Uhren als Anlage Der Tick mit dem Ticken

Uhren als Kapitalanlage - kann das gut gehen? Ja. Aber nur, wenn sich der Käufer an Regeln hält. Und die sind noch strenger als zum Beispiel beim Aktieninvestment.
Von Arne Gottschalck
Sammlerwut treibt Preise: Im Bild eine Patek Philippe, die einst das Handgelenk des Musikers Eric "Slowhand" Clapton zierte. Über 2,8 Millionen Euro erzielte die Uhr auf einer Auktion von Christie's.

Sammlerwut treibt Preise: Im Bild eine Patek Philippe, die einst das Handgelenk des Musikers Eric "Slowhand" Clapton zierte. Über 2,8 Millionen Euro erzielte die Uhr auf einer Auktion von Christie's.

Foto: VALENTIN FLAURAUD/ REUTERS

Hamburg - Unendlich schnell zuckt es im Uhrwerk hin und her. Unter dem Mikroskop ist gut zu erkennen, was die Uhr antreibt. Ein Vororttermin in der Hamburger Uhrenwerkstatt von Andreas Hentschel, der seit gut zehn Jahren hochwertige Uhren zusammensetzt. "Es gibt viele gute Uhren", sagt er. "Doch als Außenstehender kann man das meist nicht beurteilen."

Entsprechend schwer ist es für sie zu beurteilen, was den Wert einer Uhr nach oben treibt - oder eben nicht. Beispiele dafür gibt es genug. Die IWC Marc XI zum Beispiel ist eine Fliegeruhr der Royal Air Force aus dem Jahr 1948. 1985 kostete die Stahluhr 50 Mark, inzwischen sind daraus über 4000 Euro geworden. Oder die Rolex Daytona mit dem Paul-Newman-Zifferblatt, einer feineren Darstellung als sonst üblich. Damals, Ende der 80er Jahre, kostet sie 900 Mark, heute sind es 50.000 bis 60.000 Euro. Ein Ticken, das reich machen kann.

Geschichten zum Träumen

Fast jeder Uhrenfreund kennt so eine Geschichte. Sie lässt Menschen träumen, gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten. So kommt es, dass inzwischen auch Geldanleger nach Uhren fragen, als Alternative zu Aktien oder Gold. "Man muss formulieren, dass bei sehr Vermögenden sicherlich die Anlage in Uhren schon häufig ein Diversifikationsbereich darstellte", sagt der Vermögensverwalter Markus Zschaber. "Es wird zwar nicht an uns herangetragen, ob man Empfehlungen hinsichtlich Uhren oder Uhrenanlagen geben kann, dennoch spüren wir verstärkt, dass vermögende Anleger ihre Gelder auch diversifiziert haben wollen, unter anderem in Uhren." Uhrmacher Hentschel kann das nur bestätigen. Und rät dazu, zwischen Uhren aus aktueller Produktion und historischen Uhren zu unterscheiden. "Aktuelle Uhren werden von Juwelieren oder Uhrenhändlern angeboten. Die Gewinnmarge beträgt im Durchschnitt bis zu 50 Prozent vom Verkaufspreis. Als Endverbraucher wird man kaum jemals so günstig einsteigen können wie der Händler es konnte."

Es bleibt also nur die Suche nach alten Uhren - wobei Uhrenliebhaber eher von "historischen Uhren" sprechen. "Die teuersten jemals verkauften beziehungsweise versteigerten Armbanduhren sind historische Raritäten. Meines Erachtens ist dies der einzige Bereich bei Uhren, der wirklich als Wertanlage geeignet ist. Allerdings muss man sehr viel Ahnung davon haben."

Der Fluch des Kunden

Einfach eine Uhr zu kaufen und auf eine automatische Wertsteigerung zu hoffen, dürfte daher ein Traum bleiben. Denn nicht einmal ein hoher Preis ist Gewähr für eine Uhr mit Liebhaberpotential. "Man kann nicht vorhersagen, wie sich der Markt entwickeln wird", sagt Herbert van Mierlo, Direktor und Experte für Möbel, Kunsthandwerk und Uhren beim Auktionshaus Sotheby's. "Selbst Wertverluste sind niemals auszuschließen; es ist zum Beispiel eine offene Frage, ob die Uhr von Eric Clapton - eine erst kürzlich versteigerte Patek Philippe - noch einmal den jetzt erzielten oder einen besseren Preis erlangen wird. Letztendlich sollte die Freude am Objekt für den Käufer immer primär im Vordergrund stehen, eine eventuelle Wertsteigerung ist nur ein netter Bonus."

