Investorenkonferenz Hedgefondsstar Paulson unter Druck

John Paulson wurde durch seine erfolgreichen Wetten auf ein Platzen der US-Immobilienblase zur Ikone der Hedgefondsszene. Seither lief es für den Investmentprofi allerdings weit weniger erfreulich. Am heutigen Dienstag muss er sich dafür gegenüber seinen Investoren rechtfertigen.
In Erklärungsnot: Hedgefondsmanager Paulson verbuchte zuletzt vor allem Verluste

In Erklärungsnot: Hedgefondsmanager Paulson verbuchte zuletzt vor allem Verluste

Foto: © Chip East / Reuters

Boston/New York - Der prominente US-Hedgefonds-Manager John Paulson gerät nach den massiven Verlusten seiner Anlagen zunehmend ins Visier der Investoren. Der einst als Megastar der Branche gefeierte Paulson muss sich am Dienstag den Fragen seiner Investoren stellen, die über den jüngsten Geschäftsverlauf alles andere als erfreut sein dürften: In diesem Jahr büßte einer von Paulsons größten Fonds nahezu 50 Prozent an Wert ein.

Der Geldmanager hatte seinen Anlegern in der Vergangenheit mit Wetten auf ein Platzen der US-Immobilienblase zu hohen Gewinnen verholfen - und sich selbst zu stattlichen Einnahmen und vor allem Ruhm in der Branche.

"Er wird total fertiggemacht", sagte nun aber der auf Hedgefonds spezialisierte Wirtschaftsprofessor Jim Liew mit Blick auf die geplante Telefonkonferenz mit Paulsons Anlegern. Viele Investoren stünden derzeit vor der Frage, ob sie ihr Geld von Paulsons Fonds abziehen sollen. Doch ob Paulsons wohlhabende Fangemeinde tatsächlich das Weite sucht und dem Manager zum Jahresende Milliarden Dollar aus der Hand nimmt, ist noch ungewiss: Bei seinen beiden größten Fonds, dem Paulson Advantage und dem Paulson Advantage Plus, haben die Anleger noch bis Ende Oktober, um die Auszahlung ihrer Anlagen zu beantragen.

Doch durch frühzeitige Auszahlungen und Investitionsverluste ist Paulsons Gesamtportfolio in diesem Jahr auf 30 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Das ist zwar immer noch stattlich, doch vom Höchststand der 38 Milliarden Dollar in der Hand des Starinvestors weit entfernt. Viele an der Wall Street glauben, dass dieser Trend anhält und Paulsons Portfolio in den kommenden Monaten dramatisch zusammenfallen könnte. Auf frisches Kapital kann er in diesem Jahr nach Einschätzung von Branchenkennern auch nicht zählen.

Bei der Telefonkonferenz wird Paulson Beobachtern zufolge auch erklären müssen, wie viel Geld er persönlich in den Börsenturbulenzen der vergangenen Wochen verloren hat. Im vergangenen Jahr hatte er noch mit einem Verdienst von fünf Milliarden Dollar seinen eigenen Rekord gebrochen. Doch die Branche treibt vor allem auch die Frage um, ob Paulsons Glückssträhne nach den Erfolgen in der Immobilien- und Finanzkrise schlicht und einfach zu Ende gegangen ist. Oder ob der Fondsmanager auch in der gegenwärtigen Krise mit einer brauchbaren Strategie aufwarten kann und es ohnehin nur einen Ausweg gibt: nach oben. Ein Sprecher Paulsons lehnte eine Stellungnahme im Vorfeld der Telefonkonferenz ab.

cr/rtr
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