Samstag, 21. September 2019

Geldanlage Spitzenweine senden Kaufsignale 

Fünf Tipps: So kommt der Wein ins Depot
REUTERS

Château Margaux, Château Latour, Château Lafite-Rothschild - die Preise französischer Spitzenweine sind in den vergangenen Monaten geradezu eingebrochen. Optimisten sehen den Zeitpunkt für einen Einstieg in den Markt gekommen. 

Hamburg - Technische Analyse, schnöde Charttechnik also, angewendet auf die Preise edelster Weine? Kaum zu glauben, aber an der Liv-ex, der Weinbörse in London, hält man das für möglich. Seit 1999 wird dort institutionalisiert Wein gehandelt, der Liv-ex Fine Wine 100 Index gilt heute als einer der wichtigsten Preisindikatoren für Spitzenweine weltweit.

Ein Blick auf den Chart zeigt: Bis 2005 gab es kaum Bewegung bei den Preisen teurer Weine. Dann jedoch setzte, angeheizt vor allem durch die immer stärker werdende Nachfrage aus Schwellenländern wie China oder Russland, ein heftiges Auf und Ab ein. Einem starken Preisanstieg bis 2007 folgte Ende 2008, Anfang 2009, mit dem Ausbruch der großen Finanz- und Wirtschaftskrise also, eine heftige Korrektur.

Ähnliches wiederholte sich wenig später: Bis Mitte 2011 stieg der Index auf ein vorläufiges Allzeithoch von mehr als 360 Punkten, um seither auf weniger als 300 Punkte abzustürzen, ein Minus von mehr als 20 Prozent also (siehe Grafik links).

Nach Ansicht der Experten der Liv-ex könnten sich daraus Chancen für Investoren ergeben. "Eine technische Analyse der langfristigen Index-Entwicklung legt nahe, dass der Trend insgesamt bullisch bleibt", schrieben sie Anfang Dezember in einem Blog-Eintrag. Im November habe sich der Index erneut einer Unterstützungslinie genähert, woran Händler typischerweise Kaufgelegenheiten identifizierten. "Die Trendlinie hat 2009 robuste Unterstützung gewährt", so die Liv-ex. "Wird sie 2011/2012 halten?"

Starke Preissprünge beim Lafite-Rothschild

Inzwischen liegen die Preisdaten für den Dezember 2011 vor. Mit dem Liv-ex Index ging es erneut beinahe 4 Prozent abwärts. Wenn die Unterstützungslinie halten soll, dann muss nun schon ein recht abrupter Turnaround her.

Dennoch: Auch andere Experten sehen nach der Preiskorrektur Einstiegschancen am Markt für Spitzenweine, Charttechnik hin oder her. "Die technische Analyse wird auf die Weinpreise erst seit kurzem angewendet" sagt etwa Margaritis Sotiris, Mitgründer der Online-Handelsplattform W1market.com. "Ob sich das bewährt, muss sich erst noch zeigen."

Die Preiskorrektur in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres jedoch, so der Experte, überrascht nicht allzu sehr. "Speziell die Preise für Lafite-Rothschild waren zum Teil sehr stark in die Höhe geschossen", sagt er. "Nach der Abkühlung kann man jetzt über einen Einstieg nachdenken."

Nach Ansicht von Frank Schallenberger von der LBBW kommt es maßgeblich auf den weiteren Verlauf der Weltkonjunktur und der Nachfrage aus Asien an. Zwar haben die Aktienmärkte im vergangenen Jahr zum Teil deutlich größere Verluste erlitten, als die Spitzenweine, sagt der Rohstoffanalyst, der sich einen Namen als Weinexperte gemacht hat und selbst im Zweitberuf einen Weinhandel betreibt. "Gemessen daran könnte es beim Wein noch Luft nach unten geben."

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