Aber Wertsteigerungen kommen immer wieder vor. Beispiel: Die Rolex Daytona mit dem Paul-Newman-Zifferblatt, die Ende der 80er Jahre 900 Mark kostete, erzielt heute 50.000 bis 60.000 Euro. Vor dieser Wertsteigerung müssen sich die meisten Aktien verstecken. Doch sind sole Uhren gleichfalls versteckt. Was eine Uhr so gefragt und damit mittelfristig teurer macht, ist schwierig zu beantworten und längst nicht so mechanistisch wie es der Blick ins Uhrwerk nahelegt. "Sammlerstücke sind hauptsächlich Herrenarmband- und Taschenuhren, wobei Aspekte wie Technik, Modell, Ausstrahlung usw. im Mittelpunkt stehen", sagt Sotheby's-Direktor van Mierlo. "Das heißt beispielsweise wie kompliziert ist die Mechanik, wie exklusiv die Ausführung, wie klein die Auflage und somit wie groß die Nachfrage und möglicherweise der Werterhalt beziehungsweise die Wertsteigerung. Aber auch die Provenienz kann eine zusätzliche wichtige Rolle spielen, wie die Patek Philippe von Eric Clapton."

Hoffen auf die Asiaten

Der Ottonormalanleger steht da oft außen vor. Auch Vermögensverwalter Zschaber nickt, vergleicht die Suche nach diesen Uhren mit der nach aussichtsreichen Aktien. Man brauche "Informationen über sein Zielinvestment, um nachhaltig eine Rendite oder einen Ertrag zu erwirtschaften. Das ist auch bei Uhren sehr wichtig und der vermeintliche Fachmann ist nicht der klassische Juwelier, den Sie in den Hauptstraßen der Einkaufszentren finden, sondern sind kleine, sich auf einzelne Marken oder auch Zweitmärkte spezialisierte Juweliere." Mit anderen Worten - selbst ist der Anleger. Das sieht auch der Uhrenexperte van Mierlo so: "Ein interessierter Kunde kann sich selbstverständlich unter anderem durch Fachliteratur, Meisterkurse, Werkstatt- und Museenbesuche und so weiter eine eigene Expertise aufbauen. Falls es dazu keine Möglichkeit gibt, kann sich ein Käufer am besten von international etablierten Experten beraten lassen (…)." Die können die aktuellen Trends aufzeigen. Zum Beispiel die Nachfrage aus Asien und worauf sich die konzentriert. "Bei antiken Taschenuhren sind im Moment die in Europa im späten 18. und 19. Jahrhundert speziell für den chinesischen Markt angefertigten Uhren, häufig mit Musikspielwerk und Mechanik bestückt, insbesondere bei chinesische Käufern sehr beliebt", sagt der Experte. "Das gleiche gilt für technisch komplizierte Uhren von berühmten Uhrmachern und Erfindern wie zum Beispiel Abraham-Louis Breguet aus Paris und auch für artistisch hochkarätige europäische Gold- und Emailleuhren aus dem 17. und 18. Jahrhundert."

Bei der Detailfülle ist es kein Wunder, dass Kunden das Fachgeschäft vor allem aufsuchen, um beraten zu werden. Zumindest geben das über 60 Prozent der im Rahmen einer Studie Befragten aus dem Jahr 2007 an. Trotz der Möglichkeiten des Internets wird das andauern. Denn auch das Interesse an Uhren & Co. wird andauern, ist sich Aktienfreund Zschaber sicher: "Ich glaube, dass dieser Trend weiterhin mehr als nachhaltig sein wird." Viel Arbeit also für jene, die sich nicht mehr allein auf Aktie, Anleihe und Gold verlassen wollen. Etwas Mut macht ihnen Hentschel: "Die größte Wertanlage ist jedoch die erworbene Armbanduhr, die man ein Leben lang trägt und an der vielleicht die nächste Generation noch Freude hat."

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