Sonntag, 20. Oktober 2019

Geldanlage Investieren in Stromberg, Katjes und St. Pauli

Treue Fans: Die Anhänger des FC St. Pauli zeichneten die Anleihe des Clubs über sechs Millionen Euro binnen kurzer Zeit

Die Finanzmarktturbulenzen haben auch die Kurse vieler Anleihen mittelständischer Unternehmen unter Druck gesetzt. In der Folge locken dort nun teilweise reizvolle Renditen. Doch Vorsicht: Die Risiken dieses Anlagesegments sind nicht zu unterschätzen.

Hamburg - Der Finanzierungsmarkt mittelständischer Unternehmen ist immer wieder gut für Schlagzeilen. Ein Beispiel ist die Finanzierung des geplanten Kinofilms zur Fernsehserie "Stromberg", für die die Kölner Produktionsfirma Brainpool die Fans des skurrilen TV-Versicherungsmannes mit ins Boot holte. Mit insgesamt einer Million Euro konnten sich die Zuschauer an der Produktion beteiligen - um hinterher an der Kinokasse mitzukassieren. Schon nach einer Woche hatten kurz vor Weihnachten mehr als 3000 Investoren die siebenstellige Summe eingezahlt.

Auf große Nachfrage stieß auch die mit 6 Prozent verzinste Anleihe, die der Fußball-Zweitligist FC St. Pauli gerade am Markt unterbrachte. Sechs Millionen Euro von mehr als 4000 Fans des Kultclubs kamen binnen kurzer Zeit für den Umbau des Stadions und der Trainingsanlage zusammen. Weitere Zeichnungswillige müssen die Verantwortlichen derzeit vertrösten - eine Erhöhungsoption über zwei Millionen Euro soll aber in Kürze genutzt werden, teilt der Verein mit.

Solche prominenten Beispiele können allerdings leicht in die Irre führen: Tatsächlich macht der Markt für Mittelstandsanleihen derzeit eine schwierige Phase durch. Seit seiner Institutionalisierung 2010 an der Börse Stuttgart ("Bondm") und inzwischen an mehreren weiteren Börsenplätzen ist das Geschäft bereits auf ein Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro angewachsen. Derzeit gibt es jedoch kaum noch Neuemissionen und Investoren halten sich zurück.

Zurzeit kaum noch Neuemissionen

Wurden etwa in Bondm im ersten Halbjahr noch neun Anleihen emittiert, waren es im zweiten Halbjahr nur noch drei. Auch in Folge der allgemeinen Finanzmarktturbulenzen sind zudem die Kurse vieler laufender Papiere in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen.

"Nachdem das erste Halbjahr - hinsichtlich der Wirtschafts- und Finanzlage der europäischen Staaten - aus Sicht der Investoren noch weitestgehend stabil erschien, war die Emissionstätigkeit und auch die Investorennachfrage in den ersten sechs Monaten 2011 rege", sagt Christoph Hermes, Sprecher der Stuttgarter Börse. "Angesichts des unsicheren Marktumfeldes hielten sich Investoren insgesamt dann stark zurück, weshalb es für die Emittenten derzeitig schwierig ist, Anleihen erfolgreich zu platzieren."

Mehrere mittelständische Unternehmen haben daher laut Hermes entschieden, ihre Emissionspläne zu verschieben. "Auch wenn Air Berlin Ende Oktober eine Anleihe über 100 Millionen erfolgreich über Bondm platziert hat, so verliefen die jüngsten Emissionen über alle Börsensegmente hinweg eher schleppend", sagt er.

Ähnlich ist es an der Börse Düsseldorf, dem deutschlandweit drittgrößten Markt für Mittelstandsanleihen. "Wir hatten im zweiten Halbjahr nur noch vier Emissionen mit einem Gesamtvolumen von 85 Millionen Euro", sagt Börsensprecher Alexander Gallert. "Und lediglich der Bastei Lübbe Verlag konnte das angestrebte Volumen von 30 Millionen Euro vollständig platzieren. Die anderen waren unterzeichnet und werden nach wie vor offeriert."

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