Kunst und Geldanlage Das Museum als Steueroase

Kunstinvestment-Expertin Katja Liese vom Vermögensverwalter Feri erklärt, warum Alte Meister für alternde Unternehmer eine gute Geldanlage sind und wie reiche Familien damit Erbschaftssteuer sparen können.
"Bildnis des Dichters Zacharie Astruc" von Edouard Manet aus dem Jahr 1866

"Bildnis des Dichters Zacharie Astruc" von Edouard Manet aus dem Jahr 1866

Foto: DPA

mm: Frau Liese, eignen sich Gemälde von Rubens oder Paul Klee dazu, den Wert eines Vermögens zu erhalten?

Liese: Durchaus! Werke der klassischen Moderne sind ebenso wie Alte Meister sehr wertstabil. Das haben die jüngsten Auktionen in New York und London erneut gezeigt.

mm: Aber sie haben auch gezeigt, wie schwierig es ist, ein Kunstwerk wieder zu verkaufen. Bei den großen Auktionshäusern sind auch diesmal hunderte Objekte liegengeblieben. Viele Angebote fanden keinen Käufer.

Liese: Dabei war das Interesse wirklich groß. Kunst-Anleger sollten wissen: Eine Rückgabequote von 20 bis 30 Prozent ist bei Auktionen üblich. Das müssen sie als Kunstinvestor einkalkulieren. Kunst ist eben nicht so schnell handelbar wie Aktien oder Anleihen.

mm: Oder schrecken die jüngsten Skandale um gefälschte Jackson-Pollock-Bilder in den USA oder die 14 Bilder des deutschen Fälschers Wolfgang Beltracchi die Käufer ab?

Liese: Jedenfalls muss man feststellen: Der Skandal um die angeblich aus der Sammlung des Kölner Unternehmers Werner Jäger stammenden Fälschungen von Beltracchi hat einen Vertrauensverlust in Gutachter und Auktionshäuser verursacht.

mm: Sprechen diese Fälscher-Skandale nicht gegen das Investment in Werke verstorbener Künstler? Bei Zeitgenossen reicht oft ein Anruf beim Atelier, um die Echtheit eines Bildes zu klären.

Liese: Nein, das sehe ich anders. Alte Kunst hat oft eine sehr lange Provenienz. Diese Herkunftsgeschichte ist ganz entscheidend für den Wert von Kunst. Viel Häufiger häufiger ist ein Thema, ob die vorherigen Eigentümer enteignet wurden, in der Zeit des Nationalsozialismus. Bei antiken Stücken fordern außerdem immer öfter Herkunftsländer die Rückgabe ihres Kulturerbes. Diese Probleme gibt es in der Tat bei zeitgenössischer Kunst nicht.

mm: Ob neu oder alt, ein Nachteil besteht immer: Kunstwerke zu erwerben oder zu verkaufen ist sehr teuer.

Liese: Ja, mit Gebühren oder Provisionen zwischen 20 und 25 Prozent müssen sie beim Kauf schon kalkulieren.

mm: Angesichts solcher Kosten: Wie lange müssen Investoren Kunst denn halten, damit die Wertsteigerung diese hohen Transaktionskosten übersteigt und eine ordentliche Rendite übrig bleibt?

Liese: Mindestens zehn Jahre lang, eher für eine ganze Generation. Wir empfehlen würden unseren kunstinteressierten Kunden daher gernzum Beispiel raten, in einen Alten Meister zu investieren, und ihn den Nachkommen zu vererben.

mm: Dann haben sie ein weiteres Problem. Das sichere Lagern und Versichern von teuren Kunstgegenständen ist nicht einfach und ebenfalls sehr teuer, über solch lange Zeiträume.

Liese: Wenn sie ein Gemälde von Rubens oder Frans Hals erwerben, können sie es allerdings beispielsweise auch einem Museum zur Verfügung stellen. Das Museum hält das Bild in Stand, versichert es und stellt es aus, was den Wert steigert. Viele Kunden sind zudem stolz darauf, auf diese Weise etwas für ihre Heimatstadt tun zu können - denn viele Museen können sich solche Ankäufe heute allein nicht mehr leisten.

mm: Und der Besitzer spart die Erbschaftssteuer, wenn er einen Teil seines Vermögens in Form eines Bildes weitergibt.

Liese: Das Thema Erbschaftssteuer spielt eine große Rolle. Ich kann Kunst fast erbschaftssteuerfrei an die nächste Generation vererben, wenn ich sie für die Forschung nutzbar mache oder sie gar den geltenden Bestimmungen der Denkmalpflege unterstellen kann.öffentlich zugänglich mache.

mm: Würden sich Kunstinvestments ohne diesen Steuervorteil überhaupt lohnen, angesichts der hohen Kosten?

Liese: Die laufenden Kosten sind nicht zu unterschätzen - auch, weil ihnen keine laufenden Einnahmen Erträge aus der Kunst gegenüberstehen. Trotzdem kann die Wertsteigerung so hoch sein, dass eine Investition sich rentiert. Bei einigen Beispielen, die ich kenne, lag die jährliche Rendite im zweistelligen Prozentbereich.

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