Montag, 14. Oktober 2019

Anlage 2012 Die Gold-Chance

Gold: Die beliebtesten Anlageformen weltweit
DPA

Gold verlor zuletzt an Wert, der Preis pendelt um die 1500 Dollar je Feinunze. Damit ist das Edelmetall weit von seinem Hoch entfernt. Dabei taumelt die Welt weiter durch die Wirtschaftskrise, was den Goldpreis normalerweise in die Höhe treibt. Auch der Atomstreit mit dem Iran trägt zur Unsicherheit bei.

Hamburg - Mitten im Eingangsbereich des Einkaufszentrums steht er, das kleine Kabuff, wie es auf nahezu jeder Messe zu sehen ist. Ein Schreibtisch, drei Stellwende darum herum, an denen Plakate hängen. "Sell your Gold now"; heißt es dort, "verkaufen Sie Ihr Gold jetzt". Zahngold, ungeliebter Schmuck, "wir kaufen es". Wir, das ist in diesem Fall ein dunkelhaariger Mann von gut 20 Jahren, der in sein Handy spricht und den Passanten keinen Blick schenkt. Ein Goldaufkäufer im beschaulichen Städtchen Antrim, gut 20.000 Einwohner klein und im regenumflorten Nordirland in der Nähe von Belfast gelegen - ist er ein Signal dafür, dass der Höhenflug des Edelmetalls endgültig beendet ist, eine Milchmädchen-Hausse vorbei ist? Oder dafür, dass Gold vor einem weiteren Aufschwung steht? Die Experten sind sich nicht einig. Das ist nicht einmal eine Frage der Fakten. Sondern ihrer Wertung.

Denn die Fakten kennen sie alle, die Vermögensverwalter, die Fondsmanager und die sonstigen Experten. Angebot und Nachfrage zum Beispiel, wie es das World Gold Council dokumentiert. Im dritten Quartal des Jahres 2011, aktuellere Daten gibt es noch nicht, stieg die Nachfrage nach dem Edelmetall im Vergleich zum dritten Quartal 2010 um 6 Prozent, in der Summe auf 1053,9 Tonnen. Vor allem die Investmentnachfrage befeuerte diese Entwicklung. Sie lag um 33 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Dem steht ein Angebot gegenüber, das auf 1034,4 Tonnen um 2 Prozent stieg. Denn die Minen konnten ihren Ausstoß erhöhen. Auch die Recycling-Tätigkeit legte zu, um 13 Prozent gegenüber dem dritten Quartal des Vorjahres. Auf der anderen Seite begannen die Zentralbanken, Gold zu kaufen und reduzierten damit das Angebot. Eine Nachfrage, die über das Angebot hinausgeht, müsste eigentlich den Goldpreis ansteigen lassen, so die gängige Schlussfolgerung.

Dazu kommen weitere nüchterne Aspekte. "Die Bewertung von Gold hängt auch an Faktoren wie der Inflation, den Währungsmärkten, Zentralbankaktivitäten, der Verschuldung und den geopolitischen Risiken", sagt John Hathaway, der seit fast dreißig Jahren den Goldmarkt beobachtet und mit dem Tocqueville Gold Fund ein entsprechendes Anlagevehikel leitet. Lässt er all diese Informationsströme zu einem Urteil gerinnen, ist für ihn die Schlussfolgerung klar: Die Zentralbanken würden auf die Krise mit dem Drucken von Geld reagieren, sagt Hathaway, "so oder so." Und weiter: "Die Marktreaktion auf die Finanzkrise auf beiden Seiten des Atlantiks ist ein notwendiger und schmerzhafter Prolog dafür, dass Gold neue Höhen erklimmt. Die könnten sogar deutlich über 2000 Dollar liegen, vielleicht sogar 3000 Dollar."

Die Inflation als Treiber des Goldpreises, diese Einschätzung formuliert auch eine Studie des Investmentmanagers Man. "Die Nachfrage nach dem gelb schimmernden Edelmetall sollte stark bleiben, auch wenn viele argumentieren, dass sich die Preise bereits auf sehr hohem Niveau bewegen", sagt Sämi Bossart, Rohstoff-Experte der Man-Group. "Wir glauben, dass es zahlreiche Treiber gibt, die für einen anhaltenden Aufwärtstrend bei Gold sprechen."

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