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Pro und contra: Was den Goldpreis treibt und was ihn drückt

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Sichere Geldanlage Am Ende eines goldenen Jahrzehnts

Der Goldpreis liegt wieder deutlich unter seinem Hoch vom September 2011. Skeptiker werten das nicht nur als Korrektur, sondern als Trendwende. Viele Faktoren, die in den vergangenen Jahren die beispiellose Goldhausse getrieben haben, verlieren ihre Wirkung.

Hamburg - Die Deutsche Bank zumindest glaubt noch an die Goldhausse. Zusammen mit einer Logistikfirma will sie Berichten zufolge in London einen neuen Goldspeicher bauen. Dabei ist der Höhenflug des Edelmetalls in den vergangenen Monaten merklich ins Stocken geraten.

Vom Allzeithoch von mehr als 1900 Dollar je Feinunze, das im September vergangenen Jahres erreicht wurde, ging es mit dem Preis auf heute rund 1650 Dollar um etwa 15 Prozent runter. Zuvor war der Goldpreis  etwa zehn Jahre lang gestiegen, angefangen bei gut 200 Dollar je Unze Anfang des Jahrtausends.

Zuletzt brachte Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, Unruhe auf den Goldmarkt. Als er sich optimistisch zur US-Konjunktur äußerte und weitere geldpolitische Lockerungen unwahrscheinlich erscheinen ließ, brachte das den Preis gleich zweimal innerhalb weniger Tage unter Druck. Vor allem die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt stimmt Bernanke zuversichtlich.

Zuversicht, das zeigt die Reaktion der Investoren, ist jedoch etwas, das am Goldmarkt nicht gut ankommt. Denn die große Nachfrage nach dem Anlagegut beruht vor allem auf zweierlei: Auf dem weltweit niedrigen Zinsniveau, das den Realzins mitunter in den negativen Bereich drückt, sowie auf Unsicherheit.

Unsicherheit über die Weltwirtschaft, über die Zukunft des Euro , über die Inflation, über die Entwicklung bei Aktien, Anleihen und anderen Assetklassen. Anleger, die sich deswegen Sorgen machen, suchen nach vermeintlich verlässlichen Investments, wie Immobilien oder eben Gold. Löst sich die Ungewissheit auf, geht folgerichtig auch die Nachfrage zurück.

Geht die Goldhausse zu Ende?

Genau das geschieht möglicherweise gerade, und zwar nicht nur aufgrund der positiven Entwicklung der US-Wirtschaft. Rund um den Globus lichten sich die Wolken am Konjunkturhimmel. Hierzulande etwa haben die Wirtschaftsforscher gerade reihum ihre Wachstumsprognosen heraufgeschraubt. Auch die Euro-Schuldenkrise bedrückt die Finanzmärkte längst nicht mehr so stark, wie noch vor wenigen Monaten. Und die Inflationsraten verharren allen Unkenrufen zum Trotz zumindest bislang auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Die Frage scheint daher berechtigt: Geht die jahrelange Goldhausse zu Ende? Immerhin haben schon im Vorjahr prominente Investoren große Bestände abgebaut. Hedgefondslegende George Soros etwa verkaufte schon Anfang 2011 Goldpositionen im Wert von insgesamt rund 800 Millionen Dollar. Ende des Jahres folgte der nicht minder berüchtigte New Yorker Finanzjongleur John Paulson, der durch Verkäufe fast zwei Milliarden Dollar erlöste.

Die aktuellen Rückgänge beim Goldpreis haben zwar auch Gründe, die wohl lediglich vorübergehend wirksam sind. Zum Beispiel die Ankündigung Indiens, die Importsteuer auf das Metall zu erhöhen, weil die hohen Einfuhren angeblich das indische Leistungsbilanzdefizit in die Höhe getrieben haben. In der indischen Goldindustrie kommt das nicht gut an. Berichten zufolge traten hundertausende Händler zum Protest in den Streik.

Zudem kann auch der Weltmarkt dadurch beeinflusst werden. Immerhin war der Subkontinent bis vor kurzem der weltweit größte Goldkonsument. Rein psychologisch betrachtet, so schreibt die Commerzbank daher, dürfte die Nachricht einen Belastungsfaktor für den Goldpreis darstellen.

