Dienstag, 2. Juni 2020

Geldanlage mit Herzblut Fans pumpen Millionen in den Profifußball

Schalke, St. Pauli und Co.: Diese Vereine pumpten bereits ihre Fans an
DPA

2. Teil: Otto Rehagel kennt das größte Anlagerisiko

Dabei sehen sich auch andere Vereine zunehmend gezwungen, den Kapitalmarkt anzuzapfen. Denn die Summen im Profifußball steigen von Jahr zu Jahr. So erzielten die 20 europäischen Topclubs nach einer Analyse der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte in der Saison 2010/11 ein Umsatzplus von 3 Prozent auf insgesamt 4,4 Milliarden Euro. Erst ein Jahr zuvor war erstmals die Vier-Milliarden-Euro-Grenze geknackt worden.

Vereine wie Real Madrid, der FC Barcelona oder Manchester United bringen es an der Spitze des Rankings jährlich auf dreistellige Millionenumsätze - häufen dabei allerdings ebenso gigantische Schuldenberge an.

Der erfolgreichste deutsche Verein dagegen folgt mit einem Umsatz von 321,4 Millionen Euro auf Platz vier - und ist zumindest wirtschaftlich so etwas wie der Musterknabe im internationalen Fußball: Der FC Bayern München ist seit Jahren schuldenfrei und profitabel. "Wir wirtschaften wie ordentliche Kaufleute", bringt es Pressesprecher Markus Hörwick mit Stolz in der Stimme auf den Punkt. "Wir geben nur Geld aus, das wir auch eingenommen haben." Den Gang an den Aktien- oder Anleihenmarkt brauchten die Bayern daher bislang nicht anzutreten. Den Münchenern stehen allerdings mit Audi Börsen-Chart zeigen und Adidas Börsen-Chart zeigen, die beide knapp 10 Prozent der Aktien halten, auch ohnedies potente Investoren zur Seite.

In solch komfortabler Lage befindet sich jedoch kaum ein anderer deutscher Verein. Zwar haben die hiesigen Proficlubs, vor allem jene in der ersten Liga, ihre wirtschaftliche Lage zuletzt verbessert. Das Eigenkapital (EK) der Vereine etwa stieg von 2008 bis 2011 laut "Bundesliga-Report 2012" von zusammen 430,2 Millionen auf 752,8 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote erhöhte sich zuletzt um mehr als 10 Prozentpunkte auf 45,3 Prozent.

"Geld schießt keine Tore"

Erstmals übersteigt das EK inzwischen sogar die Gesamtschulden der Vereine. Die belaufen sich mit beinahe 700 Millionen Euro allerdings immer noch auf eine stattliche Summe. Und es gibt nach wie vor Einzelfälle wie den 1. FC Köln, deren finanzielle Situation dramatisch erscheint.

Im vergangenen Jahr waren die Kölner noch der erste Verein, dem es gelang, eine Anleihe vollständig zu tilgen. Die Zeichner erhielten ihre fünf Millionen Euro allerdings gerade noch rechtzeitig zurück. Denn nach dem Abstieg in die zweite Liga, den die Bayern mit ihrem 4 zu 1 am vergangenen Samstag besiegelten, liegt die Zukunft des mit kolportierten 30 Millionen Euro hochverschuldeten Clubs inzwischen im Ungewissen.

Dem Bundesliga-Report 2012 lässt sich indes auch die Höhe der Verbindlichkeiten entnehmen, die bei den Erstliga-Clubs auf Anleiheemissionen beruhen: Zum 30. Juni 2011 waren es genau 46,92 Millionen Euro.

Insgesamt neun Profivereine aus Liga eins und zwei, so berichtete zudem jüngst das Fachmagazin "Sponsors", haben in den vergangenen Jahren Anleihen platziert. Von ursprünglich geplanten beinahe 70 Millionen Euro kamen dabei insgesamt knapp 50 Millionen Euro zusammen, so das Blatt. Unter den Emittenten befinden sich namhafte Adressen, wie Hertha BSC Berlin, der 1. FC Nürnberg oder 1860 München. Der versprochene Zinssatz, so "Sponsors", lag im Schnitt bei 5,9 Prozent und damit deutlich über dem, was zurzeit mit Tagesgeld, Festgeld oder deutschen Staatsanleihen zu holen ist.

Allerdings sind auch die Risiken der Fußball-Papiere wesentlich größer. Das wirtschaftliche Wohl eines Vereins hängt unmittelbar mit dem sportlichen Erfolg zusammen - und der ist, wie viele Beispiele zeigen, auch mit großen Summe kaum planbar. Der Spruch "Geld schießt keine Tore" von Trainer-Altmeister Otto Rehhagel klingt wohl vielen noch im Ohr. Eindrucksvoll unter Beweis stellte das zuletzt der HSV. Die Hamburger kämpften bis kurz vor Saisonende gegen den Abstieg, obwohl sie im Deloitte-Umsatzranking der europäischen Topclubs immerhin auf Platz 18 geführt werden. In Deutschland erzielen nur die Bayern, Schalke und Borussia Dortmund höhere Erlöse.

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