Spekulationsverbot US-Behörde will Rohstoffhandel regulieren

Die USA wollen auf den Rohstoffmärkten durchgreifen und Spekulationsgeschäfte einschränken. Gegen großen Widerstand im eigenen Land wollen sie damit den G20-Staaten ein Beispiel liefern. Spekulanten stehen in Verdacht, die Rohstoffpreise zu treiben.
Weizenernte: Künftig nur noch ein Terminkontrakt pro Händler

Weizenernte: Künftig nur noch ein Terminkontrakt pro Händler

Foto: PASCAL ROSSIGNOL/ REUTERS

Washington - Die für den Derivatehandel zuständige Börsenaufsicht CFTC verabschiedete am Dienstag nach langer und kontroverser Debatte einen Entwurf zur Regulierung des Handels mit Öl, Metallen und Getreide, der die Spielregeln des milliardenschweren Geschäfts grundlegend verändern würde.

Kernpunkt ist der umstrittene Vorschlag, die Zahl der von einem Händler gehaltenen Kontrakte zu begrenzen. CFTC-Chef Gary Gensler verspricht sich davon eine Beruhigung der Preisentwicklung. Weite Teile der Branche wollen sich solche Fesseln aber nicht anlegen lassen und warnen davor, dass Investitionen dann nach Übersee auf weniger streng regulierte Märkte abwandern.

Aus Sicht der Befürworter härterer Vorgaben tragen Spekulanten viel zur Verteuerung von Rohöl oder anderen Rohstoffen bei und erhöhen damit die Kosten von Industrie und Verbrauchern: "Wir haben die Verantwortung und müssen sicherstellen, dass der Ölpreis nicht länger von denselben Spekulanten nach oben getrieben wird, die die verheerende Rezession ausgelöst haben, in der unsere Arbeiterfamilien nun stecken", wettert beispielsweise der parteiunabhängige Senator Bernie Sanders.

Die Kritiker halten einen solchen Kampf gegen die Kräfte des Marktes für unsinnig: "Die Zahl der Kontrakte zu begrenzen, ist wie das Verbot von Leerverkäufen", sagt Remco Lenterman von der niederländischen IMC Trading. "Man versucht die Preise zu beeinflussen, weil sie einem zu hoch erscheinen. Es gibt unendlich viele Belege dafür, dass das kontraproduktiv ist."

Auftakt zum G20-Gipfel in Cannes

Die CFTC hat Monate damit verbracht, einen Zusammenhang zwischen spekulativen Geschäften und einem Anstieg der Preise nachzuweisen. Die Zahl der Studien dazu von Aufsichtsbehörden auch in Europa oder Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds sowie aus der Branche ist groß, ohne dass ihr Ergebnis auf einen Nenner zu bringen wäre. CFTC-Chef Gensler hatte jedoch die Mehrheit von drei Stimmen in der fünfköpfigen Kommission zusammen, die die Einführung der sogenannten "Position Limits" beschloss.

Der Entwurf ist Teil der Umsetzung des Dodd-Frank-Gesetzes, mit dem die USA die Lehren aus der Finanzkrise ziehen wollen. Auch die Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) hat eine Regulierung der Rohstoffmärkte auf der Agenda. Anfang November sollen beim Gipfeltreffen in Cannes nicht nur Vorgaben für eine größere Transparenz des Handels beschlossen werden, sondern auch ein Rahmenentwurf für eine bessere Aufsicht.

Die in den USA vorgeschlagenen Einschränkungen würden eine jahrhundertealte Praxis beenden. Banken wie Morgan Stanley  und Agrarhändler wie Cargill wären gezwungen, einen wichtigen Geschäftszweig zurückzufahren. Auch der Zufluss von Investorenkapital und das Engagement von Hedgefonds ließen nach. Andererseits hoffen Luftfahrtgesellschaften und Landwirtschaft auf einen besseren Schutz vor einer Erhöhung ihrer Kosten. Eine Absicherung (Hedging) gegen die steigenden Preise sei zuletzt kaum noch möglich gewesen, sagen sie. Entwicklungshelfer und Ernährungslobbyisten werfen den Spekulanten seit langem vor, Hunger und Not in der Welt zu vergrößern.

ak/rtr
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.