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Adenauer, DiCaprio, Bond: Teure Uhren an prominenten Handgelenken

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Uhren als Geldanlage Daytona statt Dax

Gelegenheiten für Geldanleger am Markt für Luxusuhren: Die Euro-Krise belastet die Preise, und im Internet locken großzügige Rabatte. Doch Vorsicht, besonders das Onlinegeschäft steckt voller Tücken. Und nur sehr wenige Modelle bringen am Ende tatsächlich Rendite.

Hamburg - Am Uhrenmarkt gibt es zwei Typen von Geldanlegern. Die einen verstehen etwas von der Materie, und die anderen nicht. Die ersten setzen, um eine möglichst sichere Wertsteigerung zu erzielen, vor allem auf zwei Marken: auf Patek Philippe und auf Rolex. Die anderen informieren sich, wenn sie klug sind, zunächst gründlich und suchen sich dann einen Experten, der etwas von der Materie versteht. Der wird ihnen schließlich in aller Regel raten, vor allem auf zwei Marken zu setzen: auf Patek Philippe und auf Rolex.

Den Eindruck jedenfalls kann bekommen, wer sich mit diesem Markt näher beschäftigt. Weltweit werden Jahr für Jahr Milliardenbeträge mit Uhren umgesetzt. Allein die Schweiz, Stammland der Branche, exportierte im vergangenen Jahr Uhren im Wert von gut 21 Milliarden Franken (17,5 Milliarden Euro). Immer mehr Käufer haben dabei auch die Rendite im Sinn, sagen Marktkenner. Und geht es um diesen Aspekt, so fallen häufig vor allem die Namen der beiden besagten Nobelmarken.

Ohnehin ist für Geldanleger lediglich jene Nische spannend, in der Uhren nicht nur die Zeit anzeigen, sondern auch den Status symbolisieren oder einen Hauch von Glamour versprühen (sollen): der Luxusmarkt, wo ein Zeitmesser in der Regel mehrere Tausend Euro kostet. Die Community trifft sich zurzeit wie jedes Jahr auf der "Baselworld", der weltgrößten Messe für Uhren und Schmuck in der Schweiz.

Einer Studie von Bain & Company zufolge werden in dieser Preisklasse rund um den Globus Jahr für Jahr rund 30 Milliarden Euro umgesetzt, mit einer jährlichen Steigerungsrate von bis zu 25 Prozent. Für weitere bis zu zehn Milliarden Euro, so schätzt Tim Stracke, wechseln jedes Jahr gebrauchte Luxusuhren den Besitzer.

Preisnachlässe von bis zu 25 Prozent

Stracke ist Chef der Onlineplattform Chrono24 mit Hauptsitz in Karlsruhe, einer wichtigen Adresse für Uhrenfreunde. Der Internethandel mit Luxusuhren wächst seit einiger Zeit rasant - und Chrono24 ist nach Ebay eigenen Angaben zufolge weltweit der zweitgrößte Marktplatz dafür. Uhren im Wert von etwa 300 Millionen Euro werden schon heute jährlich über Chrono24 gehandelt, sagt Stracke. Tendenz: stark steigend. Ebay  kommt im Nobeluhrensegment nach Angaben des Marktkenners schon heute auf einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro.

Der Grund für den Hype: Der wachsende Internethandel wirbelt die Regeln im Uhrengeschäft gehörig durcheinander. Plötzlich ist es möglich, auch neue Luxusuhren mit Abschlägen auf den Listenpreis zu erwerben. Die Preise, die Käufer auf Plattformen wie Chrono24 erzielen können, liegen mitunter um 25 Prozent und mehr unter den Empfehlungen der Hersteller. Selbst viele professionelle Händler, die sich im stationären Geschäft an die Standardpreise halten, geben online Nachlässe.

Kein Wunder also, dass immer mehr Interessenten ins Netz abwandern. Möglich ist der Discount, weil in dem Geschäft gewaltige Gewinnspannen stecken. Branchenkennern zufolge beträgt alleine die Händlermarge bei Luxusuhren 40 bis 50 Prozent des Verkaufspreises. Mit weniger als 10 Prozent des Preises, so sagen Fachleute, decken die Uhrenfirmen ihre Herstellungskosten.

Und damit nicht genug: Zusätzlich unter Druck geraten die Preise gerade in der aktuellen Wirtschaftslage. In den schwächelnden Staaten Südeuropas liege das Geschäft am Boden, berichtet ein Marktteilnehmer. Die Ware von dort dränge nun per Internet auf den Gesamtmarkt.

Bis zu 10 Prozent Wertsteigerung in drei Jahren

Die Folge: Wer jetzt zuschlägt, kann möglicherweise ein Schnäppchen machen, das in den kommenden Jahren eine besonders ansehnliche Wertentwicklung erfährt. Einerseits. Andererseits ist der Weg über eine Internetplattform auch mit Unwägbarkeiten verbunden. "Je höher der Rabatt gegenüber der Preisempfehlung, desto größer das Risiko, einen Ladenhüter zu kaufen", sagt der freie Autor und Uhrenexperte Michael Brückner. "Bei wirklich gefragten Marken und Modellen dürfte es auch im Internet schwierig werden, eine nennenswerte Ersparnis zu realisieren."

Und das ist noch nicht alles. Zusätzlich besteht die Gefahr, im Internet an dubiose Marktteilnehmer oder Fälschungen zu geraten. Nicht immer liegt die Uhr, die bestellt und bezahlt wurde, am Ende auch tatsächlich im versprochenen Zustand in der Post.

"Ich habe mich bei einer Plattform angemeldet und dort mehrere Uhren zum Verkauf eingestellt", berichtet dazu ein privater Uhrenfreund gegenüber manager magazin online. "Schon in der ersten Bestätigungsmail warnte mich der Betreiber vor fragwürdigen Marktteilnehmern aus Nigeria und Neapel."

