Sonntag, 22. September 2019

Uhren als Geldanlage Daytona statt Dax

Adenauer, DiCaprio, Bond: Teure Uhren an prominenten Handgelenken
DPA

2. Teil: Bis zu 10 Prozent Wertsteigerung in drei Jahren

Die Folge: Wer jetzt zuschlägt, kann möglicherweise ein Schnäppchen machen, das in den kommenden Jahren eine besonders ansehnliche Wertentwicklung erfährt. Einerseits. Andererseits ist der Weg über eine Internetplattform auch mit Unwägbarkeiten verbunden. "Je höher der Rabatt gegenüber der Preisempfehlung, desto größer das Risiko, einen Ladenhüter zu kaufen", sagt der freie Autor und Uhrenexperte Michael Brückner. "Bei wirklich gefragten Marken und Modellen dürfte es auch im Internet schwierig werden, eine nennenswerte Ersparnis zu realisieren."

Und das ist noch nicht alles. Zusätzlich besteht die Gefahr, im Internet an dubiose Marktteilnehmer oder Fälschungen zu geraten. Nicht immer liegt die Uhr, die bestellt und bezahlt wurde, am Ende auch tatsächlich im versprochenen Zustand in der Post.

"Ich habe mich bei einer Plattform angemeldet und dort mehrere Uhren zum Verkauf eingestellt", berichtet dazu ein privater Uhrenfreund gegenüber manager magazin online. "Schon in der ersten Bestätigungsmail warnte mich der Betreiber vor fragwürdigen Marktteilnehmern aus Nigeria und Neapel."

Damit ist klar: Wer im Internet eine Uhr erwerben möchte, die Aussicht auf Wertsteigerung hat, muss sich gut absichern. Vor allem aber gilt es, das richtige Kaufobjekt erst einmal zu identifizieren. Entscheidend ist nicht nur die Wahl der Marke, Stichworte Patek, Rolex und oder auch Lange & Söhne. Auch die Entscheidung für das konkrete Modell erfordert Expertise.

"Uhren eignen sich per se nicht zur Geldanlage"

"Uhren als Kapitalanlage zu betrachten, ist von vornherein der falsche Ansatz", sagt Stefan Muser, Inhaber des Auktionshauses Dr. Crott in Mannheim. "Wertsteigerungen versprechen vor allem die Modelle, für die sich echte Sammler mit Leidenschaft interessieren. Das sind zwar zum Teil auch neue Uhren, in erster Linie jedoch historische, beispielsweise aus den sechziger Jahren, von namhaften Schweizer Herstellern, wie Patek Philippe, Rolex oder auch Omega." Auch die für die Preissteigerungen wichtige Nachfrage vermögender asiatischer Käufer, so Muser, konzentriert sich in erster Linie auf diesen Bereich.

"Uhren eignen sich per se nicht zur Geldanlage", sagt auch Andreas Löffler, der selbst jahrelang in der Uhrenindustrie tätig war und heute Wohlhabende und Prominente beim Kauf berät. "Die meisten Marken und Modelle verlieren über die Jahre eher an Wert, als dass sie gewinnen." Nur wenige Modelle versprechen tatsächlich einen relativ sicheren Wertzuwachs, sagt der Experte. Dazu zählt auch er vor allem alte Uhren von Patek Philippe mit möglichst vielen Komplikationen sowie einige Zeitmesser von Rolex.

Ein Beispiel ist der Klassiker schlechthin aus jenem Hause, das Modell "Daytona" im Edelstahlgehäuse. Eine solche Uhr kann allerdings nicht einfach im Laden gekauft werden, erläutert Löffler. "Man muss sich erst jahrelang durch Kontaktpflege und stetige Kaufaktivitäten den entsprechenden Status erarbeiten", sagt er. "Erst dann kommt man bei einer neuen 'Daytona' zum Zuge."

Ist dies Geschehen, so erscheint das Anlagerisiko allerdings um so geringer. Fachleuten zufolge steigt der Wert solcher Uhren im Idealfall innerhalb von zwei bis drei Jahren um bis zu 10 Prozent. "Bei diesen Uhren kann man auf die Wertentwicklung vertrauen, weil die Hersteller selbst dafür sorgen, dass sie auch eintritt", erläutert Löffler. "Einerseits geben die Firmen viel Geld für Markenführung und nachhaltiges Marketing aus, andererseits wird auch immenses Geld in die Produktentwicklung investiert. Immer wieder wird gemunkelt, dass die Hersteller selbst an Auktionen der eigenen Stücke teilnehmen, um die Preise zu stützen."

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