Sonntag, 18. August 2019

Auf der Überholspur Silberinvestments übertrumpfen Goldanlagen 

Silber: Mehr als nur ein glänzendes Metall - auch die Investmentbranche bietet es an

Eintagsfliege oder dauerhafter Trend? Seit Jahresanfang ist der Silberkurs um 23 Prozent angezogen, mehr als die Goldnotierung. Denn Silber wird als Rohstoff in der Industrie immer wichtiger. Trotzdem bleibt das Edelmetall eine heikle Form der Geldanlage.

Hamburg - Silber steht ganz im Schatten des großen Bruders Gold. Dabei nimmt das Edelmetall eine Sonderstellung ein. Nicht nur Sammler und Anleger schätzen es wegen seiner Werterhaltungsfunktion: Es spielt auch in der Industrie eine wichtige Rolle. Silber besitzt unter allen Metallen die höchste elektrische Leitfähigkeit. Das macht seinen Einsatz in Mobilfunktelefonen, Kühlschränken oder Photovoltaikanlagen so wertvoll. Während Gold fast ausschließlich vom Glauben der Menschen an seinen Wert abhängt, ist Silber für die Industrie eine reale Größe. Doch die Preise hängen stark von konjunkturellen Einflüssen ab. Entsprechend groß sind die Ausschläge nach oben und unten, mit denen Anleger rechnen müssen.

An der Konjunktur kann es jedenfalls nicht liegen, dass der Preis für eine Feinunze Silber Börsen-Chart zeigen seit Jahresanfang um 23 Prozent auf 34 Dollar gestiegen ist. Im Vergleich dazu kommt Gold Börsen-Chart zeigen nur auf ein Plus von 14 Prozent. Verantwortlich dafür ist laut dem Silver Institute in Washington vor allem die Nachfrage von Investoren. Sie haben in diesem Jahr bereits mehr als 32 Millionen Unzen Silber mittels physisch gedeckter börsengehandelter Indexfonds (ETF) gekauft. Laut Angaben des Silver Institute liegen die Bestände der Silber-ETFs Ende September bei 608 Millionen Unzen. Das entspricht einem Wert von 20,5 Milliarden Dollar.

Silber profitiert vom steigenden Interesse der Anleger an Sachwerten. Die Staatsschuldenkrise und die Eurokrise hinterlassen ihre Spuren: "Wir beobachten eine steigende Anziehungskraft von Silber als einen sicheren Hafen von Sicherheit und Stabilität", sagt Michael Dirienzo, Direktor des Silver Institute in Washington. Das sieht Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst der Commerzbank ähnlich: "Die Industrienachfrage hat dieses Jahr kaum zu höheren Preisen beigetragen, ein Großteil des Preisanstiegs ist spekulativ getrieben."

Mittel- bis langfristig könnte sich ein Investment in Silber trotzdem bezahlt machen. Denn neue industrielle Anwendungen sorgen für Luft nach oben. So bietet Silber aufgrund seiner antibakteriellen Wirkung neue Anwendungen im Bereich der Medizin. Wenn Bakterien mit Silberionen in Berührung kommen, sterben sie ab. So könnte Silber verstärkt in Puder, Cremes oder sterilen medizinischen Geräten zum Einsatz kommen. Die hohe Leitfähigkeit für Wärme und elektronischen Strom macht seinen Einsatz in der Beleuchtungsindustrie möglich, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. Vor diesem Hintergrund ist die Commerzbank mittelfristig optimistisch und prognostiziert einen Preis von 44 Dollar pro Feinunze Silber bis Ende 2013.

Gewinnmitnahmen und Preisrücksetzer

Zu viel Euphorie ist dennoch fehl am Platz. Zwar ist der Silberpreis noch weit von seinem bisherigen Höchststand von 50 Dollar entfernt, den er 1980 erreichte. "Durch den schnellen Preisanstieg der vergangenen Monaten wächst aber die Gefahr von kurzfristigen Gewinnmitnahmen und Preisrücksetzern", betont Briesemann.

Um einen Eindruck über die aktuelle Bewertung zu bekommen, lohnt sich ein Blick auf das Verhältnis von Gold- und Silberpreis: Derzeit liegt es bei 52. Gold ist also um den Faktor 52 teurer als Silber. Im historischen Mittel seit 1979 kostete Gold allerdings 61-mal so viel wie Silber. "Das ist ein Hinweis, dass Silber in den vergangenen Monaten deutlich stärker gestiegen ist als Gold. Die Zeit der Outperformance ist wahrscheinlich erst einmal vorbei", sagt Briesemann und fügt hinzu: "Investoren können sich mit Silber nicht vom Gold diversifizieren. Die Korrelation zwischen beiden Edelmetallen ist zu groß."

Doch wie sollen Anleger am besten in Silber investieren, wenn sie die langfristigen Chancen nutzen möchten? Am attraktivsten sind börsengehandelte Indexfonds, kurz ETF genannt. Sie kaufen das Edelmetall tatsächlich physisch auf. Zwar entstehen dadurch Lagerkosten, dafür ist der Gegenwert real gedeckt. Als Sondervermögen sind sie auch im Fall der Pleite des Emittenten geschützt.

Weltweit erfreuen sich börsengehandelte Indexfonds auf Silber großer Beliebtheit. So ist der iShares Silver Trust mit einem Volumen von elf Milliarden Dollar der größte Silber-ETF weltweit. Das Problem: "ETFs, die sich auf einen einzigen Rohstoff beziehen, sind in Deutschland nicht zum Vertrieb zugelassen", sagt Marc Bubeck, Sprecher von iShares in Deutschland. Bei einem Investmentfonds nach deutschem und EU-Investmentrecht ist der Anteil eines einzelnen Wertpapiers auf maximal zehn Prozent begrenzt. Zwar sind reine Silberfonds auch in Deutschland erhältlich. Doch dann drohen steuerliche Nachteile. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte vorab bei einem Steuerberater nachfragen.

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