Alternative Investments Allianz investiert auch in Parkuhren

Gasnetze, Parkuhren, Windkraft- und Solarparks - bei der Kapitalanlage geht die Allianz neue Wege. Im Interview sagt David Jones, welche Anforderungen ein alternatives Investment erfüllen muss, wo die Risiken liegen und warum der Versicherer Solarinvestitonen in Deutschland meidet.
Steter Geldfluss: Ob nun Windparks in Italien oder Parkuhren in Chicago, der Allianz-Konzern geht bei der Kapitalanlage neue Wege

Steter Geldfluss: Ob nun Windparks in Italien oder Parkuhren in Chicago, der Allianz-Konzern geht bei der Kapitalanlage neue Wege

Foto: Corbis

mm: Herr Jones, die Allianz  meldete kürzlich den Kauf drei weiterer Windparks, investiert aber auch in Solarenergie. Wie hat es angefangen, seit wann investiert der Konzern in regenerative Energiegewinnung?

Jones: Angefangen haben wir 2005 mit einer Investition in den Windpark "Francofonte" in Italien. In Solarenergie haben wir zum ersten Mal 2010, ebenfalls in Italien, investiert. Über die Jahre haben wir immer mehr Anlagen in Deutschland, Frankreich und Italien in unser Portfolio aufgenommen. Mittlerweile besitzen wir 34 Wind- und 7 Solaranlagen, die genügend Strom für 350.000 Haushalte generieren.

mm: Traut die Allianz Staats- und Bankanleihen nicht mehr über den Weg, oder was macht Investitionen in erneuerbare Energien gerade für einen Versicherer interessant?

Jones: Wir haben unser Team für erneuerbare Energien schon 2005 aufgestellt. Uns gefielen die Renditen, die Wind- und Solarkraft bieten. Außerdem sind diese Investitionen unabhängig von Schwankungen an den Kapitalmärkten oder anderen Wirtschaftszyklen, was zur Diversifizierung unseres Portfolios zusätzlich beiträgt.

mm: Wie hoch ist Allianz-Gruppe derzeit in diesem Sektor investiert?

Jones: Zur Zeit betragen unsere Beteiligungen in erneuerbaren Energien rund 1,3 Milliarden Euro. Erst vor einem Jahr haben wir die Marke von einer Milliarde Euro überschritten. Wir wollen unsere Investitionen in diesem Bereich weiter ausbauen.

mm: Stammt das Anlagekapital vor allem aus der Lebens- und Krankenversicherung der Allianz?

Jones: Ja. Investitionen in Wind- und Solaranlagen haben eine Zeitspanne von rund 25 Jahren. Das passt sehr gut zu unseren langfristigen Verpflichtungen, wie Lebensversicherungen oder Altersvorsorgeprodukten, die in 20 bis 30 Jahren ausgezahlt werden.

mm: Wie teilen sich die Investments nach Segmenten in etwa auf?

Jones: Zurzeit investieren wir in Windkraft auf dem Festland und in Solarenergie. Wir halten derzeit mehr Windkraftanlagen als Solarparks, da wir in diesem Bereich mehr Investitionsmöglichkeiten sehen.

mm: Gibt es bestimmte Regionen die Sie bevorzugen?

Jones: Unser derzeitiger Fokus liegt auf dem europäischen Währungsraum, also der Quelle unserer Gelder. Bisher haben wir in Deutschland, Frankreich und Italien investiert. Aber ich erwarte, dass wir uns mit der Zeit geografisch ausweiten werden.

mm: Der portugiesische Solarmarkt gilt als einer der heißesten für Investoren, auch Südafrika wird in diesem Kontext genannt. In welcher Region sehen Sie perspektivisch sehr gute Chancen für Wind- und Solarinvestments?

Jones: Wir suchen nicht nach den "heißen" Märkten, wo lauter Investoren auf der Suche nach dem schnellen Gewinn einsteigen. Wir bevorzugen, in etablierte und stabile Märkte für erneuerbare Energien zu investieren, wo wir nach langfristigen Investitionsmöglichkeiten suchen.

mm: Welche Renditeanforderungen stellen Sie an ein Investment?

Jones: Die Rendite beträgt 6,5 bis 7,5 Prozent, wobei Solarenergie am unteren Ende dieser Spanne liegt. Wenn wir beschließen, in etwas zu investieren, berücksichtigen wir eine ganze Reihe von Aspekten rund um die Qualität und Stärke der Projektentwicklung.

mm: Welche Rolle spielen garantierte Einspeisevergütungen oder andere staatliche Finanzierungshilfen bei Ihrer Anlageentscheidung?

