Geldanlage Raus aus US-Staatsanleihen?

US-Anleihen scheinen ihre Strahlkraft endgültig verloren zu haben. Doch wie werten Investoren diese Entwicklung? Ein Gespäch mit dem deutschen Vermögensverwalter Hendrik Leber und dem Briten David Harris, der für die Fondsgesellschaft Schroders für US-Anleihen zuständig ist.
Von Arne Gottschalck
Frankfurter Börse: Nicht nur am Aktienmarkt, auch am Anleihemarkt wird neu gerechnet

Frankfurter Börse: Nicht nur am Aktienmarkt, auch am Anleihemarkt wird neu gerechnet

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

mm: Eine Staatspleite ist abgewendet, doch die Kreditwächter drohen weiterhin damit, dass die USA ihr Top-Kreditrating verlieren könnten. Was bedeutet das für US-Anleihen?

Leber: Der sichere Hafen, als der US-Staatsanleihen lange galten, ist weg.

Harris: Das kommt auf den Investmenthorizont an. Eine Abstufung muss nicht zu erzwungen Verkäufen von lang laufenden US-Staatsanleihen, den so genannten Treasury-Bonds (T-Bonds) führen. Paradoxerweise könnte ein Downgrade dazu führen, dass Anlagen mit niedrigerer Qualität verkauft werden, um die durchschnittlichen Anforderungen an Bonität zu erfüllen. Langfristig könnten jedoch die US-Anleihenrenditen nach oben geschoben werden, weil Investoren sich breiter aufstellen und in andere Assetklassen diversifizieren.

mm: Die Verschuldung von Staaten nimmt bedenkliche Ausmaße an - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Lautet die Schlussfolgerung nun "raus aus Anleihen"?

Leber: Nein, es gibt auch andere Anleihenformen, die interessant sind. Dazu gehören zum Beispiel auch Unternehmensanleihen.

Harris: Jetzt T-Bonds zu verkaufen, führt kurzfristig zu Verlusten. Auf längere Sicht haben andere Asset-Klassen innerhalb des Anleihensegments jedoch bessere Kennzahlen, was das Verhältnis von Risiko und möglichem Ertrag angeht.

mm: Haben Ratingagenturen zu viel Gewicht?

Leber: Ich bin ehrlich gesagt recht glücklich darüber, dass Ratingagenturen jetzt schärfer urteilen. Genau das wurde ja immer wieder gefordert. Bei Anleihen ist das Rating auch eine wichtige Anlagehilfe.

mm: Wie sähe der Vergleich zwischen Euro-Bonds, falls sie denn kommen, und US-Staatsanleihen aus?

Harris: Das kommt ganz auf den Emittenten an. Investoren sind jetzt viel vorsichtiger mit Blick auf die Kreditqualität derjenigen, die solche Anleihen herausgeben.

Leber: Ich würde diese Anleihen links liegen lassen, weil dort vermutlich eine politische Institution zwischengeschaltet wäre - und ich als Investor daher nicht weiß, welches Rating tatsächlich hinter so einer Anleihe stünde.

mm: Wie kann die USA es schaffen, ihren Schuldenberg zu reduzieren?

Leber: Vielleicht zwei Kriege einstellen? Im Ernst, die Zahlen sind bedrückend, aber das Land kann es schaffen zu sparen. Ein Sparkurs wird jedoch zu Lasten des Wachstums gehen.

Harris: Die Wurzel des Problems liegt im exzessiven und kumulierten Leihen von Geld über die vergangenen zwanzig Jahre. Insofern hätten entschiedene und koordinierte Anstrengungen, die Ausgaben zu kürzen, den stärksten Effekt. Das wäre ohne Zweifel schmerzhaft und negativ für das Wachstum auf kurze Sicht. Doch die Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass dies die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, das Vertrauen und die Effizienz der Wirtschaft auf längere Sicht wieder zu stärken.

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