Blockadedrohung Iran hält den Ölmarkt in Atem

Mit der Drohung, die für die weltweite Ölversorgung wichtige Straße von Hormus zu schließen, hat der Iran die Ölmärkte in Aufregung versetzt. Noch reagiert der Ölpreis kaum. Das könnte sich aber ändern - mit weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft.
Iranisches Manöver im persischen Golf: Die Sperrung der Straße von Hormus würde die weltweite Ölversorgung beeinträchtigen

Iranisches Manöver im persischen Golf: Die Sperrung der Straße von Hormus würde die weltweite Ölversorgung beeinträchtigen

Foto: REUTERS/ FARS NEWS

Hamburg - Der Ölpreis hat sich am Donnerstag etwas stabilisiert. Ein Fass (159 Liter) Brent kostete mit 107,61 Dollar, WTI mit 99,49 Dollar etwa so viel wie am Vorabend. Händler erklärten, die Sorge um Lieferengpässe im Sog des Streits zwischen dem Iran und dem Westen werde vorerst von unerwartet hohen US-Ölbeständen und dem Dollar-Anstieg aufgewogen.

"Im Moment belastet der starke Anstieg der US-Rohölvorräte und der schwache Euro", erklärte Ken Hasegawa, Derivatemanager beim Brokerhaus Newedge in Tokio. Ein hoher Dollarkurs macht generell Rohstoffe für Anleger im Nicht-Dollar-Raum unattraktiver. Händler erklärten, das überraschend deutliche Anschwellen der Ölbestände in den USA in der vergangenen Woche drücke zusätzlich auf die Preise.

Der Branchenverband API hatte am Vorabend überraschend einen Anstieg von 9,6 Millionen Barrel gemeldet. Die amtlichen Daten werden am Donnerstagnachmittag veröffentlicht. Unterstützt wurde der Ölpreis aber von Aussagen des iranischen Marinekommandeurs Admiral Habibollah Sajjari, wonach eine Blockade der Straße von Hormus leichter sei, als ein Glas Wasser zu trinken. Analysten bezweifeln allerdings, dass der Iran dies militärisch gegen den Widerstand der USA durchsetzen könnte.

Auf die vom Iran angedrohte Blockade haben die USA mit einer Warnung in Richtung Teheran reagiert. Eine Behinderung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus würde "nicht toleriert", sagte eine Sprecherin der 5. Flotte der US-Marine am Mittwoch. Die Marine sei "immer bereit, böswillige Aktionen zu kontern, um die Freiheit der Schifffahrt zu gewährleisten". Zuvor hatte der Iran damit gedroht, die Straße von Hormus angesichts einer möglichen weiteren Sanktionsrunde des Westens zu sperren.

Iran müsste Schiffe angreifen

Eine Sperrung der Straße von Hormus würde Teheran nach Auffassung von Admiral Sajjari vor keine größeren Probleme stellen. Die iranischen Streitkräfte hätten die Kontrolle über die Meerenge und könnten sie leicht schließen, sagte Sajjari dem staatlichen Fernsehsender Press TV am Mittwoch.

Die Straße von Hormus liegt zwischen dem Iran und Oman und ist eine bedeutende Schifffahrtsstraße zu den Ölhäfen Irans und der Golfstaaten. Durch die Wasserstraße am Persischen Golf wird rund ein Sechstel der weltweiten Öllieferungen transportiert. Bereits am Dienstag hatte der iranische Vizepräsident Mohammed Resa Rahimi mit der Schließung der Straße von Hormus gedroht, sollte der Westen seine Sanktionen auf iranische Ölexporte ausdehnen.

Um die Meeresenge zu schließen, müsste die iranische Marine die Wasserstraße verminen und einige passierende Schiffe direkt angreifen, sagte der Analyst am Militärinstitut für den Nahen Osten und die Golfregion in Dubai, Theodore Karasik. "Sie müssten fremdes Eigentum physisch angreifen. Jeder in der Region wird versuchen, sie zu stoppen", sagte Karasik.

Derzeit findet in internationalen Gewässern nahe der Straße von Hormus ein zehntägiges Manöver der iranischen Marine statt. An den Übungen sind seit Samstag auch U-Boote und Drohnen beteiligt. Zudem werden Raketen und Torpedos getestet.

Nach den Drohungen aus Teheran erklärten die Golfstaaten, sie könnten ausfallende iranische Öllieferungen auf dem Weltmarkt ersetzen. Sie seien vorbereitet, einen möglichen Verlust iranischen Öls auszugleichen, teilte ein ranghoher Vertreter des saudischen Ölministeriums am Dienstag mit.

Der Iran ist mit täglich rund vier Millionen Barrel Rohöl der zweitgrößte Produzent innerhalb der Organisation Erdölexportierender Staaten (OPEC). Die Umsätze aus dem Ölexport machen etwa 80 Prozent der Staatseinnahmen aus.

Nach Einschätzung der Londoner Zeitung "Times" stellt der Streit um die Straße von Hormus die größte Bedrohung für die britische Wirtschaft im kommenden Jahr dar. Es zu schließen, könnte die Weltwirtschaft drosseln, schreibt das Blatt. "Sorgen, dass der Iran die Versorgung blockieren könnte, haben die Ölpreise nach oben katapultiert. (...) Die Bedrohung durch ein Atomprogramm des Irans könnte kaum ernsthafter sein, und es ist äußerst wichtig, den Druck aufrecht zu erhalten." Aber der Westen müsse Taten vermeiden, die nur dazu führen, dass der Ölpreis steigt, ohne dass iranische Exporte eingeschränkt werden. "Das würde die Weltwirtschaft schädigen und gleichzeitig dazu führen, dass der Iran sein Atomprogramm finanzieren kann", so die Times.

cr/rtr/dpa/apd
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