Offen für Offshore-Windparks

Jones: Nachhaltige erneuerbare Energien bleiben, zumindest vorerst, kostenintensiver als nicht-nachhaltige fossile Energien. Viele Länder haben deshalb Förderprogramme für erneuerbare Energien aufgelegt. Unsere Investitionsentscheidungen berücksichtigen den Wert dieser Förderprogramme sowie die geschätzte langfristige Stabilität dieser Programme, denn unsere Investition wird noch viele Jahre von ihnen abhängen.

mm: Wo rechnen sich Investitionen in Wind- oder Solaparks heute schon ohne Subventionen?

Jones: Wind- und Solaranlagen rentieren sich ohne Subventionen allgemein nur dort, wo es keine Stromnetzinfrastruktur gibt, oder wo sie sehr begrenzt ist.

mm: In Deutschland werden die Vergütungen für Solarstrom drastisch sinken. Wird die Allianz künftig weniger Geld in Solarparks investieren?

Jones: Bisher haben wir nicht in Solarenergie in Deutschland investiert, weil der Markt weitgehend von Kleinanlegerfonds getrieben wird, deren Renditeanforderungen niedriger als unsere sind. Außerdem machen es die angekündigten Vergütungskürzungen noch unwahrscheinlicher, dass wir in Deutschland in Solarenergie investieren werden.

mm: Wie stark ist die Allianz-Gruppe derzeit in Verkehrsinfrastruktur investiert - etwa in Strom-, Gas- oder Schienennetze?

Jones: Neben erneuerbaren Energien konzentriert sich Allianz Capital Partners auf Infrastruktur und hat bereits rund eine Milliarde Euro eigenes Geld in diesen Bereich investiert. Erst im letzten Jahr hat ACP in das norwegische Gasnetz Gassled investiert. Zum unserem Portfolio gehört aber zum Beispiel auch eine Gesellschaft, die Parkuhren in Chicago betreibt.

mm: Wo sehen Sie die größten Risiken für Investments in erneuerbare Energien und Infrastrukturprojekte wie Energie- oder Transportnetze?

Jones: All diese Bereiche unterliegen meist vielen Regulierungen, deshalb ist das regulatorische Risiko aus unserer Sicht zugleich das höchste. Die nachträglichen Veränderungen der Tarife in Spanien machten deutlich, wie real dieses Risiko ist und hat uns, und auch vielen anderen internationalen Investoren, von dortigen Investitionen abgehalten - zumindest bis der Markt wieder Stabilität und Zuversicht aufweist.

mm: Bislang betrieb die Allianz Wind- und Solarparks nie selbst. Warum eigentlich? Könnte sich das ändern?

Jones: Allianz ist ein Finanzdienstleister: Unsere Expertise liegt auf Versicherung und Investitionen. Wir ziehen es vor, gute Investitionen zu finden, sie zu analysieren und sie abzuschließen. Dann übergeben wir den Betrieb den Menschen, die am besten dafür qualifiziert sind - wobei wir natürlich immer aufpassen, dass alles richtig läuft.

mm: Welche Anforderungen muss ein Parkbetreiber erfüllen, damit er für die Allianz als Projektpartner in Frage kommt? Arbeiten Sie hier mit deutschen Partnern zusammen?

Jones: Wir möchten Zuverlässigkeit, eine solide Erfolgsbilanz und einen guten Geschäftsplan sehen. Es ist im Grunde wie jede andere Investition. Ja, wir arbeiten mit deutschen Partnern in Deutschland und französischen in Frankreich. Wir suchen ein gutes Geschäftsfundament und die Ressourcen - Menschen, Technik und Finanzierung - um sicher zu gehen, dass der Betrieb und die Wartung unserer Anlagen nach den besten Standards der Welt ausgeführt werden.

mm: Wann kauft die Allianz den ersten Offshore-Windpark? Ist da ein Alleingang denkbar oder nur im Verbund mit anderen Investoren?

Jones: Wir beobachten diesen Bereich seit einer Weile. Im Prinzip sind wir offen, wenn wir eine geplante Rendite erwirtschaften können, die dem langfristigen Risiko gerecht wird. Bisher haben wir keine passende Möglichkeit gefunden, aber ich bleibe optimistisch, dass wir hier fündig werden. Die Größe und die Betriebsherausforderungen eines Offshore-Windparks bedeuten auch, dass wir einen Partner mit großen technischen und finanziellen Ressourcen brauchen, der zudem gute Erfahrung mit Offshore-Windanlagen nachweisen kann. Sollten wir in Offshore investieren, werden wir wahrscheinlich nur als Minderheitspartner neben einem großen Stromanbieter mit diesen Eigenschaften investieren.

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