Inflationsangst Flucht in den Wald

Die steigende Inflationsangst und der Sachwertboom rücken Waldinvestments in den Blick. Inland, Ausland, Kiefer, Eiche, Teak - die Auswahl, vor die vor allem Anbieter geschlossener Fonds den Anleger stellen, ist groß. Doch was bringt am meisten Rendite?
Flucht in Sachwerte: Aus Angst vor Inflation steckt mancher Investor sein Geld in Forstinvestments

Flucht in Sachwerte: Aus Angst vor Inflation steckt mancher Investor sein Geld in Forstinvestments

Foto: AP

Hamburg - Spätestens nach den beiden Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) in jüngster Zeit dürfte bei vielen Investoren erneut das gefürchtete I-Wort durch die Köpfe spuken: Inflation. Wohin mit dem Geld, ist dann die Frage. Welches Investment bietet zumindest teilweise Schutz vor der Geldentwertung?

Immobilien zum Beispiel werden gern als klassischer Sachwert und damit als vergleichsweise sicherer Hafen angesteuert. Doch nicht nur Wohnungen und Bürogebäude fallen unter diese Kategorie. Immobil sind auch Grundstücke, Ackerflächen und: Wälder.

Aber wie in Wald investieren? Und wo? Und in welches Holz? Das Spektrum an Anlagemöglichkeiten ist groß. Es gibt Makler, die ganze Waldstücke anbieten, und es gibt zahlreiche geschlossene Fonds, über die indirekt investiert werden kann. Darüber hinaus können Aktien von Forst- oder forstnahen Firmen erworben werden. Oder Zertifikate, die auf dieses Segment zugeschnitten sind.

Zudem stellt sich die Frage, wo auf der Welt investiert werden soll. Und in welche Baumart. Mischwälder in Rumänien, Teakholz in Vietnam, Kiefern in den USA - die Auswahl für den Anleger ist wiederum schier unbegrenzt.

100 Hektar Mischwald für eine Million Euro

Klar ist: Wer sich selbst ein Waldstück zulegen möchte, benötigt dafür das nötige Kleingeld - und die Zeit und Möglichkeiten, sich um die Bewirtschaftung zu kümmern. Der Spezialmakler Greif & Meyer zum Beispiel hat derzeit einige Objekte im Angebot. Etwa 100 ha (Hektar) Mischwald am Niederrhein, rund 25 Kilometer nördlich von Duisburg, sollen eine Million Euro kosten. In der Nähe von Remscheid sind 97 ha für 775.000 Euro zu haben.

"Für die Eigenbewirtschaftung sollte ein Wald nicht kleiner sein als eine Eigenjagd, also mindestens 75 ha", sagt Nils Weber, Geschäftsführer der Deutschen Forst Invest in München, die Fonds ausschließlich für institutionelle Investoren auflegt. "Sonst wird das Kosten/Ertragsverhältnis ungünstig und die Rendite stimmt nicht mehr."

Für kleinere Geldbeutel kommen daher vor allem Waldfonds in Frage. Der Nachteil: Bei der Flucht vor der Inflation bleibt häufig schon am Waldrand ein Teil des Geldes hängen, nämlich in Form vergleichsweise hoher Kosten und Gebühren, die für diese Anlageart typisch sind.

Darüber hinaus verfolgen die Initiatoren die unterschiedlichsten Anlagestrategien. Beispiel Nordcapital: Mit dem bereits zweiten Waldfonds investiert das Emissionshaus erneut in Rumänien, wo das Fondsportfolio soeben mit dem Erwerb von gut 5000 ha Mischwald komplettiert wurde.

Anleger bangen um Eigentum im Ausland

"In Rumänien stehen noch große für eine rentable Bewirtschaftung notwendige Flächen auf Grund der Re-Privatisierung des Waldbesitzes zur Verfügung", sagt Nordcapital-Geschäftsführer Florian Maack. "Außerdem liegen dort die Preise bei rund 4000 Euro je Hektar, in Deutschland oder Österreich werden 12.000 Euro für vergleichbare Wälder verlangt." In Rumänien, so Maack, bestehe damit ein hohes Wertsteigerungspotenzial.

Auch Aquila Capital hat schon in Rumänien investiert, ebenso wie in Chile und Brasilien. Nach Angaben von Fondskonzeptionär Carsten Herzog kommt es bei der Länderauswahl vor allem auf die klimatischen Bedingungen an, die zum Beispiel in Südamerika für die Forstwirtschaft gut seien. "Voraussetzung für ein Investment sind zudem die rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere hinsichtlich der Eigentumsverhältnisse, aber auch gesunde wirtschaftliche Rahmendaten", sagt er.

Als Partner hat Aquila die International Woodland Company (IWC) mit Sitz in Kopenhagen an ihrer Seite. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 3,1 Milliarden US-Dollar gilt IWC als europäischer Marktführer in der Beratung institutioneller Kunden bei Waldinvestments, so Herzog.

Auf einen starken Partner stützt sich eigenen Angaben zufolge auch das Emissionshaus Jäderberg & Cie.: Dem Fonds steht die australische TFS Gruppe zur Seite, "vorbildlich und mit Monopolstellung", wie Fondshauschef Peter Jäderberg gegenüber manager magazin Online mitteilt. Das Investment mutet extravagant an: Das Geld der Anleger fließt in indisches Sandelholz.

