Goldförderung Schwemmgold statt Hardrock

Gold gilt in der Krise als letzte Bastion der Investoren. Da es immer schwerer wird, das Edelmetall der Erde zu entreißen, erinnert man sich alter Methoden der Goldsuche: Statt immer tiefer in die Erde zu bohren, blicken nicht nur Romantiker und Glücksritter auf Gold in Flussläufen.
Von Arne Gottschalck
Alte Technik, neue Hoffnung: Schwemmgold oder alluviales Gold wird herausgerüttelt

Alte Technik, neue Hoffnung: Schwemmgold oder alluviales Gold wird herausgerüttelt

Hamburg - In trockenen Worten wird von Sachwerten und deren Bedeutung gesprochen. Vor allem die Angst vor Inflation ist es, die das Verlangen nach Sachwerten verstärken, heißt es in einer Studie der Steinbeis-Hochschule. Sachwerte, das sind vor allem Immobilien - aber eben auch Gold. So messen 90 Prozent der befragten Privatanleger der Immobilie Sachwertcharakter zu, 80 Prozent dem Edelmetall.

In den vergangenen zehn Jahren lagen die Investoren mit dieser Einschätzung richtig. Denn während der Dax  in diesem Zeitraum stagnierte, versiebenfachte sich der Wert des Edelmetalls. Und so könnte es weitergehen, so die Studie. Denn Krisen befeuern die Kauflaune für Sachwerte.

Allein vom dritten Quartal 2010 bis zum 3. Quartal 2011 um 39 Prozent stieg der Goldpreis um 39 Prozent, berechnet Edmond de Rothschild Asset Management. Goldene Bedingungen also für jene Unternehmen, die nach Gold suchen und es fördern. Das sind die großen, die bekannten Namen wie Anglogold Ashanti oder Barrick Gold .

Sie reißen das Gold tief aus der Erde - "Hardrock" nennt es sich, wenn dazu schweres Gerät aufgefahren wird. Dieser mühsame und teuere Weg ist notwendig, weil das Gold immer schwieriger zu finden und zu fördern ist. Philip Klapwijk, Rohstoffexperte und oberster Analyst des Beratungshauses GFMS fragt sich, ob es überhaupt noch einen Großfund geben wird, wie in der Vergangenheit üblich.

Immer tiefer in die Erde - oder günstiger fördern und Schwemmgold suchen

Inzwischen hat sich die Mponeng Mine südlich von Johannesburg 4000 Meter tief ins Gestein gefressen. Jeder Meter muss gefräst, gesprengt, abgetragen werden. Und die Mine soll noch tiefer getrieben werden. Kein Wunder, dass die Kosten für die Goldförderung immer weiter steigen. Und nicht nur die geologischen Probleme nehmen zu, auch die geografischen. Denn weil die Vorkommen in den zugänglichen Regionen weitestgehend erschöpft sind, müssen die Unternehmen in politisch tendenziell instabile Länder ausweichen.

Was liegt also näher, als Gold günstiger zu fördern. Und das ist möglich, meint Werner Ullmann, Präsident von Placer Gold. Alluviales Gold ist es, was er sucht.

Alluviales Gold ist Schwemmgold, Edelmetall also, das sich in Flussläufen abgelagert hat. Mit vergleichweise geringem technischen Aufwand kann das Gold aus dem Gestein gerüttelt werden. "Der Charme dieser Förderung liegt daher darin, dass die Förderkosten weitaus geringer sind als bei dem 'hard rock mining'", sagt er im Gespräch mit manager-magazin.de.

"Bei uns liegen die Kosten bei 400 bis 500 Dollar je Feinunze, in der Hard-Rock-Industrie bei 1000 bis 1200 Dollar. Und dort dauert es von der Exploration bis hin zur Ausbeutung sieben bis zehn Jahre, bei uns ein bis drei Jahre."

Sind günstige Methoden auch gute Methoden?

Das sehen auch andere Experten so. "Richtig ist, dass sich alluviales Gold mit einem geringeren Aufwand fördern lässt als das im Gestein enthaltene Gold. Der Aufwand an Maschinen und Chemikalien ist beispielsweise sehr gering", nickt Matthias Wichmann, Rohstoffanalyst bei VCH. Das Unternehmen bietet einen Rohstofffonds an. Doch er hat auch einiges zu beanstanden.

