Mittwoch, 18. September 2019

Kunst als Anlage Performance per Pinselstrich

Teures für die Wand: Eine Zeichnung von Raphael, die bei einer Auktion 36,55 Millionen Euro erlöste

Kunst gehört an die Wand, nicht ins Depot - oder doch? Immer mehr Menschen wenden sich von diesem Glaubenssatz ab und investieren in Schönes, um sich damit vor den Folgen der Finanzkrise zu schützen.

Hamburg - Der Mann, der vor der Kamera als Rocky oder Rambo zu eher robusten Problemlösungen griff, übt sich privat als feinsinniger Kunstinvestor. "Ich liebe die Bilder von Gerhard Richter, er ist der wunderbarste Maler, den wir im Moment haben", sagt der Schauspieler Sylvester Stallone. Investieren wie Haudrauf Rocky, kann das richtig sein? Kann es - mit Geschick und Glück.

Kunst ist tatsächlich eine mögliche Antwort auf die Eurokrise. "Ausfallrisiken in der Geldanlage sind den Kunden gewiss bewusster", beobachtet Philipp Herzog von Württemberg, Chairman Sotheby's Europa & Geschäftsführer Sotheby's Deutschland. "Das hat sicherlich auch Auswirkungen darauf, dass manche Kunden verstärkt in Kunst investieren." Und das hat Folgen. Immerhin erzielten Gemälde zuletzt immer wieder Höchstpreise bei Auktionen. Und es sieht so leicht aus, vorausgesetzt, der Kunstliebhaber verfügt über das nötige Geld. Über 75 Millionen Dollar gab ein Sammler für "No. 1 (Royal Red and Blue)" von Mark Rothko auf einer Auktion von Sotheby's im vergangenen November aus. "Die Suche nach 'Masterpieces' ist in jeder Kategorie überproportional gewachsen; dies sind vor allem die sogenannten Blue Chips - Werke von international etablierten Künstlern wie Pablo Picasso, Edvard Munch, Claude Monet oder Gerhard Richter, Martin Kippenberger, Jean-Michel Basquiat, Roy Lichtenstein, Andy Warhol", sagt von Württemberg. "Sie sind zu einer Ersatzwährung geworden, aber auch Künstler wie Isa Genzken und einige hervorragende Vertreter der zeitgenössischen indischen und chinesischen Kunst steigen auf."

Angeblich sind es vor allem reiche Chinesen oder Russen, die zugreifen. Und nicht nur die. Auch Family Offices, Vermögensverwaltungen für die Superreichen, zeigen mehr und mehr Interesse an Kunst, raportiert der Art Fund Tracker von Fine Art Wealth Management. Und Carola Persiehl von Persiehl & Heine, Galerie für Fotografie, beobachtet: "Im Bereich der zeitgenössischen Kunst erlebe ich seit Jahren eine stetig steigende Nachfrage. Durch die gestiegene Aufmerksamkeit gegenüber Kunst und Kultur, unterstützt durch die Medien und Kulturveranstaltungen mit Eventcharakter, öffnet sich dieses Feld einem breiteren Publikum." Und es sind längst nicht mehr nur Kunstliebhaber. "Mit Sicherheit spielt für einige Kunden der Gedanke der Geldanlage eine Rolle und ist Anreiz für die Auseinandersetzung mit Kunst", auch wenn sie diese Entwicklung nicht unbedingt billigt. Eine "Investition in Emotionen" solle Kunst sein, sagt sie. Doch immer mehr Menschen wollen mehr - eine Rendite unabhängig vom Börsenchaos. Im Idealfall geht diese Rechnung auch auf. Doch sie setzt einen preisgünstigen Einstieg voraus.

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