Donnerstag, 22. August 2019

Geldanlage mit Herzblut Fans pumpen Millionen in den Profifußball

Schalke, St. Pauli und Co.: Diese Vereine pumpten bereits ihre Fans an
DPA

Hertha BSC, St. Pauli und demnächst erneut Schalke - immer mehr Proficlubs zapfen den Kapitalmarkt an. Vor allem Fußball-Anleihen locken mit reizvoller Verzinsung. Die Risiken sind aber so schlecht kalkulierbar wie das Pokalfinale zwischen Dortmund und Bayern.

Hamburg - Geht es um die Geldbeschaffung, war der FC St. Pauli schon immer kreativ. Als der Verein vor rund zehn Jahren am Abgrund stand, wurden zur Sanierung auf Reeperbahn und Fischmarkt die legendären "Retter"-T-Shirts verkauft. Selbst Bayern-Manager Uli Hoeneß trug eins, als er zum Benefizspiel ans Millerntor kam. Der Coup gelang, das Liquiditätsloch von fast zwei Millionen Euro wurde gestopft.

Inzwischen gehören solch exotische Methoden selbst am Hamburger Kiez der Vergangenheit an. St. Pauli ist seriös geworden. Benötigt der Kultclub Geld, so bemüht sein Management den Kapitalmarkt. Dort platzierte St. Pauli jüngst sehr erfolgreich eine Anleihe. Acht Millionen Euro wurden binnen kurzer Zeit in zwei Tranchen eingesammelt. Das Geld ist für den Umbau des Stadions und der Trainingsanlagen gedacht. Den Fans, die zum weitaus größten Teil ihre totenkopfverzierten Portemonnaies öffneten, winkt nun bis 2018 eine jährliche Verzinsung von 6 Prozent.

Andere Proficlubs können da schon neidisch werden. Die Lokalrivalen vom Hamburger Sportverein (HSV) etwa diskutieren das Thema derzeit öffentlich via örtlicher Presse. "Die Fan-Anleihe ist ein interessantes Instrument", stellte HSV-Boss Carl Jarchow vor wenigen Tagen im "Hamburger Abendblatt" fest. Zuvor hatte Ralf Bednarek, Chef der größten Fanorganisation des Vereins, eine solche Emission ins Gespräch gebracht.

Jüngstes Beispiel ist zudem der FC Schalke 04, der in dieser Woche bekanntgab, noch im ersten Halbjahr 2012 ein neues Papier auf den Markt zu bringen. Schon 2010 liehen Schalke-Fans ihrem Club auf ähnlichem Wege elf Millionen Euro.

Schalke will ans große Geld

Über das Volumen und den Zinscoupon der jetzt bevorstehenden Platzierung machen die Königsblauen zwar noch keine Angaben. Gut informierten Kreisen zufolge geht es diesmal jedoch um bis zu 50 Millionen Euro - ein Umfang also, der alles bislang in diesem Bereich da gewesene deutlich in den Schatten stellt.

Mit dem Geld will Schalke seinen Schuldenberg aber nicht vergrößern, etwa um neue Projekte zu starten oder Spieler zu kaufen. Geplant ist vielmehr eine Umfinanzierung: Alte Verbindlichkeiten werden durch neue ersetzt.

Zu dem Zweck, und das ist ein Novum, wendet sich der Verein mit seiner Offerte vor allem an institutionelle Investoren. Bisher galten Fußball-Anleihen - siehe die Beispiele aus Hamburg - in erster Linie als Geldanlage für Fans. Denn die können einen Verlust im Zweifel eher verschmerzen, immer in dem Bewusstsein, ihrem Club etwas Gutes zu tun.

Auf Schalke jedoch denkt man offensichtlich in anderen Kategorien. Die Anleihe soll an der Börse notiert werden, in Frankfurt, wie zu hören ist. Auch das gab es bislang noch nicht. Schalke wäre neben der Profisparte des Erzrivalen Borussia Dortmund Börsen-Chart zeigen, deren Aktien ebenfalls gelistet sind, erst der zweite Bundesligaverein mit einem Wertpapier im freien Handel. Die Aktionäre von Dortmund hatten bislang allerdings wenig Freude an ihrem Investment. Das Papier kam im Oktober 2000 zu elf Euro auf den Markt und kostet heute 2,35 Euro.

"Dass Schalke institutionelle Anleger erreicht, ist aufgrund der geplanten Börsennotierung durchaus möglich", sagt Markus Kern, der als Projektleiter bereits Emissionen der Königsblauen sowie die jüngste auf St. Pauli begleitet hat. "Denn ein liquider Handel und ein Rating sind für diese Investoren in der Regel Grundvoraussetzungen." Bei einer attraktiven Verzinsung traut der Experte dem Club eine erfolgreiche Emission daher durchaus zu. Für die meisten anderen Clubs komme ein solch großer Schritt aufgrund der anfallenden Emissionskosten jedoch kaum in Frage.

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