Mittwoch, 26. Juni 2019

Benzinpreis auf Rekordhoch "Es gibt auf dem Ölmarkt immer wieder Manipulationen"

Ölförderung in den USA: Der Rohstoff hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verteuert. In Deutschland erreichen die Spritpreise Rekordhöhen

2. Teil: "Ölangebot kann nur noch wenige Jahre mit steigender Nachfrage Schritt halten"

mm: Alles in allem handelt es sich bei der Ölpreisfindung offenbar um ein recht unübersichtliches, komplexes Verfahren mit vielen Beteiligten und zahlreichen Einflussfaktoren. Wird die Möglichkeit zu systematischer Manipulation dadurch beschränkt?

Bukold: Insofern wir hier über Preisagenturen sprechen, ja. Zumal es, um beim Vergleich zu bleiben, nur wenige Akteure im Libor-Markt gibt. Im Ölmarkt dagegen jedoch Hunderte von Akteuren und Tausende von Preisen, die miteinander vernetzt sind. Bricht einer aus, erregt das sofort Aufsehen. Allerdings gibt es in Ölmärkten häufig ein systematisches Ungleichgewicht zwischen wenigen sehr großen Anbietern, zum Beispiel ein, zwei Raffinerien, und vielen Nachfragern. Das ist natürlich nicht optimal für einen fairen Preis.

mm: Dennoch: Wie unabhängig sind die Agenturen von der Ölindustrie?

Bukold: Von der Kapitalstruktur her sind sie unabhängig. Argus etwa ist völlig selbstständig und befindet sich im Eigentum der Mitarbeiter. Platts wurde vor einigen Jahren von einem großen US-Verlag gekauft. Das Geschäftsmodell der Agenturen basiert darauf, dass auch die Nachfrager, also zum Beispiel die vielen Chemieunternehmen, Luftfahrtgesellschaften et cetera, das Verfahren der Preisfindung als fair empfinden.

mm: Welche Rolle spielt bei alldem das Förderkartell Opec?

Bukold: Die Opec ist froh, dass es die Agenturen gibt. Denn dadurch kann das Kartell preispolitisch im Hintergrund bleiben. Auch die Saudis formulieren ihre Preise auf der Basis der Agenturpreise, also zum Beispiel "Argus Sour Crude plus zwei Dollar" für eine saudische Rohölsorte.

mm: Dennoch beeinflusst die Opec den Ölpreis, nämlich über die Fördermenge.

Bukold: Richtig, den Einfluss des Kartells sollte man durchaus kritisch sehen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch andere ölpolitische Probleme, die für die Verbraucher und die Sicherheit der Energieversorgung eine weitaus größere Rolle spielen.

mm: Welche sind die wichtigsten?

Bukold: Vor allem die drohende Ölverknappung und Peak Oil. Es ist absehbar, dass das Ölangebot nur noch wenige Jahre mit der steigenden Nachfrage Schritt halten kann. Das Problem wird immer noch unterschätzt, obwohl es immense ökonomische Risiken mit sich bringt; andererseits aber auch Geschäftschancen für Unternehmen und Branchen, die sich rechtzeitig darauf einstellen. Ganz aktuell gibt es zudem Probleme mit dem Brent-Preis Börsen-Chart zeigen.

mm: Welche denn?

Bukold: In der Nordsee wird immer weniger Öl gefördert, und die technischen Probleme bei den alten Anlagen häufen sich. Nun ist der Brent-Preis aber die Orientierungsmarke für zwei Drittel des Weltmarktes. Steigt er also an, dann steigen in der Tendenz auch alle anderen Preise. Eine kleine technische Störung hat dadurch eine völlig unverhältnismäßige globale Auswirkung.

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