Flucht aus US-Anlagen US-Schuldenstreit treibt Gold auf Rekordhoch

Investoren verlieren die Geduld: Während US-Politiker sich im Streit um die Anhebung der Schuldengrenze gegenseitig blockieren, flüchten Anleger in Gold. Der Goldpreis, der auch als Gradmesser für die Nervosität an den Finanzmärkten dient, erreicht das fünfte Rekordhoch binnen zehn Tagen.
Capitol in Washington: Die Republikaner, allen voran Aktivisten der Tea Party, haben bislang eine Einigung im Schuldenstreit verhindert. Sie wollen Steuererhöhungen um jeden Preis vermeiden

Capitol in Washington: Die Republikaner, allen voran Aktivisten der Tea Party, haben bislang eine Einigung im Schuldenstreit verhindert. Sie wollen Steuererhöhungen um jeden Preis vermeiden

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI/ AFP

New York - Aus Furcht vor den Folgen des Streits um den Abbau der US-Staatsverschuldung haben zahlreiche Anleger am Montag erneut auf Edelmetalle gesetzt. Der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) Gold kletterte auf bis zu 1622,49 Dollar. Dies ist das fünfte Rekordhoch in den vergangenen zehn Handelstagen. An den US-Börsen gaben Dow Jones  und Nasdaq Composite  dagegen nach.

Seit Monatsbeginn hat sich das Edelmetall damit um etwa 8 Prozent oder mehr als 100 Dollar verteuert. Silber zog am Montag um 1,8 Prozent auf 40,75 Dollar an. Sein Kursplus der vergangenen vier Wochen liegt bei gut 17 Prozent.

Investoren befürchteten einen Wertverfall der US-Anleihen und des Dollar, sagte Rohstoff-Experte Ben Westmore von der National Australia Bank. "Im Augenblick erscheint die Lage in den USA etwas instabil, da bietet sich Gold als Gegengewicht an."

Am Wochenende waren die Gespräche zwischen Demokraten und Republikanern über die Sanierung des US-Haushalts und zur Anhebung der US-Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar ohne Ergebnis geblieben. Wird der Streit nicht gelöst, droht der weltgrößten Volkswirtschaft Anfang August die Zahlungsunfähigkeit.

Dollar zum Schweizer Franken auf Rekordtief

Außerdem steht die Top-Bonitätsnote der USA auf dem Spiel. Der Dollar setzte seine Talfahrt fort und fiel auf ein neues Rekordtief von 0,8026 Schweizer Franken.

Unter der Verunsicherung der Anleger litten die meisten anderen Rohstoffe: Ein Barrel (159 Liter) US-Rohöl (WTI) kostete mit 99,31 Dollar 0,6 Prozent weniger als am Freitag. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um 0,6 Prozent auf 118,00 Dollar.

Ungeachtet der aktuellen Verluste rechnen Börsianer aber mit weiteren Preissteigerungen bei diesem Rohstoff. Den Daten der US-Börsenaufsicht CFTC zufolge haben spekulativ orientierte Investoren in der vergangenen Woche ihre Wetten auf höhere Kurse bei Rohöl und seinen Destillaten, wie zum Beispiel Benzin, erneut ausgeweitet.

Für die zweite Jahreshälfte sei mit wieder anziehenden chinesischen Erdöl-Importen zu rechnen, betonte Reuters-Marktanalyst Clyde Russell. Außerdem gehe er davon aus, dass sich die streitenden Parteien im US-Kongress im letzten Augenblick noch zusammenraufen.

Eine Lösung des Schuldenstreits, auch wenn sie nur vorübergehend sein sollte, werde wahrscheinlich eine Erleichterungsrally auslösen. Dies gelte neben Rohöl auch für Industriemetalle. Kupfer notierte am Montag 0,2 Prozent tiefer bei 9664 Dollar. Hier verhinderten Spekulationen auf Versorgungsengpässe einen größeren Kursrutsch, betonten Händler.

Grund hierfür sei der anhaltende Streik in der chilenischen Escondida-Mine, der zum Bergbau-Konzern BHP Billiton gehörenden weltgrößten Kupfergrube. Eine Einigung im Streit um Bonus-Zahlungen ist bislang nicht in Sicht. Gewerkschafter drohen mit einer Ausweitung der Arbeitsniederlegungen auf das gesamte Land.

la/reuters
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