Trotz Kritik Deutsche Bank investiert weiter in Nahrungsmittel

Die Deutsche Bank will weiter mit Nahrungsmittelinvestments Geld verdienen. Als Grund gibt Bankchef Fitschen an, es gebe keinen Beweis für die Schädlichkeit solcher Geschäfte. Von Verbraucherschützer erntet die Bank dafür Kritik - die Wissenschaft gibt dem Institut jedoch Rückhalt.
Hält an Nahrungsmittelinvestments fest: Deutsche Bank-Chef Fitschen wartet auf Beweise

Hält an Nahrungsmittelinvestments fest: Deutsche Bank-Chef Fitschen wartet auf Beweise

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Untersuchungen hätten kaum stichhaltige Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen auf der Lebensmittelmesse "Grüne Woche" in Berlin. Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel.

Mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Papiere können sich Landwirte gegen fallende Preise absichern und ihr Angebot besser planen. "Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird", sagte Fitschen.

Im März 2012 hatte das Institut entschieden, vorerst keine neuen Anlageprodukte auf Grundnahrungsmittel zu verkaufen, um die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten. Die Verbraucherschützer der Organisation Foodwatch reagierten umgehend mit harscher Kritik. "Die Deutsche Bank handelt mit dieser Entscheidung wieder einmal in hohem Maße unverantwortlich", sagte Foodwatch-Gründer Thilo Bode der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Belege dafür, dass die von der Deutschen Bank vertriebenen Finanzprodukte zu spekulativen Preisblasen auf den Terminmärkten für Agrarrohstoffe führen und damit Hungerkatastrophen auslösen können."

Die Bank bleibe den Nachweis schuldig, dass ihre Produkte unschädlich seien. "Die Deutsche Bank macht sich wissentlich mitschuldig an Hungerkrisen in den ärmsten Ländern der Welt", forcierte die Organisation ihre Kritik am Sonntag.

Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern nach oben treiben, ist in der Wissenschaft allerdings umstritten. Eine Übersicht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über die Forschungsarbeiten zu dem Thema kommt zu dem Schluss, dass die Zunahme der Finanzspekulationen nicht zu einem höheren Preisniveau bei Agrarprodukten geführt habe. Auch die Schwankungen der Preise seien hierauf nicht zurückzuführen. Dafür seien eher realwirtschaftliche Faktoren verantwortlich.

Die Deutsche Bank machte für den Hunger vor allem verantwortlich, dass die Nachfrage nach Nahrungsmitteln das Angebot übersteige, und verteidigte Investoren, die ohne Interesse am eigentlichen Handelsgut mit Rohstoffen spekulierten. "Spekulativ ausgerichtete Anleger sind unverzichtbar für das Funktionieren von Rohstoffmärkten", erklärte das Geldhaus.

Ohne sie sei nicht das nötige Geld in dem Markt, an dem sich Lebensmittel-Produzenten und -Verarbeiter gegen Preisschwankungen absicherten. Es gebe keine schlüssigen Beweise, dass die Spekulanten die Preise exzessiv nach oben trieben. Für einen funktionierenden Markt sei es dagegen gut, wenn es mehr Marktteilnehmer gebe.

cr/rtr
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