Montag, 24. Juni 2019

Lebensversicherung Policenfonds droht Klagewelle

Millionengrab Policenfonds: Acht Milliarden Euro flossen in geschlossene Fonds mit Lebensversicherungen. Anlegern drohen enorme Verluste

5. Teil: "Das Geschäftsmodell ist im Grunde tot"

Brockmann: Mindestens 200.000 deutsche Privatanleger haben nach unseren Schätzungen in geschlossene Policenfonds investiert. Bundesweit bilden sich Interessengemeinschaften betroffener Investoren, einige Tausend haben nach unseren Schätzungen Anwälte aufgesucht und setzen sich nun auch juristisch zur Wehr. Banken, Emissionshäuser sowie Gründungs- und Treuhandkommanditisten müssen mit einer Klagewelle rechnen. Nicht nur unsere Kanzlei sieht sie wegen fehlerhafter Prospekte, mangelnder Information, Falschberatung oder auch verschwiegener Kickbacks in der Haftungspflicht. In vielen Fällen bestehen gute Chancen auf Schadenersatz.

mm: Das müssen Sie jetzt sagen.

Brockmann: Nein, wir sehen das ganz nüchtern. Die Versäumnisse beteiligter Banken, Emissionshäuser und Gründungskommanditisten ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Fälle.

mm: Haben Gerichte hier bereits grundlegende Urteile zugunsten von Policenfondsinvestoren gefällt, auf denen Kläger aufbauen können?

Brockmann: Die gibt es durchaus. So hat zum Beispiel das Landgericht Lübeck einer Anlegerin hohen Schadenersatz wegen verschwiegener Kickbacks zugestanden. Weitere Klagen von uns gegen involvierte Banken sowie Gründungs- und Treuhandkommanditisten laufen oder sind in Vorbereitung.

mm: Meistens bleibt es bei solchen Verfahren nicht bei einer Instanz. Da kann man Anlegern nur eine gute Rechtsschutzversicherung wünschen.

Brockmann: Der Gang durch die Instanzen ist nicht unser erstes Ziel. Wir versuchen zunächst einmal, uns außergerichtlich mit den Banken und Vertrieben zu einigen. Das gelingt aber nicht immer und kann dann eben durchaus zu einem Prozess führen. Ziel des berechtigten Schadensersatzanspruchs ist es immer, den Anleger so zu stellen, als hätte er den Fonds nicht gezeichnet. Die Rechtsschutzversicherung indes sollte der Anleger schon vor der Zeichnung des Fonds besessen haben. Später abgeschlossene Rechtsschutzpolicen helfen da nicht.

mm: Halten Sie das Geschäftsmodell der geschlossenen Policenfonds in Deutschland für gescheitert?

Brockmann: Das Geschäftsmodell ist im Grunde tot, schon seit 2010 fließt kein frisches Geld mehr in geschlossene Policenfonds. Theoretisch könnten solche Fonds in Zukunft neu entstehen. Das sehen wir gegenwärtig aber nicht. Die Emissionshäuser und Banken sind derzeit eher mit Problembewältigung befasst. Die Deutsche Bank hat kürzlich beschlossen, ihren amerikanischen LV-Fonds "DB Kompass Life 3" aufzulösen, mit dem Anleger quasi auf die Lebenserwartung von Menschen spekulierten. Die Anleger sollen ohne Verlust aus dem Investment aussteigen können. Andere Fonds wurden bereits abgewickelt oder sind in Abwicklung. Diese Entwicklung spricht doch Bände.

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