Mittwoch, 16. Oktober 2019

Geldanlage Spitzenweine senden Kaufsignale 

Fünf Tipps: So kommt der Wein ins Depot
REUTERS

2. Teil: Nur wenige Weine eignen sich für das Investment

Wenn die Weltwirtschaft jedoch nicht so stark in die Knie geht wie von vielen befürchtet, dürften auch die Weinpreise bald wieder steigen, glaubt er. "Nach der Korrektur um 20 Prozent wäre in dem Fall der Zeitpunkt für einen Einstieg günstig."

Optimisten können nun also zugreifen und den Weinkeller auffüllen. Die Wahl sollte dabei vorzugsweise auf die Spitzenrotweine, die sogenannten Premier Crus, aus dem französischen Anbaugebiet Bordeaux fallen. Diese dominieren auch den Liv-ex Fine Wine 100. Enthalten im Index sind beispielsweise die als außergewöhnlich gut geltenden 2005er Jahrgänge aller fünf Top-Châteaux, also von Lafite-Rothschild, Mouton-Rothschild, Latour, Margaux und Haut-Brion. Auch das sehr gute Jahr 2000 ist breit vertreten. Insgesamt liegt der Anteil der Bordeaux-Weine im Index bei mehr als 95 Prozent.

Zudem gilt es ohnehin als empfehlenswert, sich beim Investment in Weine auf die Spitzenlabel zu konzentrieren. Experten sind sich darüber einig: Wenn eine solche Geldanlage Erfolg haben soll, so ist dies eine der Grundvoraussetzungen. Der gewöhnliche Tropfen vom Händler um die Ecke oder gar aus dem Supermarkt dagegen kann getrost getrunken werden - seine Performancechancen sind in der Regel begrenzt.

In unzähligen Studien wurde die Eignung von Wein als Gegenstand der Kapitalanlage bereits untersucht. Das Ergebnis: Es kann funktionieren. Je nach gewähltem Zeitraum und Zusammenstellung des Depots sind demnach Renditen zwischen 5 und etwas mehr als 10 Prozent denkbar.

Wer informiert ist, ist im Vorteil

Eigenschaften wie der Jahrgang, Ratings und Rankings haben nicht nur Einfluss auf den Preis der Weine, sondern auch auf deren Rendite, schrieben beispielsweise der Schweizer Hotelier Philippe Masset und die Wissenschaftlerin Caroline Henderson von der Uni Lausanne 2009 in einer gemeinsamen Studie. Die besten Weine gemessen an diesen Parametern erzielen demnach höhere Renditen und unterliegen tendenziell geringeren Schwankungen als weniger gute. Investoren, so das Fazit, sollten sich daher auf die Premier Crus konzentrieren. Zudem sei die Einstufung wichtiger Kritiker, namentlich des US-Amerikaners Robert Parker, zu beachten.

Zum Hintergrund: Robert Parker, von Haus aus Jurist, beurteilt seit etwa 30 Jahren Weine und gilt als einflussreichster Kritiker weltweit. In den USA kleben Weinhersteller neben dem Preisschild auch Etiketten mit einer Zahlenangabe und der Einheit "PP" auf Flaschen entsprechender Güte. PP bedeutet Parker Points, die Zahl davor gibt die Benotung des Weins auf einer Skala von 0 bis 100 durch "Weinpapst" Parker wieder. Andere Kritiker mit weltweiter Reputation sind zum Beispiel der amerikanische Wein- und Zigarrenfachmann James Suckling ("I have probably tasted about 150.000 wines in my career") sowie die Britin Jancis Robinson, Kolumnistin der "Financial Times" und Beraterin von Queen Elizabeth II.

Auch andere Studien machen Anlegern Mut. Die Professoren Egon Franck aus Zürich, Martin Kukuk aus Würzburg und Stefan Winter aus Bochum zum Beispiel untersuchten 2004, ob es öffentlich verfügbare Informationen gibt, die eine Weinauswahl erlauben, die der Zufallsauswahl hinsichtlich Risiko und Rendite überlegen ist. Ihr Fazit: "Unsere Stichprobe liefert deutliche Hinweise dafür, dass dies der Fall ist."

Wein, so der Tenor in der Fachwelt, eignet sich zudem, um ein Anlageportfolio zu diversifizieren und das Risiko insgesamt zu senken. Denn die Korrelation zu anderen Anlageklassen wie etwa Aktien gilt als gering.

Die Abstürze der Weinpreise im Topsegment in den Jahren 2008/2009 sowie im vergangenen Jahr, die praktisch parallel zum Einbruch der Finanzmärkte erfolgten, lassen zwar Zweifel aufkommen. Ein genauer Blick zeigt jedoch: Diese Abstürze fanden tatsächlich vor allem im absoluten Topsegment statt. Die Preise einiger Weine aus der zweiten Reihe dagegen, mit Namen wie Lynch Bages oder der Cos d'Estournel, entwickelten sich deutlich besser.

Ein Grund ist Experten zufolge, dass das Interesse aus Asien weiter groß ist und dass die Käufer von dort ihre Aktivitäten ausweiten. Dabei kommt es mitunter zu kuriosen Entwicklungen. "Die Nachfrage aus Asien weitet sich zum Beispiel auch auf Weine wie das Château Beychevelle aus", sagt Experte Sotiris. "Als ein Grund hierfür wird vermutet, dass das Jahr 2012 in China das Jahr des Drachen ist und das Château ein Drachenboot auf dem Etikett hat."

Ein Château Yquem gelte zudem als einer der hochwertigsten Süßweine. Damit treffe er direkt den Trinkgeschmack der wichtigen Käuferschicht: Viele Asiaten lieben süßen Wein.

Fünf Expertentipps: So kommt der Wein ins Depot

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