Montag, 23. September 2019

Bondmarkt  Italien schreckt Anleger ab

Unter Druck: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi steht wegen der desolaten Finanzlage des Landes heftig in der Kritik

Das hochverschuldete Euro-Land Italien gerät an den Finanzmärkten immer stärker unter Druck. Zu Wochenbeginn stieg die Rendite für zehnjährige Staatsanleihen erstmals seit Jahren über die Marke von 6,5 Prozent. Auch die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) klettern weiter.

Rom/Frankfurt am Main - Am Montagvormittag kletterte die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen kräftig um rund einen viertel Prozentpunkt auf bis zu 6,638 Prozent, den höchsten Stand seit 1997. Der Risikoaufschlag zu deutschen Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit stieg damit auf einen Rekordwert von etwa 4,78 Prozentpunkten.

Hohe Renditen und Risikoaufschläge gelten als Zeichen eines großen Misstrauens der Investoren.

Dieses Misstrauen gegenüber Italiens Finanzkraft macht sich auch auf dem CDS-Markt bemerkbar: Die Kosten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets italienischer Staatsanleihen per Credit Default Swap (CDS) verteuerte sich um 30.000 auf 520.000 Euro, teilte der Datenanbieter Markit mit. Parallel dazu stiegen auch die Prämien für das ebenfalls hoch verschuldete Spanien , sie zogen um 12.000 auf 399.000 Euro an.

Die Aussicht auf eine Übergangsregierung in Athen sorgte unterdessen für leichte Entspannung bei griechischen CDS. So forderten die Emittenten zur Absicherung eines zehn Millionen Euro schweren Pakets griechischer Anleihen von den Versicherungsnehmern nur noch eine Bar-Anzahlung von 5,8 Millionen Euro, 100.000 Euro weniger als am Freitag. Derartige Auftakt-Zahlungen werden üblicherweise nur bei CDS für Verbindlichkeiten von Staaten verlangt, die als am Rande der Zahlungsunfähigkeit stehend betrachtet werden.

Italien drückt auch die Aktienmärkte ins Minus

Auch die Aktienmärkte zeigten sich nervös. Europaweit verbuchten die Börsen Verluste - der italienische Leitindex rutschte in der Spitze um 2,7 Prozent ab, der Dax Börsen-Chart zeigen gab um bis zu 2,2 Prozent auf 5835 Zähler nach. Die Rendite zehnjähriger italienischer Papiere lag mit 6,59 Prozent auf dem höchsten Stand seit 1997.

Der Fokus liege heute klar auf Italien, sagte ein Händler. Die entscheidende Frage sei, ob sich Ministerpräsident Berlusconi im Amt halten könne oder nicht. Am Dienstag steht eine Parlamentsabstimmung über die öffentlichen Finanzen an, über deren Ausgang die Regierung von Berlusconi stürzen könnte.

Der Volatilitätsindex VStoxx , ein Barometer für die Nervosität der Anleger in Europa, kletterte auf ein Zwei-Wochen-Hoch. Der VStoxx wird auf Basis der Verkaufs- und Kaufoptionen auf die EuroStoxx 50 Börsen-Chart zeigen vertretenen Werte berechnet. Der europäische Leitindex verlor bis zu 2,6 Prozent.

Italien steht derzeit vor allem wegen politischer Probleme im Fokus. So schwindet die Regierungsmehrheit von Ministerpräsident Silvio Berlusconi im Parlament immer mehr. Darüber hinaus steigt der Druck auf das drittgrößte Euro-Land zur Umsetzung wichtiger Spar- und Reformmaßnahmen. Am Wochenende hatte Luxemburgs Notenbankchef Yves Mersch in einem Interview betont, die Europäische Zentralbank (EZB) könne den Kauf italienischer Staatsanleihen jederzeit einstellen, sollten die Bedingungen nicht mehr erfüllt sein.

Die EZB, in dessen geldpolitischem Rat Mersch vertreten ist, hatte im Spätsommer mit dem Kauf italienischer und spanischer Staatstitel begonnen, nachdem die Risikoaufschläge für diese Papiere immer stärker gestiegen waren.

cr/dpa-afx

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