Montag, 22. April 2019

Seltene Erden Renditejagd auf dem Rohstoffmarkt

China gegen den Rest der Welt: Der globale Markt für Seltene Erden
REUTERS

Der Hunger der Weltwirtschaft auf Seltene Erden wird immer größer und das Ringen der Nationen um die globalen Vorräte heftiger. Nach einem starken Preisrutsch könnten jetzt auch Geldanleger mitmischen. Marktaufschwung oder -abschwung - beides kann Rendite bringen.

Hamburg - Ölpreisrekord, Knappheit bei Agrarprodukten - viele Rohstoffe machen zurzeit wegen Marktenge und starker Verteuerung von sich reden. Zumindest letzteres trifft jedoch nicht auf die Seltenen Erden zu. Im Gegenteil: Seit MItte 2011 sind die Preise dieser wichtigen Industrierohstoffe, die Namen wie Europium, Cerium oder Neodym tragen, um teilweise weit mehr als 50 Prozent gesunken.

Aus Sicht vieler Unternehmen bedeutet das eine willkommene Entspannung. Erst kürzlich machte ein Studie der Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants deutlich, wie wichtig Seltene Erden für die deutsche Industrie sind - und wie sehr die Manager durch hohe Preise herausgefordert werden.

Vom Autobau bis zur Chemie, von der Herstellung moderner Windkraftanlagen bis zur Keramik, Medizintechnik und Hightech oder gar nuklearen Anwendungen - kaum eine Branche kommt ohne eine oder mehrere der insgesamt 17 bekannten Seltenen Erden aus (siehe Kasten links). Einer der größten Abnehmer hierzulande ist beispielsweise der Chemieriese BASF Börsen-Chart zeigen.

Anleger dagegen könnte die Preisentwicklung in Habachtstellung bringen: Bietet sich da eine Chance zum Einstieg? Stehen Preissteigerungen bevor, verbunden vielleicht mit Renditechancen?

Die letzte Preisexplosion gab es vor zwei Jahren

Es wäre nicht das erste Mal. Zuletzt explodierten die Preise auf diesem Markt 2010/2011. Ein Beispiel: Ein Kilogramm Dysprosium, das in der Keramik sowie im nuklearen Bereich zur Anwendung kommt, kostete Ende 2009 noch weniger als 200 US-Dollar. Mitte 2011 überschritt der Preis nach Angaben der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) die Marke von 3000 Dollar je Kilo.

Hintergrund der starken Volatilität ist die Lage auf dem Weltmarkt für Seltene Erden, der vor allem von China dominiert wird. Die Volksrepublik verfügt letzten Daten zufolge zwar nur über rund 26 Prozent der bekannten weltweiten Vorkommen. Sie förderte aber zuletzt rund 97 Prozent der global verbrauchten Menge an Seltenen Erden zu Tage. Zudem entfielen nach Angaben des renommierten australischen Marktexperten Dudley Kingsworth von der Industrial Minerals Company of Australia (IMCOA) 60 bis 70 Prozent des Weltverbrauchs auf chinesische Firmen.

Andere potenzielle Förderländer wie die USA, Kanada oder Australien haben trotz bestehender Vorkommen die Produktion in den vergangenen Jahren vernachlässigt. Ausschlaggebend dafür waren unter anderem Bedenken wegen Umweltbelastungen, die beim Abbau entstehen können.

Das soll sich aber nun ändern. Die chinesische Dominanz ist vielen Ländern längst ein Dorn im Auge. Und die Führung in Peking tut vieles, um den Rest der Welt weiter zu verärgern. Seit Jahren versucht sie die Preise durch künstliche Verknappung des Angebots in die Höhe zu treiben. So sinken beispielsweise die staatlich verordneten Exportquoten des Landes kontinuierlich. Durften 2004 nach Angaben der DERA noch mehr als 65.000 Tonnen ausgeführt werden, so werden es im laufenden Jahr nur knapp 31.000 Tonnen sein, ein wenig mehr als 2011 also, wie das Handelsministerium in Peking am gestrigen Mittwoch bekanntgab.

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