Mittwoch, 18. September 2019

Diamanten Krisenwährung mit Tücken

Diamanten: Der Zauber der Hochkaräter
REUTERS

2. Teil: "Glück und Segen"- und ein Händedruck

Aber selbst in echte Diamanten in Spitzenqualität würde Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, kein Geld investieren. "Diamanten sind Luxusgüter. Das heißt: In der Krise verlieren sie an Wert." Somit wären Diamanten als Wertsicherung für schlechte Zeiten keine gute Wahl. Weinberg erwartet aktuell einen Wertverlust.

Nur in guten Zeiten könne man etwas Geld in Diamanten stecken. Dann sollte man aber nicht auf schnelle Gewinne aus sein. Auch weil beim Kauf von Diamanten - anders als bei Gold - 19 Prozent Mehrwertsteuer anfallen. Diese 19 Prozent Wertsteigerung müssen dann erst mal wieder eingespielt werden. Hinzu kommen die oft stolzen Margen der Händler.

Weinberg hat noch mehr Gründe skeptisch zu bleiben: "Der Markt ist illiquide. Es ist unmöglich mit kleinen Summen einzusteigen und die Preisunterschiede können von Händler zu Händler enorm sein." Außerdem sei die Preisgestaltung intransparent.

Die Kritik der externen Beobachter ist nachvollziehbar: Immerhin sind ein Händedruck und die Worte "Mazal u Bracha" (Glück und Segen) alles, was traditionell einen Handel besiegelt. Inzwischen gibt es immerhin meistens noch eine Rechnung dazu.

Ein sehr persönliches Geschäft

Man darf sich den Alltag an einer Diamantenbörse also nicht vorstellen wie auf dem Börsenparkett in Frankfurt. Auch auf dem Aktienparkett sind nur noch wenige Menschen anzutreffen - aber Aktien werden über den Computer gehandelt, während es an der Diamantenbörse ein persönliches Geschäft zweier Händler ist.

Die Händler treffen sich - meistens zu zweit - zum vertraulichen Gespräch im Büro, um die Ware in Ruhe zu begutachten. Ob ein Geschäft abgeschlossen wird, hängt zum großen Teil davon ab, ob sich beide vertrauen. Einsteiger habe es schwer.

Wer trotzdem Diamanten kaufen will, sollte darauf achten, dass sie - zusammen mit anderen physischen Anlagen wie Gold, Immobilien, Kunst oder Antiquitäten - nicht mehr als 20 Prozent des Portfolios ausmachen. Und wer sie in der Tasche mit sich herumträgt, sollte gut darauf achtgeben. Außerhalb einer Diamantenbörse werden selbst minderwertige Steine wahrscheinlich nicht wieder im Fundbüro auftauchen.

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