Damit ist klar: Wer im Internet eine Uhr erwerben möchte, die Aussicht auf Wertsteigerung hat, muss sich gut absichern. Vor allem aber gilt es, das richtige Kaufobjekt erst einmal zu identifizieren. Entscheidend ist nicht nur die Wahl der Marke, Stichworte Patek, Rolex und oder auch Lange & Söhne. Auch die Entscheidung für das konkrete Modell erfordert Expertise.

"Uhren eignen sich per se nicht zur Geldanlage"

"Uhren als Kapitalanlage zu betrachten, ist von vornherein der falsche Ansatz", sagt Stefan Muser, Inhaber des Auktionshauses Dr. Crott in Mannheim. "Wertsteigerungen versprechen vor allem die Modelle, für die sich echte Sammler mit Leidenschaft interessieren. Das sind zwar zum Teil auch neue Uhren, in erster Linie jedoch historische, beispielsweise aus den sechziger Jahren, von namhaften Schweizer Herstellern, wie Patek Philippe, Rolex oder auch Omega." Auch die für die Preissteigerungen wichtige Nachfrage vermögender asiatischer Käufer, so Muser, konzentriert sich in erster Linie auf diesen Bereich.

"Uhren eignen sich per se nicht zur Geldanlage", sagt auch Andreas Löffler, der selbst jahrelang in der Uhrenindustrie tätig war und heute Wohlhabende und Prominente beim Kauf berät. "Die meisten Marken und Modelle verlieren über die Jahre eher an Wert, als dass sie gewinnen." Nur wenige Modelle versprechen tatsächlich einen relativ sicheren Wertzuwachs, sagt der Experte. Dazu zählt auch er vor allem alte Uhren von Patek Philippe mit möglichst vielen Komplikationen sowie einige Zeitmesser von Rolex.

Ein Beispiel ist der Klassiker schlechthin aus jenem Hause, das Modell "Daytona" im Edelstahlgehäuse. Eine solche Uhr kann allerdings nicht einfach im Laden gekauft werden, erläutert Löffler. "Man muss sich erst jahrelang durch Kontaktpflege und stetige Kaufaktivitäten den entsprechenden Status erarbeiten", sagt er. "Erst dann kommt man bei einer neuen 'Daytona' zum Zuge."

Ist dies Geschehen, so erscheint das Anlagerisiko allerdings um so geringer. Fachleuten zufolge steigt der Wert solcher Uhren im Idealfall innerhalb von zwei bis drei Jahren um bis zu 10 Prozent. "Bei diesen Uhren kann man auf die Wertentwicklung vertrauen, weil die Hersteller selbst dafür sorgen, dass sie auch eintritt", erläutert Löffler. "Einerseits geben die Firmen viel Geld für Markenführung und nachhaltiges Marketing aus, andererseits wird auch immenses Geld in die Produktentwicklung investiert. Immer wieder wird gemunkelt, dass die Hersteller selbst an Auktionen der eigenen Stücke teilnehmen, um die Preise zu stützen."

Das Internet könnte die Preise künftig in die Höhe treiben

Die Krux aus Sicht der Käufer: Für Uhren dieser Kategorie gibt es auch im Internet kaum Nachlässe. Stattdessen kursieren aber gerade von den gefragtesten Modellen besonders gut gemachte Fälschungen. Die Frage, wie sich ein Kauf im Internet sicher über die Bühne bringen lässt, stellt sich also um so mehr.

Das hat auch Chrono24-Chef Stracke erkannt. Er arbeitet gegenwärtig an einem Treuhandservice, um das Vertrauen der Kunden zu erhöhen und die Nutzerzahlen noch weiter nach oben zu treiben. Käufer, so der Plan, sollen den Preis künftig zunächst auf ein sicheres Konto überweisen. "Das Geld wird dann erst freigegeben, wenn die Uhr angekommen ist", sagt Stracke.

Noch weiter gehen die Ansätze von Verkaufsplattformen wie Montredo oder Chronext. Sie bieten über den reinen Marktplatz hinaus einen Service, der dem Käufer die Sicherheit geben soll, dass der Verkäufer seriös und die Uhr authentisch ist. Chronext etwa schaltet sich als Händler zwischen die Parteien, nimmt die Stücke also zunächst in den eigenen Besitz, bevor sie an die Käufer weitergereicht werden. "Die Sicherheit ist das A und O im Online-Uhrenhandel", sagt Firmenchef Philipp Man. "Erst wenn dieses Problem gelöst ist, wird der Markt im Internet richtig durchstarten, und dazu will Chronext beitragen."

Sobald dies gelingt, da ist sich Man sicher, wird der Internethandel die Uhrenpreise nicht mehr drücken, sondern im Gegenteil sogar in die Höhe treiben. "Die zusätzliche Nachfrage und Transparenz wird den Markt befeuern und erweitern", sagt der Fachmann.

So sieht es auch Oliver Hoffmann, Beirat von Montredo und anderen Onlinehändlern. "Letztlich wird der zunehmende Internethandel die Verkaufschancen erhöhen", sagt er. "Die höchsten Preise für Sammleruhren lassen sich allerdings nicht auf Verkaufsplattformen mit Festpreisofferten erzielen, sondern per Auktion." Als Beispiel für Orte, an denen solche Versteigerungen in gesichertem Umfeld möglich sind, nennt Hoffmann die Website "auctionata.com".

Renditejäger, die an den Preisauftrieb durch das Internet glauben, sollten sich Hoffmanns Tipp vielleicht vormerken. Es gibt allerdings auch Experten, die diese Theorie für Wunschdenken halten.

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