US-Schuldenkrise Geldmarktanleger werden nervös

Die Angst vor einer Pleite der USA sorgt auch am Geldmarkt für Stress. Auf dem von kurzfristigen Geschäften getriebenen Handelsplatz sind die Refinanzierungskosten deutlich gestiegen - und das nicht nur in den USA sondern auch auf der hiesigen Seite des Atlantik.
Noch immer Weltleitwährung: Der Anteil des Greenback an den weltweiten Geldreserven liegt bei fast zwei Dritteln. Dennoch werde der Dollar im Zuge der US-Schuldenkrise weiter an Bedeutung verlieren, sagen Experten

Noch immer Weltleitwährung: Der Anteil des Greenback an den weltweiten Geldreserven liegt bei fast zwei Dritteln. Dennoch werde der Dollar im Zuge der US-Schuldenkrise weiter an Bedeutung verlieren, sagen Experten

Foto: KAREN BLEIER / AFP

Frankfurt am Main - "Dollar sind in Kontinentaleuropa extrem teuer geworden", fasst ein Geldmarkthändler eines deutschen Instituts das gespannte Warten auf den möglichen großen Knall in den Vereinigten Staaten zusammen. "Zugespitzt hat sich das in den vergangenen Tagen. Jeder hat noch die Lehman-Krise im Kopf, als der Markt total ausgetrocknet war. Es ist noch nicht so schlimm, aber die Entwicklung geht in diese Richtung."

Sein Haus habe bereits reagiert; verkauft keine Dollar mehr an andere Banken auf Pump und passt auf, ausreichend liquide zu sein. "Einige europäische Banken werden ein bisschen nervös und fragen sich, wo sie Cash herbekommen werden", beobachtet ein anderer Händler. "Deshalb zahlen sie etwas mehr als sie wohl andernfalls tun würden."

"Die Temperatur im Ofen steigt"

Stichtag für eine Anhebung der US-Schuldenobergrenze ist der 2. August. Wenn sich Demokraten und Republikaner bis dahin nicht einigen können, droht der größten Volkswirtschaft der Welt die Zahlungsunfähigkeit. Inzwischen wird spekuliert, dass sich die Amerikaner über diverse Kniffe wohl noch einige Tage länger finanziell über Wasser halten können. Deshalb sei von Panik am Geldmarkt auch noch keine Rede, betonen die Händler. "Die Temperatur im Ofen steigt, aber noch sind die Zinssätze auf Dollar nicht zu teuer geworden, und es ist im Moment auch kein Problem, sich Dollar zu leihen", sagt ein dritter Geldhändler. "Aber wenn sie es nicht schaffen sich zu einigen, dann wird der Markt abgestraft. Das Chaos nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers wird im Vergleich dazu ein Zuckerschlecken gewesen sein."

Nervosität spiegelt sich auch am Anleihemarkt wider

Die steigende Nervosität der Anleger spiegelt sich besonders am Anleihemarkt wider - so waren die Renditen auf US-T-Bills, die am 4. August fällig werden, zeitweise so hoch wie auf kein anderes Papier am US-Anleihenmarkt. Die Kosten für Übernachtkredite, die mit US-Anleihen als Sicherheit unterlegt sind, stiegen sprunghaft.

Ursprünglich hatten Investoren die Debatte um die Anhebung der US-Schuldengrenze recht entspannt verfolgt. Das Polit-Theater ist altbekannt, bislang wurde noch immer rechtzeitig eine Einigung erreicht. Aber der diesjährige Streit hat eine neue Qualität. Inzwischen steht nichts Geringeres als die hervorragende Bonitätsnote der USA auf dem Spiel. Die Ratingagenturen haben sich bereits deutlich geäußert. "Selbst wenn die USA ihr Schuldenproblem kurzfristig lösen - ohne Fortschritte bei der langfristigen Eindämmung des Schuldenbergs ist eine Herunterstufung der Bonität eine Frage des Wann und nicht das Ob", schlussfolgert Anleihenspezialist Jim Leaviss vom Vermögensverwalter M&G.

Der Stern des Dollar sinkt

Die Experten sind sich einig: Kurzfristig würde dies zu heftigen Turbulenzen am Finanzmarkt führen. Mittelfristig geben sie sich relativ entspannt. "Ein Downgrade könnte dazu führen, dass einige US-Fonds weniger neues Geld einsammeln", sagt Dennis Gepp, der für Prime Rate Capital Management die Investmentstrategie verantwortet. "Aber dann muss man sich auch sofort fragen, wohin kann ich mein Geld sonst stecken?".

Der Dollar werde seine Rolle als Weltleitwährung wohl nicht so schnell verlieren, immerhin wechseln bei fast jedem zweiten globalen Devisengeschäft Dollar-Noten den Besitzer. Der Anteil des Greenback an den weltweiten Geldreserven liegt bei fast zwei Dritteln. Ungeschoren werden die USA aber nicht davonkommen. "Die USA erleben gerade das Ende ihres Imperiums", schätzt Leaviss von M&G. Der Stern des Greenback könne nur noch sinken.

Kirstin Knolle, reuters

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