Geschlossene Fonds "Zurück zu alter Stärke"

Der US-Investor AMA Capital Partners steigt beim börsennotierten Fondsemissionshaus Lloyd Fonds in Hamburg ein. Auf den ersten Blick heißt das: Er investiert in ein schwächelndes Unternehmen in einem kriselnden Markt. AMA-Chef Paul Leand erklärt, warum er das anders sieht.
Riesen-Containerfrachter in Hamburg: Schiffsbeteiligungen zählten früher zu den beliebten Anlageformen - derzeit sind sie kaum gefragt

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Foto: Axel Heimken/ APN

mm: Herr Leand, das Geschäft mit geschlossenen Fonds in Deutschland steckt seit nunmehr drei Jahren offensichtlich in der Krise. Warum investieren Sie ausgerechnet jetzt in diesen Markt?

Leand: AMA hat das Geschehen am KG-Markt bereits 15 Jahre lang begleitet und daran teilgehabt. Geschlossene Fonds in der Rechtsform der Kommanditgesellschaft spielten in den vergangenen Jahrzehnten am deutschen Finanzmarkt eine bedeutende Rolle. Seit den neunziger Jahren haben sie deutschen Unternehmen etwa 200 Milliarden Euro an Kapital zur Verfügung gestellt. AMA ist überzeugt, dass der KG-Markt seine wichtige Funktion für die deutsche Wirtschaft auch künftig ausfüllen wird. Lloyd Fonds wird ein wichtiger Player am KG-Markt bleiben und wir sind erfreut über die Gelegenheit, eine Partnerschaft mit einem der führenden Emissionshäuser in Deutschland eingehen zu können.

mm: Glauben Sie denn, der Markt wird zu einem Volumen von zehn Milliarden Euro eingesammelten Eigenkapitals und mehr zurückkehren, wie er es vor der Krise erreicht hat?

Leand: Das Investment von AMA basiert nicht auf der Annahme einer Rückkehr zu zu Vor-Krisen-Levels. Solche Vorhersagen sind zwar immer schwierig, AMA vertritt aber grundsätzlich die Ansicht, dass der deutsche Markt für geschlossene Fonds in den nächsten Jahren nicht wieder ein Niveau von zehn Milliarden Euro pro Jahr erreichen wird. Wir glauben jedoch, dass das KG-Finanzierungssystem die derzeitigen Herausforderungen des Marktumfeldes überwinden und zu früherer Stärke zurückfinden wird.

mm: Es gibt Immobilienfonds, Schiffsfonds, Neue-Energien-Fonds und andere - welche Beteiligungstypen haben Ihrer Ansicht nach in nächster Zeit die besten Chancen?

Leand: Lloyd Fonds ist in einer Reihe von Assetklassen mit exzellenten Wachstumsaussichten aktiv. Darunter befinden sich die traditionell starken Immobilienfonds ebenso wie attraktive Flugzeugfonds und Energie-Beteiligungen. Angesichts der Expertise von AMA und Lloyd Fonds im maritimen Bereich werden auch Schiffsbeteiligungen einen bedeutenden Anteil an der künftigen Strategie des Fondhauses haben.

mm: Die Firma Lloyd Fonds, an der Sie sich mit bis zu 49,9 Prozent beteiligen wollen, hat allerdings offensichtlich schon bessere Zeiten gesehen. In den Jahren 2008 und 2009 machte sie herbe Verluste, im vergangenen Jahr blieb lediglich ein mäßiger Gewinn. Weshalb investieren Sie ausgerechnet in dieses Unternehmen?

Leand: Der deutsche KG-Markt stand in den vergangenen Jahren nicht als einziger vor Herausforderungen, und Lloyd Fonds hat zweifellos unter dem allgemeinen Marktabschwung gelitten. Dennoch glaubt AMA an das Potenzial des KG-Marktes. Wir betrachten Lloyd Fonds als idealen Partner für ein Investment in dieses Geschäft. AMA und Lloyd Fonds sind schon lange in der Schifffahrt aktiv. Wir kennen das Emissionshaus seit vielen Jahren und haben während dieser Zeit eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut. Herr Teichert, der Vorstandschef von Lloyd Fonds, hat ein starkes und erfahrenes Managementteam zusammengestellt.

mm: Welche weiteren Pläne verfolgen Sie mit dem Einstieg bei Lloyd Fonds? Ist eine komplette Übernahme denkbar?

Leand: Unser Ziel ist es, das Unternehmen und sein Management zu unterstützen. Nach drei Jahren der Restrukturierung sollte Lloyd Fonds mit der bevorstehenden Kapitalerhöhung wieder in die Offensive gehen können. Dazu gehört die Stärkung des Kerngeschäftes mit geschlossenen Fonds sowie die Entwicklung neuer Geschäftsideen. So wird Lloyd Fonds eine aktive Rolle bei der Konsolidierung des Beteiligungsmarktes spielen, insbesondere im Bereich des Treuhandgeschäfts sowie des Fondsmanagements.

mm: Wie sehr werden Sie sich in die operative Arbeit des Managements einmischen?

Leand: Unserer Ansicht nach wird Lloyd Fonds von einem erstklassigen Team geführt. Wir vertrauen vollkommen darauf, dass Herr Teichert und seine Mannschaft erfolgreich eine nachhaltige Wachstumsstrategie für das Unternehmen umsetzen können. Wir werden zwar keine Rolle im operativen Management übernehmen, es ist jedoch geplant, dass AMA drei der sechs Aufsichtsräte von Lloyd Fonds stellen wird.

mm: Insbesondere die Schiffsfonds, mit denen Lloyd Fonds in der Vergangenheit großen Erfolg hatte, sind inzwischen ziemlich unbeliebt geworden. Ist das nicht ein Problem für die Zukunft des Unternehmens?

Leand: Wenn man auf die vergangenen Jahrzehnte zurückblickt, hat sich das Schifffahrtsgeschäft immer zyklisch entwickelt. Obwohl die Schiffsmärkte in den vergangenen Jahren einen Abschwung erlebt haben, zeigt die Erfahrung, dass es auch wieder bergauf gehen wird. AMA ist überzeugt davon, dass KG-Schiffsfonds wieder populärer werden, und dass auch Lloyd Fonds wieder zu alter Stärke zurückfindet.

mm: Haben Sie weitere Investitionsspläne auf dem deutschen Beteiligungsmarkt?

Leand: Sollten wir uns entscheiden, unser Engagement auf dem Markt auszudehnen, werden wir weitere Investments über Lloyd Fonds vornehmen.