Preiseinbruch um mehrere hundert Dollar möglich

Kurzfristige Korrekturen hat es am Goldmarkt in der Vergangenheit allerdings immer wieder gegeben. Nicht wenige Experten glauben jedoch, dass der Hausse allmählich auch mittel- und langfristig die Puste ausgeht. Denn, so die Argumentation, der Preisanstieg sei inzwischen vor allem durch Gelder von Investoren getrieben, etwa über die immer beliebter werdenden börsennotierten Fonds (ETFs).

Die größten Goldfonds der Welt

Name Herkunft Typ* Anbieter Volumen**
SPDR Gold Trust USA ETF State Street 73,59
iShares Gold Trust USA ETF iShares 10,33
Market Vectors Gold Miners USA ETF Van Eck 8,99
ETFS Physical Gold Jersey ETC ETFS Metal Securities 7,40
Gold Bullion Securities Jersey ETC Gold Bullion Securities 6,43
ZKB Gold ETF Schweiz ETF ZKB Gold ETF 5,64
Physical Gold Source P Irland ETC Source Physical Markets 2,42
Market Vectors JR Gold Miner USA ETF Van Eck 2,41
ETFS Gold Trust USA ETF ETF Securities 1,97
Sprott Physical Gold Trust Kanada ETF Sprott Asset Management 1,90
* ETF = Exchange Traded Fund, ETC = Exchange Traded Commodities
** in Milliarden US-Dollar
Quelle: Bloomberg

Diese Nachfrage beruhe jedoch neben den beschriebenen Unsicherheiten vor allem auf der Spekulation, dass auch andere Anleger weiterhin den Glauben an stabile oder steigende Goldpreise behalten. Das Ganze, so sehen es die Skeptiker, sei ein fragiles, psychologisches Konstrukt, das jederzeit zusammenbrechen könne. Preiseinbußen von mehreren hundert Dollar je Unze in wenigen Tagen seien dann nicht ausgeschlossen.

"Investoren betrachten Gold derzeit als sichere Währung", sagt etwa Rohstoffinvestor Christoph Eibl von Tiberius Asset Management. "Das funktioniert aber nur, solange alle weiterhin daran glauben - und das kann sich sehr schnell ändern." Auch Eibl glaubt, dass ein plötzlicher Sinneswandel bei Anlegern zu abrupten Rückschlägen beim Preis führen kann. Er verweist auf die vergangenen Monate, in denen es schon binnen Tagen um mehr als 400 Dollar je Unze abwärts ging, weil sich keine Käufer fanden. Seine Prognose: Ein Goldpreis von 1300 Dollar am Ende des Jahres ist möglich.

Umgekehrt heißt das aber auch: Solange Investoren kaufen, fällt der Preis nicht. Und zumindest die langfristig orientierten Anleger sind Gold bislang treu geblieben, beobachtet die Commerzbank. Sie verweist auf die Bestände der Gold-ETFs, die laut Bloomberg mit 77,475 Millionen Unzen (2409,5 Tonnen) weiterhin auf einem Rekordniveau lägen. Zudem wurden in diesem Monat laut US-Münzanstalt bereits 23.500 Unzen an American Eagle Goldmünzen verkauft, so die Commerzbank. Das sei mehr als im gesamten Monat Februar.

Indische Goldhändler protestieren gegen ETFs

Zahlen des World Gold Council, der Interessenvertretung der Goldindustrie, passen da ins Bild. Demnach stieg die Goldnachfrage von Investoren, die beispielsweise ETFs oder Münzen erwerben, 2011 um 5 Prozent - während die Schmucknachfrage um 3 Prozent zurückging. Auch die Zentralbanken zeigten im vergangenen Jahr reges Interesse, ihre Bestände aufzustocken.

In Indien führt der Vormarsch der Gold-ETFs bereits zu heftigen Konflikten, weil traditionelle Händler dadurch ihr Geschäft bedroht sehen. Der indische Verband der Schmuckhändler dränge die Regierung dazu, eine Steuer auf den Kauf von ETFs zu erheben, berichtet das Handelshaus Goldmoney. Selbst ein Verbot der Produkte werde gefordert.

