Sonntag, 21. Juli 2019

Anlegen in Sachwerten Reale Renditen

Vergleich: Was Sachwerte an Rendite brachten
Corbis

7. Teil: Wein - Eine Flasche edlen Bordeaux bitte

Wer sich eine Flasche edlen Weins zulegt, muss sich entscheiden zwischen Genuss und Rendite. Letztere konnte sich in den vergangenen Jahren durchaus sehen lassen. Experte Magaritis Sotiris von der Handelsplattform W1market.com schätzt die Rendite in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf 14 Prozent pro Jahr im Schnitt. "Selbst nach Inflationsabzug bleibt eine positive Realverzinsung übrig, die anders als bei Aktien tendenziell größer war", sagt er.

Eine Auswertung der Londoner Weinbörse Liv-ex bestätigt die Tendenz. Demnach sind die Preise dort zwischen Februar 2002 und Februar 2012 um 202,8 Prozent gestiegen. Das lässt sich am Index Liv-ex 100 ablesen.

Der Index setzt sich zusammen aus 100 der edelsten Weine weltweit. Zum Großteil stammen diese aus den französischen Anbaugebieten wie vor allem der Region um Bordeaux. Um in den Index aufgenommen zu werden, müssen die Weine verschiedene Kriterien erfuellen. Sie müssen beispielsweise mindestens 95 Punkte von den führenden Weinkritikern wie Robert Parker aus den USA bekommen, zum offiziellen Verkauf stehen und regelmässig auf der Liv-ex-Börse gehandelt werden.

Eine ähnliche eindrucksvolle Performance ergibt auch die Auswertung, die die neue, deutschsprachige Weinpreisdatenbank wine-stocks.com für manager magazin Online vorgenommen hat. Demnach stieg der Wert eines Korbes 50 verschiedener Weine mit einem Durchschnittspreis von gut 2400 Euro pro Flasche zwischen Anfang 2002 und heute von rund 17.200 Euro auf mehr als 121.000 Euro - ein Plus von durchschnittlich fast 20 Prozent pro Jahr. Ein breiter gefächerter Korb mit insgesamt 500 Weinen (Flaschenpreis: im Schnitt 775 Euro) kam laut wine-stocks.com auf eine Durchschnittsperformance von etwa 12,8 Prozent.

Das zeigt, dass vor allem die wirklich edlen Tropfen für ein Investment geeignet sind, beispielsweise von den fünf renommiertesten Bordeaux-Weingütern, den Châteaux Lafite-Rothschild, Mouton-Rothschild, Latour, Margaux und Haut-Brion. Speziell beim Lafite-Rothschild gab es im vergangenen Jahr Preiststeigerungen, die Experten teils als absurd bezeichnet hatten.

Inzwischen hat sich der Markt wieder etwas abgekühlt, so dass ein Einstieg lohnenswert sein könnte. "Wenn man sich die Entwicklung des Liv-ex 100 anschaut, könnte man zu dem Schluss kommen, das andere Assetklassen wie Aktien oder Rohstoffe dem Wein momentan davongelaufen sind", sagt Frank Schallenberger, Experte von der LBBW. " Insofern könnte der Zeitpunkt zum Investieren nicht schlecht sein." Die Bewertung von Topweinen wie dem Lafite-Rothschild hält Schallenberger aber immer noch für zu hoch. Er rät eher zu Weinen der der zweiten oder dritten Reihe.

"Es hat den Anschein, als sollte der Markt für Bordeaux-Weine seine Korrekturphase beendet haben", sagt zudem Fachmann Sotiris. "Ob die Aufwärtsbewegung beibehalten wird, kann sich endgültig herausstellen, wenn die Châteaux im Frühjahr ihre en primeur Preise für 2011 bekannt geben."

Die letzten beiden Jahrgänge, also 2009 und 2010, waren nach Angaben des Experten von überragender Qualität. Das Preisniveau war allerdings ebenfalls ambitioniert, so Sotiris. "Die diesjährigen en primeur Preise müssen bedeutend moderater gestaltet werden, damit die internationalen Kunden dem Bordeaux-Markt nicht den Rücken kehren", urteilt der Fachmann. "Diesen Umstand sollte man im Hinterkopf haben, wenn man aktuell auf dem Fine Wine Markt aktiv ist."

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