In den Tropen wachsen die Bäume schneller

Bei all den Offerten kann die Auswahl schwer fallen. Grundsätzlich gilt: Wer fernab, etwa in den Tropen investiert, nimmt möglicherweise größere Risiken in Kauf, zum Beispiel in Bezug auf Rechtssicherheit, Wechselkursschwankungen sowie die generelle Kontrolle über das Investment. Dabei muss allerdings differenziert werden. "Wir forsten zum Beispiel in Panama auf", sagt Michael van Allen, Sprecher von Forest Finance, einer Gesellschaft, die seit den neunziger Jahren Waldinvestments offeriert. "Historisch betrachtet ist dort die Eigentumssicherheit größer als in Deutschland." In afrikanischen und vielen südamerikanischen Ländern sei dagegen eher Vorsicht geboten.

Prinzipiell, so van Allen, seien die Unwägbarkeiten in tropischen Ländern zwar größer. Dafür verspreche das Investment dort jedoch auch höhere Renditen. "Das liegt vor allem daran, dass die Bäume in den Tropen deutlich schneller wachsen, als hierzulande", so der Fachmann. "Haben wir in Panama oder Vietnam eine Umtriebszeit von 12 bis 25 Jahren, so liegt diese in Europa bei 60 bis 140 Jahren, je nach Baumart." Zum Hintergrund: Mit Umtriebszeit bezeichnen die Fachleute die Dauer von der Pflanzung bis zur Nutzung durch Holzeinschlag.

Zu unterscheiden ist auch zwischen dem Investment in einen Plantagenanbau und jenem in einen bestehenden Wald, der auf lange Sicht bewirtschaftet wird. Beim Plantagenbau wird - vereinfacht gesagt - gesät, gewartet und dann abgeholzt. Die Folge für die Anleger: Es gibt keinen laufenden Cash Flow, die Rückflüsse erfolgen erst nach Jahren, dann allerdings - bei Erfolg - in größerer Summe.

"Im Unterschied dazu investieren wir ausschließlich in nachhaltige Dauermischwälder in Deutschland", sagt Deutsche-Forst-Invest-Geschäftsführer Weber. "Das hat den Vorteil, dass es laufende Rückflüsse gibt, die durch einen Zinseszinseffekt zusätzlich erhöht werden." Zudem, so Weber erweisen sich diese Wälder als stabiler gegenüber den drei großen Gefahren für jeden Forst: Brand, Sturm und Borkenkäfer. Auch dies wirke sich letztlich positiv auf die Rendite aus.

Krise am US-Forstmarkt

Bestimmt wird die Rendite bei Waldinvestments vor allem durch drei Faktoren: Die Erträge aus dem Holzeinschlag, aus dem Wachstum der Bäume und aus der Preisentwicklung des Grund und Bodens.

Was dabei herauskommt, kann durchaus schwanken. Das zeigt schon ein Blick auf die Entwicklung der Holzpreise in Deutschland, die vom Statistischen Bundesamt festgehalten werden. Ein Index, den das Amt 2005 auf 100 gesetzt hatte, stieg bis 2010 auf 138,2 Punkte. 1999 hatte er allerdings schon einmal die 120,5 erreicht.

Ein weiterer Indikator ist der NCREIF Timberland Returns Index, der die Renditen für Waldinvestments in den USA wiedergibt. Auch er unterliegt starken Schwankungen. Bis 2007 lagen die Renditen dort noch zumeist in einem komfortablen, positiven Bereich. Mit dem Platzen der Subprime-Immobilienblase jedoch kippte der Holzmarkt, die Renditen notierten seither in zahlreichen Quartalen im Minus. Der Hintergrund: In den USA werden Wohnhäuser häufig aus Holz gebaut - die ausbleibende Nachfrage von dieser Seite trifft die Waldinvestoren empfindlich.

Geringe Bautätigkeit in den USA drückt auf den Markt

Ein Problem könnte das für den Kölner Initiator Jamestown werden, den deutschen Marktführer für US-Immobilienfonds, der mit seinen Waldfonds ebenfalls in den USA investiert. Derzeit hat Jamestown den Fonds "Timber 2" im Angebot. Ganz so rege, wie es sich das Management vorgestellt hat, ist die Nachfrage bislang allerdings nicht: Von den angestrebten bis zu 150 Millionen Dollar Eigenkapital sind in den ersten Monaten der Platzierung erst 20 Millionen zusammengekommen. Für einen Vorgängerfonds wurden knapp 60 Millionen Dollar bereits vollständig in vier Forstgrundstücke investiert.

"Die USA verfügen in Bezug auf die wirtschaftliche Nutzung über den größten Forstmarkt der Welt", argumentiert Jamestown-Geschäftsführer Jochen Stockdreher gegenüber manager magazin Online. "Und sie sind bei Kapitalanlagen in Wald das größte Investitionsland weltweit."

Mit der Firma Schulenburg Consulting, die seit Jahren im US-Forstgeschäft aktiv ist, hat sich Jamestown zum Start des neuen Geschäftsfeldes laut Stockdreher die notwendige Expertise ins Boot geholt. Auch der Jamestown-Geschäftsführer verweist zudem auf die auf lange Sicht höheren Renditen in den USA im Vergleich zum hiesigen Markt.

Bevor diese Renditen allerdings wieder auf historisches Durchschnittsniveau ansteigen können, das räumt mit Blick auf den NCREIF-Index auch Stockdreher ein, muss sich wohl zunächst der US-Häusermarkt erholen. "Noch gibt es viele Leerstände und wenige Neubauten", sagt der Jamestown-Geschäftsführer. "Sobald die Nachfrage nach Wohnraum wieder zunimmt, wird jedoch auch die Bautätigkeit wieder anziehen. Dann ist mit einem Anstieg der Holzpreise zu rechnen." Schließlich, so der Fondsexperte, wachse die US-Bevölkerung stetig, die Nachfrage nach Wohnraum steige also per se laufend.

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