennoch definiert. Das ist unredlich.

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