Dienstag, 2. Juni 2020

Geldanlage mit Herzblut Fans pumpen Millionen in den Profifußball

Schalke, St. Pauli und Co.: Diese Vereine pumpten bereits ihre Fans an
DPA

3. Teil: Rendite kann fallen wie Robben am Strafraum

"Es muss beachtet werden, dass die Fan-Anleihen in der Regel nicht börsennotiert und damit kaum handelbar sind", gibt zudem Experte Kern möglichen Investoren mit auf den Weg. "Ein Verkauf vor Laufzeitende könnte damit schwierig werden." Das Ausfallrisiko hält er jedoch für geringer als es ein klassisches Finanzrating ausdrücken würde, da es im Fußball Interessengruppen gebe, die die Clubs am Leben hielten. "Dazu zählt auch die öffentliche Hand", sagt Kern. "Faktisch gab es in der 1. und 2. Liga noch keine Insolvenzen - auch dank des Lizensierungsverfahrens der Deutschen Fußball Liga."

Investmentprofis sind dennoch vorsichtig. "Im Ausland, in den USA etwa, sind viele Vereine breiter aufgestellt und eher vergleichbar mit mittelständischen Unternehmen", sagt etwa Allan Valentiner, Geschäftsführer beim Anleihespezialisten Johannes Führ Asset Management. "Sie erzielen also auch einen maßgeblichen Teil ihrer Umsätze mit TV-Aktivitäten, Merchandising und ähnlichem." Hierzulande, so der Experte, gibt es das bislang kaum - abgesehen vielleicht vom FC Bayern und wenigen anderen.

Investoren, die sich nicht zutrauen, die sportliche Entwicklung vorherzusehen, sollten laut Valentiner daher lieber die Finger von deutschen Fußball-Anleihen lassen. Es sei denn, sie wären Fans. "Dann kann ich das vollkommen verstehen", sagt der Fachmann, der sich selbst gerne die Spiele ansieht.

"Es gibt mehrere Erfolgsfaktoren", sagt selbst St.-Pauli-Geschäftsführer Michael Meeske, und zählt auf: "Einen klaren Investitionszweck, der zudem in hohem Maße Fan-Interessen entspricht, eine komfortable wirtschaftliche Situation des Vereins sowie eine effektive Kommunikation."

Kampf auf der "Alm"

Vor allem der Verwendungszweck des Geldes sollte Fachleuten zufolge klar definiert sein. Im Idealfall sind Sachwertinvestitionen geplant, beispielsweise ins Stadion. Gilt es dagegen lediglich die allgemeine sportliche Zukunft zu gestalten, so ist oft Vorsicht geboten. Denn wenn das Geld erst in Spielerkäufe fließt, kann der Gegenwert bekanntlich so schnell fallen, wie Arjen Robben an der Strafraumgrenze.

Wie ernst Investoren die Anlagerisiken nehmen sollten, zeigen einige Beispiele. Alemania Aachen etwa stand im vergangenen Jahr kurz vor der Pleite. Lediglich eine 5,5-Millionen-Euro-Bürgschaft der Stadt Aachen verhinderte das Schlimmste. Auch die Rückzahlung der 2008 zur Finanzierung des neuen Stadions herausgegebenen "Tivoli-Anleihe" konnte nur auf diese Weise abgesichert werden.

Spitz auf Knopf stand es auch bei Arminia Bielefeld. 2006 legte der Verein ein Fünf-Millionen-Euro-Papier mit 7,5 Prozent Verzinsung auf, um das Stadion, die legendäre Bielefelder "Alm", umbauen zu können. Fünf Jahre später, pünktlich zur Rückzahlung der Schulden, war aus dem ambitionierten Bundesligaverein ein horrend verschuldeter Drittligist geworden, mit der unschönen Aussicht, sich schon bald in Richtung Regionalliga zu verabschieden.

Ein neues "Retter"-Shirt für Uli Hoeneß?

Die Pleite der Arminen verhinderten im Herbst 2011 lediglich deren Fans, die einen Großteil der fälligen Summe stundeten und zudem gleich noch ein neues Papier zeichneten. Manche verzichteten sogar komplett auf ihre Forderungen. Und ob der Rest jemals etwas von seinem Geld wiedersieht, erscheint im Moment so ungewiss wie der Ausgang des DFB-Pokalfinales am kommenden Samstag zwischen Dortmund und Bayern.

So etwas ist wohl nur möglich, wenn wirklich Herzblut im Spiel ist. Das gilt auch für die Rettung von Hansa Rostock. Noch 2011 versprach der Ostverein den Zeichnern der "Hansa Fan-Anleihe" einen 2-Prozentpunkte-Bonus, falls die Mannschaft in die erste Liga aufsteigen sollte. Davon ist inzwischen jedoch bekanntlich keine Rede mehr. Das Team spielt in der kommenden Saison in Liga drei, und das auch nur, weil es wohl gelungen ist, die Pleite des mit 8,5 Millionen Euro Miesen belasteten Vereins abzuwenden. Am gestrigen Mittwochabend stimmte die Rostocker Bürgerschaft dem Rettungspaket zu, das dem Club das Überleben vorerst sichern dürfte.

Ohnehin ist bei der Hansa-Anleihe das Kind noch nicht ganz in den Brunnen gefallen, denn viele Anleger wären von einem Ausfall noch nicht betroffen. Von den angepeilten fünf Millionen Euro hat Rostock erst rund 400.000 eingesammelt. Viel mehr dürfte es angesichts der prekären Lage wohl auch kaum werden. Vielleicht sollte der Verein allmählich über den Verkauf von "Retter"-T-Shirts nachdenken. Ein Benefizspiel jedenfalls hat Bayern-Grande Hoeneß schon in Aussicht gestellt.

Fotostrecke: Diese Vereine pumpten schon ihre Fans an

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