Fotostrecke

Motoryachten: Guter Schnitt mit schnittigen Booten

Foto: AFP

Motoryachten Acht Zylinder fürs Depot

Während die Finanzmärkte weiter Achterbahn fahren, suchen Anleger händeringend nach Alternativen. Einige werden bei klassischen Motoryachten fündig.
Von Arne Gottschalck

Hamburg - Zuerst ein kurzes Spucken, dann ein Geräusch, das irgendwo zwischen sonorem Grollen und tiefem Brabbeln liegt. Dann schieben die zwei Motoren der "Riva Aquarama" das Motorboot sanft vom Anleger. Für Bootsliebhaber waren die Yachten, die wie aus poliertem Mahagony geschnitzt wirken, schon lange eine Versuchung. Doch inzwischen sind sie auch für manchen Anleger mehr als nur einen Blick wert.

Für Anselmo Vigani ist das eine erfreuliche Entwicklung. Vigani ist Geschäftsführer von R.A.M., eines Unternehmens, das sich der Restauration der alten Riva-Yachten verschrieben hat. "Die Nachfrage ist stark und die Preise steigen", sagt er. Die Gründe liegen für den Italiener auf der Hand. "Weil das Gefühl bei so einer klassische Riva-Yacht ganz anders ist als bei einer modernen Yacht."

Vor allem aber sind die alten Riva-Boote selten. 3000 von ihnen gibt es noch, weltweit, schätzt Vigani. Und wenn seltene Güter auf steigende Nachfrage treffen, steigen üblicherweise die Preise. So auch im Falle der Klassiker von Riva.

"Die komplette Restauration bei R.A.M. kostet zwischen 70.000 und 200.000 Euro", sagt Vigani. "Und der Preis für ein restauriertes Boot beginnt bei der Ariston für 150.000 Euro und der Aquarama Special für 600.000 Euro."

Statussymbol der Reichen in den 50er Jahren

Eine Menge Geld, wenn auch nicht für jeden. Riva-Yachten waren in den 50er Jahren beliebtes Statussymbol für die Reichen der Welt. Sean Connery gehörte ebenso zu den Eignern wie Sophia Loren. Seitdem hat Kunststoff seinen Siegeszug auch durch die Welt der Boote angetreten. Und Holzboote gerieten lange in Vergessenheit, nur von eine Handvoll Liebhabern am Leben gehalten. Heute ist das anders.

Zwar gibt es schon seit Jahrzehnten Werften, die sich auf die Restauration von Holzbooten spezialisiert haben. R.A.M. beispielsweise wurde eigens von Riva abgespalten, um die hauseigenen Antiquitäten pflegen zu können.

Und auch die Schweizer Werft Boesch unterhält mit Boesch Classic Boats ein auf Pflege der Mahagony-Boote spezialisiertes Unternehmen. Doch nun wächst "nach meiner Wahrnehmung die Nachfrage seit einem knappen Jahrzehnt", beobachtet Markus Boesch aus der Geschäftsleitung von Boesch Motorboote.

"Die Suche beschränkt sich nicht nur auf Immobilien"

Zum einen ist das eine Folge der Exklusivität und der Schönheit der Boote, der emotionalen Rendite. "Die Leute sind bereit, sich etwas Schönes zu gönnen", sagt Boesch. Und es gibt immer mehr Menschen, die sich so ein Spielzeug leisten können. So stieg im Jahr 2011 allein in Deutschland die Zahl jener Menschen, die mehr als eine Million Dollar anlegen - oder ausgeben - können, auf 951.200. Im Vorjahr waren es noch 3 Prozent weniger.

Es ist aber auch die bange Frage nach der Zukunft des Euro. Bei den Anlegern geht die Angst um, überschreibt zum Beispiel die Fondsgesellschaft Comgest einen Marktkommentar. Kein Wunder, denn die schwelende Krise könnte zum Beispiel dazu führen, dass die Notenbanken die Krise weginflationieren. Real Assets, so lautet ein Schlagwort, mit dem Finanzexperten bislang auf dieses Szenario antworten.

"Die Suche beschränkt sich nicht nur auf Immobilien"

Real Assets sind berührbare Sachen, Waldgrundstücke oder Kunst. Und für manche eben bestimmte Boote. Das beobachtet auch Randolph Kempcke. "In Zeiten volatiler Märkte und der ständigen Präsenz der Staatsschuldenkrise, sind unsere Mandanten verstärkt auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten in Sachwerte", sagt der Geschäftsführer des Familiyoffice Spudy & Co.

"Die Suche beschränkt sich dabei nicht nur auf die klassische Immobilie im In- und Ausland, sondern erstreckt sich über Agrar- und Forstflächen auf der ganzen Welt, wie zum Beispiel die Milchfarm in Neuseeland, bis hin zu mobilen Sachwerten wie Kunstgegenständen und Oldtimern aber auch Edelmetallen und Diamanten. Insbesondere mobile Sachwerte bieten die örtliche Flexibilität, die es den Mandanten ermöglicht, sich global aufzustellen. Bei der Anlage in Sachwerte ist es die Sicherheit, die im Vordergrund steht. Dafür nehmen die Mandanten sogar eine zum Teil deutlich geringere Rendite in Kauf."

Kein Wunder also, wenn sich auch Holzboote zu einer Art Anlage der besonderen Art entwickelt haben. Von der Rennbootschmiede Marconi, von Pedrazzini oder Arcangeli. "Ein Boesch-Boot hat vor 40 Jahren 30.000 Franken gekostet", sagt Boesch. "Heute kann es das drei- bis vierfache sein, sofern der Zustand stimmt". Und einige Riva-Boote beispielsweise konnten ihren Wert innerhalb von acht Jahren verdoppeln. Gut für Signore Vigani, gut für die Eigner solcher Boote. Und für alle anderen immerhin ein schöner Anblick.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.