Trotz dieses Erfolges des so genannten Papiergolds in den vergangenen Jahren werden auch andere Experten immer vorsichtiger. Nick Trevethan etwa, Rohstoffstratege bei der ANZ in Singapur, sieht Gold "in einer Abwärtsspirale gefangen". Weitere Preisabschläge seien möglich, wenngleich Zentralbankkäufe und die Nachfrage in Asien den Preis stützten.

Markus Stahl, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Steinhart & Stahl, zählte jahrelang zu den Optimisten und gründete unter anderem 2002 einen der ersten Fonds für physisches Gold hierzulande.

Kaum neue Preistreiber in Sicht

"Aus dem Gold-Bullen ist nunmehr ein überzeugter Gold-Bär geworden", sagt Stahl heute. Seine Gründe: Alles, was zu Beginn des Jahrtausends für den Anstieg des Preises gesprochen habe, sei inzwischen abgearbeitet. "Themen wie Inflation, Banken- oder Staatspleiten oder die Geldflut der Notenbanken sind omnipräsent und im Preis enthalten", sagt er. "Diese Dinge sind nicht mehr dazu geeignet, den Preis weiter anzutreiben." Selbst ein Kollaps des Euro-Systems würde nach Einschätzung des Geldprofis vor allem den US-Dollar stärken - und den Goldpreis damit womöglich zusätzlich unter Druck setzen.

Die größten Goldfonds der Welt

Name Herkunft Typ* Anbieter Volumen**
SPDR Gold Trust USA ETF State Street 73,59
iShares Gold Trust USA ETF iShares 10,33
Market Vectors Gold Miners USA ETF Van Eck 8,99
ETFS Physical Gold Jersey ETC ETFS Metal Securities 7,40
Gold Bullion Securities Jersey ETC Gold Bullion Securities 6,43
ZKB Gold ETF Schweiz ETF ZKB Gold ETF 5,64
Physical Gold Source P Irland ETC Source Physical Markets 2,42
Market Vectors JR Gold Miner USA ETF Van Eck 2,41
ETFS Gold Trust USA ETF ETF Securities 1,97
Sprott Physical Gold Trust Kanada ETF Sprott Asset Management 1,90
* ETF = Exchange Traded Fund, ETC = Exchange Traded Commodities
** in Milliarden US-Dollar
Quelle: Bloomberg

Stahl ist sich daher sicher: Sobald die Zinsen zu steigen beginnen, wird auch der Goldpreis fallen. Selbst einen Preis von 500 Dollar je Unze schließt er mittelfristig nicht aus.

Georg Graf von Wallwitz von der Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz ist ebenfalls dieser Meinung. "Es gab in den letzten Jahren im wesentlichen vier Gründe, Gold zu haben", sagt er. "Die Suche nach Sicherheit, die Angst vor der Inflation, den Trend und den Umstand, dass es bei den extrem niedrigen Zinsen nicht weh tat, dass Gold nichts abwirft." Der erste Grund bleibt, so von Wallwitz. Aber die anderen seien ins Wanken geraten. "In den USA sind die Zinsen wieder deutlich gestiegen", sagt er. "Wenn das in Deutschland ebenfalls passiert, sehe ich schwarz für Gold."

Zu allem Überfluss ist dem Goldmarkt in den vergangenen Monaten im Wettbewerb um die Anlegergelder ein starker Konkurrent erwachsen: die Aktienbörsen. Der Goldpreis sei zwei Tage in Folge deutlich gefallen, weil kurzfristig orientierte Finanzanleger verstärkt in Aktien umschichten und Longpositionen in Gold reduzieren, stellte etwa die Commerzbank vor wenigen Tagen fest.

Tatsächlich befinden sich die Aktienmärkte angesichts der positiven Konjunkturstimmung seit Monaten im Aufwind. Im Sommer 2011 waren die Börsen heftig eingebrochen. Seither hat beispielsweise der deutsche Leitindex Dax  um rund 40 Prozent auf mehr als 7000 Punkte zugelegt, der Dow Jones  übersprang sogar die Marke von 13.000 Punkten, was zuletzt 2008 gelang.

Zufall oder nicht: Ihre Aufholjagd starteten die Börsen just im September 2011, als der Goldpreis seinen bisherigen Zenit überschritt.

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