Sonntag, 15. Dezember 2019

Sichere Geldanlage Am Ende eines goldenen Jahrzehnts

Pro und contra: Was den Goldpreis treibt und was ihn drückt
AFP

Der Goldpreis liegt wieder deutlich unter seinem Hoch vom September 2011. Skeptiker werten das nicht nur als Korrektur, sondern als Trendwende. Viele Faktoren, die in den vergangenen Jahren die beispiellose Goldhausse getrieben haben, verlieren ihre Wirkung.

Hamburg - Die Deutsche Bank zumindest glaubt noch an die Goldhausse. Zusammen mit einer Logistikfirma will sie Berichten zufolge in London einen neuen Goldspeicher bauen. Dabei ist der Höhenflug des Edelmetalls in den vergangenen Monaten merklich ins Stocken geraten.

Vom Allzeithoch von mehr als 1900 Dollar je Feinunze, das im September vergangenen Jahres erreicht wurde, ging es mit dem Preis auf heute rund 1650 Dollar um etwa 15 Prozent runter. Zuvor war der Goldpreis Börsen-Chart zeigen etwa zehn Jahre lang gestiegen, angefangen bei gut 200 Dollar je Unze Anfang des Jahrtausends.

Zuletzt brachte Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank Fed, Unruhe auf den Goldmarkt. Als er sich optimistisch zur US-Konjunktur äußerte und weitere geldpolitische Lockerungen unwahrscheinlich erscheinen ließ, brachte das den Preis gleich zweimal innerhalb weniger Tage unter Druck. Vor allem die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt stimmt Bernanke zuversichtlich.

Zuversicht, das zeigt die Reaktion der Investoren, ist jedoch etwas, das am Goldmarkt nicht gut ankommt. Denn die große Nachfrage nach dem Anlagegut beruht vor allem auf zweierlei: Auf dem weltweit niedrigen Zinsniveau, das den Realzins mitunter in den negativen Bereich drückt, sowie auf Unsicherheit.

Unsicherheit über die Weltwirtschaft, über die Zukunft des Euro Börsen-Chart zeigen, über die Inflation, über die Entwicklung bei Aktien, Anleihen und anderen Assetklassen. Anleger, die sich deswegen Sorgen machen, suchen nach vermeintlich verlässlichen Investments, wie Immobilien oder eben Gold. Löst sich die Ungewissheit auf, geht folgerichtig auch die Nachfrage zurück.

Geht die Goldhausse zu Ende?

Genau das geschieht möglicherweise gerade, und zwar nicht nur aufgrund der positiven Entwicklung der US-Wirtschaft. Rund um den Globus lichten sich die Wolken am Konjunkturhimmel. Hierzulande etwa haben die Wirtschaftsforscher gerade reihum ihre Wachstumsprognosen heraufgeschraubt. Auch die Euro-Schuldenkrise bedrückt die Finanzmärkte längst nicht mehr so stark, wie noch vor wenigen Monaten. Und die Inflationsraten verharren allen Unkenrufen zum Trotz zumindest bislang auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Die Frage scheint daher berechtigt: Geht die jahrelange Goldhausse zu Ende? Immerhin haben schon im Vorjahr prominente Investoren große Bestände abgebaut. Hedgefondslegende George Soros etwa verkaufte schon Anfang 2011 Goldpositionen im Wert von insgesamt rund 800 Millionen Dollar. Ende des Jahres folgte der nicht minder berüchtigte New Yorker Finanzjongleur John Paulson, der durch Verkäufe fast zwei Milliarden Dollar erlöste.

Die aktuellen Rückgänge beim Goldpreis haben zwar auch Gründe, die wohl lediglich vorübergehend wirksam sind. Zum Beispiel die Ankündigung Indiens, die Importsteuer auf das Metall zu erhöhen, weil die hohen Einfuhren angeblich das indische Leistungsbilanzdefizit in die Höhe getrieben haben. In der indischen Goldindustrie kommt das nicht gut an. Berichten zufolge traten hundertausende Händler zum Protest in den Streik.

Zudem kann auch der Weltmarkt dadurch beeinflusst werden. Immerhin war der Subkontinent bis vor kurzem der weltweit größte Goldkonsument. Rein psychologisch betrachtet, so schreibt die Commerzbank daher, dürfte die Nachricht einen Belastungsfaktor für den Goldpreis darstellen.

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