Samstag, 25. Mai 2019

Lebensversicherung Policenfonds droht Klagewelle

Millionengrab Policenfonds: Acht Milliarden Euro flossen in geschlossene Fonds mit Lebensversicherungen. Anlegern drohen enorme Verluste

Wer seine Lebensversicherung verkaufen will, findet am Zweitmarkt womöglich eine gute Alternative zur Kündigung. Auf der anderen Seite beklagen Käufer geschlossener Policenfonds horrende Verluste. Banken und Emittenten müssen mit einer Klagewelle rechnen, sagt Expertin Petra Brockmann.

mm: Frau Brockmann, der Zweitmarkt für Lebensversicherungen scheint sich zu berappeln. 2011 kauften Investoren für 200 Millionen Euro gebrauchte deutsche Policen auf, ein Plus von 25 Prozent. Angesichts Schuldenkrise und fallender Vertragsrenditen könnten mehr Versicherte auf die Idee kommen, ihre Police zu versilbern. Eine gute Idee?

Brockmann: Nur bedingt. Richtig ist zwar, dass Aufkäufer wieder verstärkt investieren. Doch sie picken sich immer noch die besten Stücke heraus. In der Regel finden also nur ältere Policen mit einem hohen Garantiezins und einem mindestens fünfstelligen Rückkaufswert einen Käufer. Bei seriösen Angeboten erzielt der Verkäufer dann womöglich bis zu 10 Prozent mehr als ihm die eigene Versicherung zahlen würde. Im Einzelfall kann das eine attraktive Alternative zur Kündigung sein. Bei Angeboten, die weit darüber hinausgehen, ist Vorsicht angezeigt.

mm: Im Internet werben Anbieter mit deutlich höheren Offerten.

Brockmann: Angebote, die 200 Prozent und mehr des Rückkaufswertes ausloben, sind unrealistisch und in den seltensten Fällen seriös. Will der Käufer den Kaufpreis über Jahre strecken und nicht auf einen Schlag zahlen, fällt dann zudem womöglich auch der Todesfallschutz und damit eine Todesfallleistung für die Erben weg, dann sollte der Versicherte von dem Angebot besser die Finger lassen. Auf dem unregulierten Zweitmarkt tummeln sich einfach viele undurchsichtige Policenaufkäufer. Die Finanzaufsicht hat einigen den Geschäftsbetrieb untersagt, dutzende andere Anbieter stehen unter Beobachtung. Der Versicherte sollte vor dem beabsichtigten Verkauf seiner Police also vorher genau prüfen, mit wem er da Geschäfte macht. Im schlimmsten Fall ist er nicht nur seine Police los, sondern geht auch völlig leer aus.

mm: Woran kann sich ein Versicherter orientieren?

Brockmann: Der Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen, kurz BVZL, hat einen Leitfaden mit Qualitätskriterien für den Verkauf von Policen aufgestellt. Dieser kann dem Verkäufer als erste Orientierung dienen. Wer beabsichtigt, seine Police zu verkaufen, sollte sich zuvor umfassend informieren, verschiedene Angebote einholen und nicht vorschnell einen Vertrag abschließen. Der Versicherte sollte sich auch noch mal fragen, ob die Trennung von der Police wirklich notwendig ist, da hiermit immer Einbußen verbunden sind. Er kann den Vertrag auch ruhen lassen oder beleihen.

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