"Allerdings sind aufgrund des hohen Bedarfs an Arbeitskraft die Lohnkosten dementsprechend höher, sodass diese Art der Goldförderung nur in Ländern mit geringen Lohnkosten ökonomisch sinnvoll ist. Zudem sind die Vorkommen in aller Regel sehr kleinteilig. Daher lassen sie sich von Unternehmen meist nicht wirtschaftlich erschließen und ist für Unternehmen kaum rentabel und damit zu vernachlässigen." Die Wissenschaft hat Daumenwerte dafür entwickelt. "Wenn Sie nicht nur auf Gold aus sind, sondern eigentlich ein anderen Rohstoff abbauen wollen, zum Beispiel Kies, sollten Sie 10 Milligramm pro Tonne Kies finden", sagt Harald Elsner von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe.

Das kann Herman Wotruba bestätigen. Er ist Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH Aachen) und betreibt bei Rheinzabern ein Produktionsanlage. "Die meisten Kieswerke in Deutschland könnten Gold in geringer Menge nebenbei gewinnen", erklärt er. "Durchschnittlich sind aber nur wenige Kilogramm pro Jahr pro Kieswerk erzielbar, was kaum die Kosten für Installation und Betrieb trägt. Deshalb muss die Goldgewinnung aus alluvialen Lagerstätten in Deutschland eher als Liebhaberei denn als ernsthafte wirtschaftliche Aktivität angesehen werden. In vielen anderen (nicht europäischen) Ländern ist der Abbau von alluvialen Goldlagerstätten eine profitable Sache."

1 Gramm je Tonne sollte es schon sein

Elsner ergänzt: "Suchen Sie nur nach Gold, dann sollten es 1 Gramm je Tonne sein - als ganz grobe Daumenregel." Außerdem muss zuvor nach dem Gold gesucht werden. "Das ist eigentlich keine Zauberei", sagt Elsner. "Man orientiert sich an Festgoldvorkommen. Denn die werden ja ausgewaschen, so dass das Schwemmgold immer in deren Nähe zu finden ist. Doch es gibt nicht mehr viele Vorkommen von Seifengold, so wird das Schwemmgold auch genannt. In der Mongolei oder in Neuseeland zum Beispiel. Das liegt eben auch daran, dass es einfach zu fördern ist und viele Vorkommen erschöpft sind."

Ullmann sieht das naturgemäß anders. "Wenn Sie Ihre Analysen in mineralisierten Regionen sorgfältig durchführen, dann finden Sie wahrscheinlich ausreichend ökonomische Goldvorkommen. Dabei müssen Sie aber viele geologische Faktoren berücksichtigen, zum Beispiel sauber den Lauf eines ausgetrockneten Flussbetts nachverfolgen. Es mag überraschend klingen, aber das kann nicht jeder, genau dieses Wissen ist rar und wird auch an den Universitäten nicht gelehrt." Entsprechend selbstbewusst plant Ullmann, sein Unternehmen solle vierteljährlich eine Dividende ausschütten. Eine goldene Nische? Zumindest wittern auch andere ihre Chance.

"Das sind kleinere Explorer, welche in bisher geologisch noch nicht hinreichend untersuchten Regionen beziehungsweise Ländern neue Goldvorkommen finden", beobachtet Analyst Wichmann. "Dort sind beispielsweise Regionen in Tansania, Kolumbien oder Brasilien zu beachten. Auf der anderen Seite treten Unternehmen auf den Markt, welche zu Zeiten niedriger Goldpreise vor allem in Kanada stillgelegte Minen gekauft haben und, durch den hohen Goldpreis angetrieben, diese modernisieren und wieder in Produktion gehen."

Ullmann selbst rechnet sich Chancen auch wegen des stetig wachsenden Interesses an nachhaltigen Anlagen aus. "Anders als die Hard-Rock-Industrie gibt es beim alluvialen Gold keinen Einsatz von gesundheitsschädlichem Zyanid, um das Gold vom Gestein zu scheiden". Im Börsenkurs vom Placer Gold hat sich die Erkenntnis noch nicht niedergeschlagen. Beruhigend für Ullmann - das gilt auch für Anglogold Ashanti.

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