Neuer Höchstpreis China und Indien heizen Goldmarkt an

Angesichts der Börsenturbulenzen ist der Goldpreis erstmals über 1880 Dollar je Unze gestiegen. Aktuelle Marktzahlen lassen einen weiteren Anstieg erwarten. Denn die Nachfrage ist weiter gewaltig - in der westlichen Welt, vor allem aber in den Schwellenländern.
Staunende Chinesen: China ist neben Indien einer der beiden größten Nachfrager auf dem Welt-Goldmarkt

Staunende Chinesen: China ist neben Indien einer der beiden größten Nachfrager auf dem Welt-Goldmarkt

Foto: DPA

Hamburg - In der Wirtschafts- und Finanzwelt scheint derzeit vieles unsicher, nur eines nicht: Gold. Das ist wohl zumindest die Ansicht vieler Investoren und Käufer des Edelmetalls. Anders ist der Höhenflug kaum zu erklären. Am Freitag übersprang der Goldpreis erstmals die Marke von 1880 Dollar je Feinunze (etwa 31 Gramm). In der Spitze kostete eine Unze 1881 US-Dollar (Stand Freitagnachmittag). Damit wurde das Rekordhoch vom Vortag bei knapp 1830 Dollar deutlich übertroffen. Allein in der laufenden Woche hat der Goldpreis um etwa 140 Dollar zugelegt.

Ein wesentlicher Grund für die starke Goldnachfrage ist Beobachtern zufolge die Verunsicherung an den internationalen Börsen. Am Donnerstag waren die Aktienkurse weltweit abermals eingebrochen. Allein der deutsche Leitindex Dax  verlor beinahe 6 Prozent und verzeichnete den höchsten Tagesverlust seit 2008. Am heutigen Freitag setzt sich der Kursrutsch fort, der Dax notiert wieder tief im roten Bereich.

Die Sorgen unter den Anlegern sind offenbar groß: Wie endet die Euro-Schuldenkrise? Was wird aus der Konjunktur in Europa und vor allem in den USA, wo die letzten Konjunkturdaten am Donnerstag erneut Befürchtungen nährten? Und schließlich: Gelingt es den Schwellenländern, trotz der Schwäche des Westens auf ihrem Wachstumspfad zu bleiben? Viele von ihnen haben schließlich bereits mit erheblichen Inflationsproblemen zu kämpfen.

Den Goldpreis beflügeln all diese Bedenken. Vor allem Inflationssorgen sowie tatsächliche Entwicklungen in diese Richtung sorgen stets für Auftrieb. Dass dies auch diesmal der Fall ist, zeigen aktuelle Zahlen des World Gold Council (WGC), einer internationalen Organisation der Goldindustrie, zur Nachfrageentwicklung im zweiten Quartal 2011.

China und Indien bleiben die größten Nachfrager

Die gesamte Nachfrage in diesem Zeitraum betrug laut WGC weltweit etwa 919,8 Tonnen, was einem Wert von etwa 44,5 Milliarden Dollar entsprach. Bemerkenswert: Diese Nachfrage verteilte sich laut WGC zwar in gewohtem Maße über die Verbrauchsektoren, also vor allem auf die Schmuckindustrie sowie Finanzanlagen.

Zwei Länder jedoch stechen nach wie vor bei der Nachfrage heraus: China und Indien. Zusammen stehen die beiden für 52 Prozent der Nachfrage nach Münzen und Barren weltweit sowie für 55 Prozent der Nachfrage aus der Schmuckindustrie. Zwar hat vor allem in Indien die Gold verarbeitende Industrie große Tradition. Es dürfte dennoch kein Zufall sein, dass Indien und China gleichzeitig Länder sind, in denen die Inflation derzeit besonders drastische Ausmaße annimmt.

Das sehen auch die Experten vom WGC so. Trotz des Preisanstiegs stieg die Goldnachfrage in Indien im zweiten Quartal gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 38 Prozent, schreiben sie. In China wurde ein Plus von 25 Prozent gemessen. "Dieses Wachstum wird sich wahrscheinlich fortsetzen", so der WGC. Und als Gründe gibt er an: Hohes Wirtschaftswachstum, hohe Inflation und bevorstehende Festivitäten, auf denen Gold ebenfalls eine wichtige Rolle spielt (Stichwort in Indien: die Hochzeitssaison).

Weitere Faktoren, die laut WGC für eine anhaltend hohe Goldnachfrage im zweiten Halbjahr 2011 sprechen, sind die Euro-Schuldenkrise, die Folgen der Ratingherabstufung der USA durch Standard & Poor's vor wenigen Wochen sowie die Inflationsbefürchtungen auch in der westlichen Welt. Zudem, so der WGC, dürften die Notenbanken weltweit am Goldmarkt vorerst auf der Käuferseite bleiben.

Große Nachfrage auch hierzulande

Andere Fachleute beurteilen die Situation ähnlich. Angesichts der Schuldenkrisen in den USA und Europa und den damit einhergehenden Inflationsrisiken wird zunehmend nach einem sicheren Hafen für das eigene Vermögen gesucht, schreibt etwa das Londoner Handelshaus Goldmoney in einer Mitteilung. Als stabile Währung biete Gold Werterhalt ungeachtet wirtschaftlicher Unsicherheiten oder Rezessionen.

"Gold ist Geld und sollte aus diesem Grund auch in physischer Form regelmäßig gespart werden", empfiehlt Goldmoney-Experte Alex Preukschat. "Wer rechtzeitig in physisches Gold investiert, muss sich weniger um aktuelle Wirtschaftsprobleme wie Währungsverfall und Inflationsgespenst sorgen." Der Fachmann erwartet in den nächsten Jahren weiter steigende Preise.

Ähnlich sieht man es beim Goldhändler Pro Aurum in München. Trotz des starken Preisanstiegs nehmen die wenigsten Anleger Gewinne mit, so die Mitteilung des Unternehmens. 80 Prozent der Kunden seien nach wie vor auf der Käuferseite.

"Die meisten Deutschen sind beim Gold eindeutig unterinvestiert, weil die Edelmetallinvestments zwischen 1980 und 1999 sukzessive heruntergefahren worden sind", schreibt Pro Aurum. Der Nachholbedarf mache sich nun bemerkbar. "Gut 5 Prozent unserer Kunden berichten, dass sie Gold mit Kapital aus gekündigten Lebensversicherungen bezahlen."

Als Konsequenz geht auch Pro Aurum weiterhin von steigenden Preisen aus. "Kurzfristig gibt es möglicherweise einen kleinen Korrekturbedarf", so die Firma. "Mittel- und langfristig sprechen die Indikatoren aus unserer Sicht weiterhin jedoch ganz klar für steigende Goldpreise."

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